Schnüffler gesteht

09. November 2011 07:16; Akt: 09.11.2011 10:57 Print

Auch Prinz William war Spionage-Opfer

Im Abhörskandal um die mittlerweile eingestellte britische Boulevardzeitung «News of the World» von Rupert Murdoch gibt ein Privatdetektiv jetzt zu: «Ich habe Prinz William ausspioniert.»

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Zum Imperium des 80 Jahre alten Medienzars aus Australien gehören in Grossbritannien neben dem inzwischen eingestellten Blatt «News of the World» auch die Boulevardzeitung «The Sun» sowie die Qualitätsblätter «The Times» und «Sunday Times». Murdoch kontrolliert 37 Prozent des britischen Zeitungsmarktes. Murdoch wollte seine Medienmacht mit einem milliardenschweren Anteils-Zukauf beim Sender BSkyB weiter ausbauen, musste dies aber zunächst aufgeben. Murdoch pflegt engste Kontakte zu Spitzenpolitikern. Schon lange galt in Grossbritannien als offenes Geheimnis: «Murdoch gewinnt Wahlen.» Er gilt als Kronprinz im Medienimperium seines Vaters. Bei der britischen Senderkette BSkyB, an der Murdoch 39 Prozent hält, war der 38-Jährige zunächst Vorstandschef, zuletzt Aufsichtsratsvorsitzender. Der in London geborene James leitet die Europa-Aktivitäten für News Corp. Sein Stern könnte mit der Abhöraffäre sinken. BSkyB-Aktionäre diskutieren offen seine Ablösung. Die «Power-Frau» in der Macho-Welt des britischen Boulevardjournalismus war bis 2003 Chefredakteurin von «News of the World» - just in der Zeit, in der das illegale Abhören bei der Zeitung zum System zu gehören schien. Die 43-Jährige mit der roten Lockenmähne wechselte dann zur «Sun» und leitete bis zu ihrem Rücktritt am 15. Juli 2011 als Verlagsmanagerin die Medienholding News International, zu der alle britischen Murdoch- Zeitungen gehören. Wegen ihrer engen Kontakte in die Downing Street könnte sie für Regierungschef David Cameron zur Belastung werden. Auch der Nachfolger von Brooks als Chefredakteur von «News of the World» könnte für Premierminister David Cameron zur Zeitbombe werden. Obwohl Coulson schon 2007 wegen des Skandals als Chefredakteur abtrat, gab Cameron ihm eine «zweite Chance» und machte ihn schliesslich zum Kommunikationschef. Zum wohl einflussreichsten Strippenzieher der Downing Street aufgestiegen, musste Coulson im Januar 2011 auch dort gehen. Der 43- Jährige wird nicht nur beschuldigt, er habe von den Praktiken seiner Reporter gewusst - ihm wird sogar vorgeworfen, Schmiergeldzahlungen an Polizisten abgesegnet zu haben. Am 8. Juli 2011 wurde er vorübergehend von der Polizei festgenommen. Der am 18. Juli 2011 im Alter von 47 Jahren gestorbene Ex- Journalist hat Coulson als erster schwer belastet. Der «New York Times» hatte der ehemalige Showbusiness-Reporter von «News ot the World» erzählt, wie sein früherer Freund Coulson ihn persönlich animierte, «schwarze Künste» anzuwenden. Hoare galt als alkohol- und drogenabhängig und wurde aus diesem Grund schon 2005 von Coulson gefeuert. Dem «Guardian» hatte er vor seinem Tod erzählt, wie er täglich drei Gramm Kokain und Unmengen Alkohol konsumierte, um im Leben von Rockstars mitzuhalten. Sein Arzt habe sich schon vor Wochen gewundert, dass er überhaupt noch am Leben sei, sagte er der Zeitung. Der 57-Jährige stand nur zweieinhalb Jahre an der Spitze der renommierten Londoner Polizeibehörde Scotland Yard. Er musste zurücktreten wegen seiner Nähe zu dem früheren «News- of-the-World»-Reporter Neil Wallis, den er als PR-Strategen anheuerte. Zusammen mit seiner Frau hatte Stephenson sich einen Kuraufenthalt teilweise bezahlen lassen. Auch für die Kureinrichtung machte Wallis die Werbung. Beamte von Scotland Yard sollen ferner Geld von Journalisten angenommen haben, um Informationen herauszugeben. Reporter sollen sogar Zugang zu spezieller Polizeitechnik bei der Ortung von Zielpersonen erhalten haben. Er war einer der Männer hinter Stephenson bei Scotland Yard und im Jahr 2009 dafür verantwortlich, dass eine erneute Untersuchung des wieder aufgeflammten Abhörskandals unterblieb. Lediglich acht Stunden soll er das umfangreiche Material geprüft haben, ehe er die Akten vorschnell schloss. Yates sprach damals von «acht bis zwölf» Betroffenen der Abhöraffäre - in Wirklichkeit waren es 4000. Yates, der früher für die Terrorismusbekämpfung in Grossbritannien zuständig war, wird ebenfalls eine ungesunde Nähe zu Neil Wallis nachgesagt. Auch dessen Tochter soll er einen Job bei Scotland Yard verschafft haben. Er selbst hat nach eigener Aussage ein «reines Gewissen» und fühlt sich als Opfer falscher Anschuldigungen. Der ehemalige Journalist von «News of the World» wird vorgeworfen, im Jahr 2002 das Telefon der vermissten Milly Dowler angezapft und willkürlich Nachrichten von der Mailbox der 13-Jährigen gelöscht zu haben - alles für eine exklusive Geschichte. Das wäre allerdings nicht das erste Mal, dass der Reporter auf illegale Weise zu seinem Material kam. Dem früheren Königshausberichterstatter wurde nachgewiesen, die Telefone von Mitarbeitern der britischen Royals und den Prinzen William und Harry abgehört zu haben. Im Januar 2007 wurde er deswegen zu vier Monaten Haft verurteilt. Der Privatdetektiv soll zusammen mit Goodman illegale Recherchemethoden angewandt haben. Mulcaire bespitzelte Prominente wie die Hollywood-Schauspieler Sienna Miller, Jude Law oder Hugh Grant. Der 40-Jährige behauptet, von «News of the World» für «Recherche- und Informationsdienste» verpflichtet worden zu sein. Dabei macht er seinen Arbeitgeber für sein Tun verantwortlich: «Ich stand unter Druck. Die wollten ständig neue Informationen haben.» Mulcaire musste seine illegale Abhörmethode im Gefängnis büssen - sechs Monate lang.

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Ein Privatdetektiv im Auftrag der Boulevardzeitung «News of the World» hat laut einem BBC-Bericht neben Dutzenden Politikern und Prominenten auch Prinz William ausspioniert. Der Fall habe sich 2006 zugetragen, als sich William in Gloucestershire aufhielt, wo sein Vater einen Landsitz hat.

Der Mutterkonzern der inzwischen eingestellten Zeitung, News International, wollte zu dem Bericht am Dienstag nicht Stellung nehmen. Unter anderem habe der Detektiv den früheren Fussballstar Gary Lineker oder die Eltern von «Harry Potter»-Darsteller Daniel Radcliffe ins Visier genommen.

Er habe notiert, welche Kleidung sie trugen, welche Autos sie fuhren, wen sie wo trafen, sagte der Mann der BBC. Dies wäre nicht illegal, seit dem jüngsten Abhörskandal um die Zeitung reagiert die Öffentlichkeit aber sensibel, wenn Medien in die Privatsphäre von Prominenten eindringen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Louise am 09.11.2011 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Die wussten das

    Kann sein, dass dem so ist. Aber die Sicherheitseinheit des Palastes wusste 100 pro davon. Die sind um einige Schuhnummern grösser als ein Privatdetektiv, der von einer Zeitung angeheuert wird. Nur: sie operieren immer und absolut im Hintergrund. Wenn sie einen Grund zum Eingreifen gesehen hätten, wäre das passiert (ist es ja vielleicht auch). Sowas wird niemals an die Öffentlichkeit gelangen. Diese Organisation ist das, wofür sie da ist: malt es Euch selber aus.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Louise am 09.11.2011 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Die wussten das

    Kann sein, dass dem so ist. Aber die Sicherheitseinheit des Palastes wusste 100 pro davon. Die sind um einige Schuhnummern grösser als ein Privatdetektiv, der von einer Zeitung angeheuert wird. Nur: sie operieren immer und absolut im Hintergrund. Wenn sie einen Grund zum Eingreifen gesehen hätten, wäre das passiert (ist es ja vielleicht auch). Sowas wird niemals an die Öffentlichkeit gelangen. Diese Organisation ist das, wofür sie da ist: malt es Euch selber aus.

    • werner schneider am 09.11.2011 15:46 Report Diesen Beitrag melden

      Auch bei uns?

      Und was machen unsere Medien??? Tun sie das auch?

    • Ithilwen am 28.11.2011 09:29 Report Diesen Beitrag melden

      Verwundern würds mich nicht.

      Verwundern würds mich nicht wenn die Presse in der Schweiz das auch machen würde....

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