Anschläge in Mumbai

01. Dezember 2008 16:30; Akt: 01.12.2008 17:11 Print

Atommächte mit wachsenden Drohgebärden

Der neue pakistanische Präsident Asif Ali Zardari schien seine Bemühungen ernst zu meinen, das Verhältnis zum Erzfeind Indien verbessern zu wollen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wenige Tage vor der Terrorserie in Mumbai sorgte er für Schlagzeilen, als er ankündigte, Pakistan werde bei einem Konflikt «garantiert» nicht zuerst Atomwaffen einsetzen. Doch die Anschläge von Mumbai haben die Spannungen zwischen den beiden Atommächten nun wieder eskalieren lassen - mit möglicherweise gefährlichen Folgen auch für Afghanistan und den Westen.

Die indische Regierung steht wegen der Angriffe von Mumbai selber unter scharfer Kritik. Dem Druck vor den im Frühjahr anstehenden Wahlen mag geschuldet sein, dass Neu Delhi noch während der Gefechte in Mumbai «Elemente in Pakistan» verantwortlich machte - vorschnell, wie pakistanische Medien meinen.

Indische Zeitungen berichteten zwar, ein festgenommener Terrorist habe im Verhör angegeben, in einem Trainingslager der muslimischen Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba in Pakistan für die Angriffe von Mumbai ausgebildet worden zu sein. Die pakistanische Polizei teilte aber mit, in dem angeblichen Heimatdorf des Terroristen fehle niemand mit dessen Namen.

Für die Innenpolitik

Die pakistanische Zeitung «The Nation» kritisierte: «Um ihre Haut zu retten, flüchtet sich die Kongress-geführte (indische) Regierung in Säbelrasseln.» Das rechtskonservative Blatt warnte: «Wenn sich nicht wieder gesunder Menschenverstand in Neu Delhi durchsetzt, dann könnten die Armeen beider Länder sich innerhalb von Tagen wieder bei einer Konfrontation Auge in Auge gegenüberstehen.»

Dass das indische Aussenministerium am Montag Medienberichten zufolge den pakistanischen Botschafter einbestellte und wegen der Anschläge formal Protest einlegte, diente kaum der Deeskalation.

Risse in Islamabad

Nicht nur zwischen Indien und Pakistan wächst die Spannung. Auch zwischen der Regierung in Islamabad und der pakistanischen Armee, die zuletzt 1999 geputscht hatte, tun sich Risse auf. Die liberale «The News» schrieb von «gefährlichen Dissonanzen». Das Militär glaube, dass die Regierung «Indien zu leicht nachgibt».

Bereits am Wochenende musste Zardari vermutlich auf Druck der Armee ankündigen, nun doch nicht den Chef des berüchtigten militärischen Geheimdienstes ISI nach Indien zu schicken - obwohl die Regierung diesem Wunsch Neu Delhis zuvor ausdrücklich entsprochen hatte.

Die pakistanische Armee ergriff nach den indischen Vorwürfen selbst die Initiative. Ein hochrangiger Offizier sagte pakistanischen Journalisten, Indien habe Pakistan «ernsthafte Konsequenzen» angedroht - was die Regierung in Islamabad prompt dementierte.

Anti-Terrorkampf unterbrechen

Der Offizier drohte, Pakistan müsse seine rund 100 000 Soldaten von der afghanischen Grenze im Westen abziehen, sollten die Spannungen mit Indien im Osten eskalieren. Der NATO und den USA sei mitgeteilt worden, dass die Armee den Kampf gegen den Terrorismus in den Stammesgebieten dann nicht mehr weiterführen könne.

In einem solchen Fall könnten Taliban und Al Kaida vom Grenzgebiet aus fast ungehindert Ziele in Afghanistan angreifen und die ohnehin prekäre Lage am Hindukusch weiter destabilisieren - ein Horrorszenario für den Westen.

(sda)