Brückeneinsturz von Genua

18. September 2019 03:11; Akt: 18.09.2019 05:44 Print

Atlantia-Chef tritt zurück und erhält 13 Millionen

Ein Jahr nach dem Einsturz der Autobahnbrücke in Genua mit 43 Toten geht der Vorstandschef der italienischen Holdinggesellschaft Atlantia.

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Hat eine grosszügige Aufhebungsvereinbarung im Vertrag: Atlantia-Holdingchef Giovanni Castellucci. (Archivbild) Das neue Viadukt soll im Frühling 2020 eingeweiht werden: Die Überreste der Morandi-Brücke. (Archivbild) Dürfte sechs Monate in Anspruch nehmen: Der Abriss der Morandi-Brücke in Genua geht langsam voran. (9. Februar 2019) Am Samstag konnte ein erstes Teilstück der eingestürzten Brücke demontiert werden. Das 36 Meter lange und 18 Meter breite Brückenstück war seit Freitag abgetrennt worden, auch in der Nacht wurde weiter gearbeitet. Bis Samstagabend konnte das knapp tausend Tonnen schwere Teilstück schliesslich langsam hinabgelassen werden. Der italienische Architekt Renzo Piano (L) möchte mit seinen Entwürfen die Autobahnbrücke in Genua neu aufbauen. (28. August 2018) Die Morandi-Brücke befindet sich auf einem der wichtigsten Knotenpunkte des europäischen Verkehrs, genau an der Kreuzung der Autobahnen A10 und A7. Die A10 entlang der Riviera ist eine zentrale Verbindungsstrasse nach Südfrankreich, ins Piemont und die Lombardei und vor allem bekannt als berühmte Urlaubsverbindung «Autostrada dei Fiori». Die Häuser unter der Brücke sind extrem gefährdet. (16. August 2018) Tausende Einwohner von Genua nahmen an der Trauerfeier in der Messehalle teil. (18. August 2018) 18 Särge standen aufgebahrt. Darunter ein kleiner weisser für den achtjährigen Samuele, dem jüngsten Opfer. Für die Feuerwehrleute gab es spontanen Applaus. Auch Spieler von Genoa und Sampdoria nahmen an der Zeremonie teil. Viele Anwohner der eingestürzten Brücke mussten ihre Häuser verlassen. (15. August 2018) Die meisten von ihnen kommen bei Freunden oder Verwandten unter, einige werden in Hotels untergebracht. Nächtliche Bergungsarbeiten: Ein Mann des Rettungsteams durchsucht die Autowracks nach Verwundeten und Leichen. (14. August 2018) Die Rettungskräfte inspizieren die eingestürzten Brückenpfeiler. Bei den nächtlichen Rettungsarbeiten wurden weitere Leichen geborgen. Die Suche nach Verschütteten geht in der Nacht weiter: Lampen helfen den Einsatzkräften bei der Arbeit. (14. August 2018) Die Rettungsarbeiten dauern auch am späten Abend noch an. Die Rettungskräfte stehen seit dem Unglück im Dauereinsatz. (14. August 2018) Rettungskräfte stehen seit dem Unglück im Dauereinsatz. Eine Luftaufnahme der Feuerwehr nach dem Einsturz der Morando-Brücke. Rettungshelikopter landen an der Unglücksstelle. Rettungskräfte bergen eine verletzte Person. Der Einsturz einer Autobahnbrücke bei Genua fordert mindestens 35 Todesopfer. (14. August 2018) Insgesamt fand man in den Trümmern bisher 11 Überlebende. Ein Lastwagen konnte kurz vor Ende der Brücke bremsen. Die Morandi-Brücke befindet sich auf der A10. Die Autobahn, die über die Brücke führt, ist vierspurig. Die Brücke führte über ein Industriegebiet. Menschen und Autos wurden unter den Trümmern begraben. Laut der Feuerwehr haben sich Autos auf der Brücke befunden, als sie eingestürzt ist. So sah die Brücke vor dem Einsturz aus. Laut Nachrichtenagentur Ansa stürzte die Brücke in mehr als 40 Metern Höhe und auf etwa hundert Metern ein. Zunächst war nichts über die Anzahl Opfer bekannt. Die Brücke war stark befahren. Dem Unglück ging ein grosses Unwetter zuvor. Die Autobahn 10 wurde gesperrt. Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete, vermuteten die Behörden, dass der Einsturz durch Schwächen am Bau ausgelöst worden sei. Die Tageszeitung «La Repubblica» schrieb online, dass mehrere Autos in die Tiefe gestürzt sind. Rettungskräfte aus der ganzen Region waren im Einsatz. Brückeneinsturz in Genua. (14. August 2018) Brückeneinsturz in Genua. Brückeneinsturz in Genua. Brückeneinsturz in Genua. Brückeneinsturz in Genua. Brückeneinsturz in Genua. Brückeneinsturz in Genua. Brückeneinsturz in Genua. Brückeneinsturz in Genua. Brückeneinsturz in Genua. Brückeneinsturz in Genua. Brückeneinsturz in Genua. Brückeneinsturz in Genua. Brückeneinsturz in Genua. Brückeneinsturz in Genua. Brückeneinsturz in Genua. Brückeneinsturz in Genua. Brückeneinsturz in Genua. Brückeneinsturz in Genua. Vertreter der italienischen Regierung vor Ort in Genua. (15. August 2018)

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Gut ein Jahr nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua ist der Vorstandschef der italienischen Holdinggesellschaft Atlantia, Giovanni Castellucci, zurückgetreten. Der 60-jährige Manager erhält im Zuge einer Aufhebungsvereinbarung eine Abfindung in Höhe von gut 13 Millionen Euro.

Dies teilte Atlantia am Dienstagabend nach einer mehr als fünfstündigen Sitzung des obersten Führungsgremiums mit. Bis zur Ernennung eines neuen Vorstandschefs führt ein fünfköpfiges Komitee das Unternehmen an.

Neue Enthüllungen

Der in Italien mit Spannung erwarteten Sitzung vorausgegangen waren neue Enthüllungen der Behörden zum Zustand der italienischen Autobahnen. Atlantia ist die Muttergesellschaft von Autostrade per l'Italia, zu deren Streckennetz die im August 2018 eingestürzte Morandi-Brücke in Genua gehört. Bei dem Unglück waren 43 Menschen ums Leben gekommen. Der Wiederaufbau hat begonnen und soll im kommenden Jahr abgeschlossen werden.

Autostrade per l'Italia betreibt gut 3000 Kilometer und damit etwa die Hälfte des italienischen Autobahnnetzes. Atlantia hält 88 Prozent an Autostrade und wird ihrerseits von der Familie Benetton kontrolliert. Atlantia hält auch Anteile am Baukonzern Hochtief.

Geschönte Berichte verfasst

Nach der Genua-Katastrophe hatte die Polizei auch andere Autobahnbrücken aus dem Autostrade-Netz unter die Lupe genommen. Als Ergebnis der Ermittlungen wurden vorigen Freitag zwei leitende Mitarbeiter von Autostrade und einer eines Tochterunternehmens unter Hausarrest gestellt. Sechs weitere wurden für ein Jahr vom Dienst suspendiert. Ihnen wird unter anderem vorgeworfen, geschönte Berichte verfasst und den wahren Zustand der Strecken verschleiert zu haben.

Castellucci hatte Atlantia seit 2006 geführt. Die vereinbarte Abfindung wird ihm nach Angaben seiner Firma in vier Raten über die kommenden zwei Jahre ausgezahlt. «Es ist eine Woche, in der wir alle unter Schock stehen wegen all dem, was aus den Kommuniqués der Justiz hervorgeht. Wir hoffen, dass es sich aufklärt», sagte Luciano Benetton, Chef der Benetton-Gruppe, nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa vor Sitzungsbeginn.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • bona fide am 18.09.2019 03:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist die Verantwortung?

    Einfach nur eine bodenlose Frechheit!

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  • M.r. am 18.09.2019 04:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pietätslos

    Auf der ganzen Welt das gleiche. Nur noch Gier und Geldgeil

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  • Ich trett zurück am 18.09.2019 06:37 Report Diesen Beitrag melden

    Was für demokratie?

    Auf der ganzen welt lauft es leider so. Die personen wo die verantwortung dafür tragen und gerade stehen müssen vor dem gesetz. Die tretten zurück bekommen eine abfindung.. Wo bleibt die bestrafgung?

Die neusten Leser-Kommentare

  • c. sigu am 20.09.2019 04:10 Report Diesen Beitrag melden

    Unverdiente Belohnung

    Ich hoffe, er spendet die 13 Millionen Euro den Hinterbliebenen der 43 Todesopfer!

  • Doma am 18.09.2019 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie bei der SBB

    Änlich wie bei der SBB nur das die SBB dem Staat gehört.

  • Martial2 am 18.09.2019 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    13 Jahren Knast wäre angemessen...

    Castelluci ist diese Familie nicht mit Don Corleone verwandt??

  • Ohne Wenn und am 18.09.2019 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Aber

    Als Strafe, sollte der Signore Castellucci eigentlich 13 Jahre unter der Brücke schlafen und die 13 Millionen an eine neue Brücke spenden!

  • Opferhilfe Brückensturz am 18.09.2019 13:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teure Abrissbirne...

    Das ist doch christlich, einem anderen eine Brücke bauen (13 Millionen)...

    • Willy Weber am 18.09.2019 13:17 Report Diesen Beitrag melden

      Sofort Hausarrest

      Statt einer Abfindung sollte dieser Verantwortliche 5 Jahre Hausarrest unter der eingestürzten Brücke erhalten.

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