Anschlag in Neuseeland

14. Juni 2019 01:49; Akt: 14.06.2019 10:47 Print

Attentäter plädiert auf nicht schuldig

Ein rechtsextremer Australier hatte am 15. März in zwei Moscheen in Christchurch 51 Menschen getötet. Er weist die Vorwürfe zurück.

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Zaed Mustafa (l.), der seinen Vater und seinen Bruder beim Terroranschlag vom 15. März verloren hat, wird zum Freitagsgebet in Christchurch begrüsst. Neuseeland gedenkt eine Woche nach der Attacke auf zwei Moscheen der 50 Todesopfer. (22. März 2019) Sonny Fatu, Präsident des Mongrel Mobs will mit seiner Biker-Gang die Muslime beim Freitagsgebet schützen. Erste Beisetzungen: Zaed (Mitte) wird zur Beerdigung seines Vaters und Bruders gebracht. (20. März 2019) Der mutmassliche Täter hat seinen Pflichtverteidiger von seinem Mandat als Anwalt entbunden. (16. März 2019) Der 48-jährige Abdul Aziz spielte mit dem Attentäter Katz und Maus, bevor er ihn in die Flucht schlug. Am Samstag verstarb das 50. Opfer der Terror-Attacke von Christchurch. Später forderte der Anschlag auch noch ein 51. Opfer. (16. März 2019) Der Schock und die Trauer sind gross. Der Moschee-Attentäter von Christchurch ist am Samstag (Ortszeit) erstmals einem Richter vorgeführt worden. Er zeigte vor Medienvertretern den rechtsextremen «White Power»-Gruss. (16. März 2019) Neuseelands Regierungschefin Jacinda Ardern lobt den Mut zweier Polizisten. Sie hatten den Attentäter von Christchurch 36 Minuten nach dem ersten Notruf festgenommen Yama Nabi hat bei der Attacke seinen Vater Daoud verloren. Der 71-Jährige hat sich laut Medienberichten vor eine andere Person geworfen haben, um sie vor Brenton Tarrant zu schützen. Dafür zahlte er mit seinem Leben. In ganz Neuseeland bekunden Menschen ihre Trauer. Hier legt eine Frau Blumen vor die Moschee in Dunedin im Süden der Südinsel. 49 Kerzen brennen für die Opfer des Anschlags. Am Abend ist die Moschee in Christchurch noch immer von Polizisten umstellt. Bewaffnete Einsatzkräfte weisen Zivilisten darauf hin, den Tatort zu verlassen. Verzweifelte Angehörige stehen vor einer der beiden attackierten Moscheen und warten auf Informationen. Menschen vor der Moschee im Stadtzentrum von Christchurch sind ob des Attentats schockiert. Viele suchen noch nach ihren Angehörigen. Menschen stehen gegenüber einer Moschee in Christchurch. Mindestens 40 Menschen sollen bei einem Anschlag ums Leben gekommen sein. Der australische Premier bestätigte, dass es sich bei einem der Schützen um einen rechtsextremen Australier handelt. Dieser Mann soll der Schütze sein. Er streamte seine Tat über Social Media. Dabei richtete er die Kamera auch auf sich selbst. Im Video sieht man ausserdem mehrere Waffen auf dem Beifahrersitz, die mit Buchstaben und Symbolen übersät sind. Der Schütze trug bei seinem Angriff eine schusssichere Weste. Zudem trug er ein Symbol, das im Zusammenhang mit Hitlers SS verwendet wird. Auf die Ausrüstung hat der Schütze Namen geschrieben, darunter auch solche von anderen Attentätern. Die Bilder postete er auf Social Media. Auch die Magazine sind voller Namen. Zudem hat er migrationsfeindliche Sprüche und Symbole verwendet. Der Angriff soll in zwei Moscheen stattgefunden haben. «Ernste Lage»: Dutzende Menschen wurden zudem verletzt. Mindestens 20 Menschen wurden schwer verletzt. Die neuseeländische Polizei warnte vor einem «aktiven Schützen». Örtliche Medien berichteten, in einer Moschee habe es mehrere Opfer gegeben, eine andere sei geräumt worden. Ein Augenzeuge sagte dem Sender Radio New Zealand, er habe Schüsse gehört und vier Menschen auf dem Boden liegen gesehen, mit «Blut überall». Die Polizei rief dazu auf, im Zentrum von Christchurch nicht auf die Strasse zu gehen und jedes verdächtige Verhalten zu melden. Unklar war zunächst, wie viele Menschen sich zum Tatzeitpunkt in der Moschee aufhielten und ob die Schüsse während des traditionellen Freitagsgebets fielen. Angriff auf eine Moschee in Christchurch. Angriff auf eine Moschee in Christchurch. Auch vor dem Spital in Christchurch stehen bewaffnete Polizisten.

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Nach dem Anschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland mit 51 Toten hat der Täter am Freitag in allen 92 Punkten der Anklage auf «nicht schuldig» plädiert. Der Rechtsextremist aus Australien war per Video aus einem Hochsicherheitsgefängnis in Auckland zugeschaltet worden.

Nach Medienberichten lächelte er, als sein Verteidiger für ihn auf «nicht schuldig» plädierte, während ein Raunen der Opfer oder ihrer Familien durch den Gerichtssaal ging.

Das Gericht sitzt in Christchurch, wo bei dem Angriff auf die beiden Moscheen Mitte März insgesamt 51 Menschen getötet worden waren. Dem 28 Jahre alten Brenton Tarrant aus Australien droht deshalb lebenslange Haft. Die Staatsanwaltschaft wirft dem mutmasslichen Täter 51-fachen Mord sowie 40-fachen Mordversuch sowie Terrorismus vor.

Tarrant sitzt seit den Anschlägen in Neuseelands einzigem Hochsicherheitsgefängnis in Auckland etwa 1000 Kilometer von Christchurch entfernt in Untersuchungshaft.

Schachzug des Massenmörders

Am Freitag ging es vor Gericht unter anderem um ein Gutachten zu seiner Schuldfähigkeit. In Neuseeland ist dies in solchen Fällen ein gängiges Verfahren. Ein psychiatrisches Gutachten bescheinigte Tarrant aber Verhandlungsfähigkeit, wie am Freitag vor dem High Court in Christchurch vorgetragen wurde. Richter Cameron Mander setzte eine nächste Anhörung auf den 15. August und den eigentlichen Prozessbeginn auf den 4. Mai kommenden Jahres fest. Mit dem Bekenntnis auf «unschuldig» kommt es zum Prozess - andernfalls wäre das öffentlichkeitswirksame sogenannte Trial beendet gewesen.

Der Täter hatte grosse Teile der Tat mit einer Helmkamera über Facebook live ins Internet übertragen. Zuvor hatte er ein Pamphlet mit rechtsradikalen und rassistischen Parolen ins Internet gestellt und auch per Mail verschickt. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Anschläge einen terroristischen Hintergrund hatten.

Neuseeland hatte nach dem Anschlag rasch gehandelt und Sturmgewehre sowie halbautomatische Waffen verboten. Facebook hat als Folge der Live-Übertragung der Bluttat von Christchurch neue strenge Regeln eingeführt. Zudem haben Internet-Riesen wie Amazon, Facebook oder Google und 17 Staaten bei einem «Christchurch-Gipfel» in Paris im Mai ein internationales Bündnis gegen Terrorvideos im Netz geschmiedet. Unter anderem stellten Microsoft, Twitter, Facebook, Google und Amazon mehr konkrete Schritte sowie Investitionen zum Kampf gegen Terror-Inhalte im Netz in Aussicht.

(roy/sda/afp)