Schreckenstat von Oslo

23. Juli 2011 16:28; Akt: 25.07.2011 11:25 Print

Auch Schweizer Jusos werden bedroht

Laut Cédric Wermuth erhalten auch in der Schweiz die Jusos regelmässig Drohungen von Rechtsradikalen. Nach dem Massaker in Norwegen wird daher die Sicherheit für Juso-Treffen erhöht.

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Der norwegische Justizminister Knut Storberget trägt sich in einem Kondolenzbuch ein. Viele seiner Mitarbeiter werden seit der Explosion des Justizgebäudes noch immer vermisst. Die Suche nach Vermissten, die auf der Flucht vor dem Attentäter erschossen wurden oder ertrunken sind, wird mit Unterwasserkameras fortgesetzt. Überall in der Stadt erinnern Kerzen und Blumen an die Opfer. Mit einem Blumenmarsch gedenken 150 000 Menschen der Opfer der Anschläge. Sie setzen den Gräueln des Terrors Liebe entgegen. Die Polizei korrigiert die Zahl der Opfer nach unten. Bei der Schiesserei Anders Behring Breivik nach seinem Termin beim Haftrichter. Er plädierte auf gehalten. Sicherheitskräfte vor der , in dem die erste richterliche Anhörung des mutmasslichen Attentäters stattfand. , Königin Sonja, Kronprinz Haakon und Ministerpräsident Stoltenberg (von links) tragen sich in das Kondolenzbuch für die Opfer ein. Ein kleines Schild vor der Kirche im Zentrum von Olso. Norwegens Gesundheitsministerin Anne-Grete Stroem-Eriksen (7. von links) und Sven Mollekleiv, Präsident des Norwegischen Roten Kreuzes (4. von links) gedenken mit der Opfer. Tausende stehen während einer in ganz Norwegen still und gedenken der Opfer. Blumen und Kerzen an das Attentat. Im Hintergrund die kleine Insel Utøya. Polizisten bei auf der Insel Utøya. Tauchroboter suchen im in der Nähe der Insel Utøya nach weiteren Opfern. Die französische Polizei dursucht das von Anders Behring Breivik in Südfrankreich. Französische Polizeibeamten befragen den Vater (Mitte sitzend) des mutmasslichen Attentäters. Nach Medienberichten hatte er jedoch jahrlang zu seinem Sohn. ist nach dem schrecklichen Attentat in Norwegen unendlich gross. Premierminister Jens Stoltenberg, Überlebende der Anschläge und Angehörige feiern einen . Hunderte Menschen haben sich ausserhalb der Kathedrale versammelt. Eine Frau trägt sich auf einer ein. Am Samstag nach der Attacke wehen in Norwegen die Fahnen auf Halbmast. Im Regierungsviertel von Oslo kommt es am Freitag um 15.20 Uhr zu einer gewaltigen Explosion. Die Detonation ereignet sich doch Jens Stoltenberg befindet sich zum Zeitpunkt des Anschlags nicht in seinem Büro. unzählige Fensterscherben bersten, Möbel und Mauerstücke werden durch die Luft geschleudert. Schon bald steht für die Polizei fest, dass es sich um einen Bombenanschlag handelt. Am Tag des Anschlags sterben Wie viele Personen verletzt sind, steht zunächst nicht fest. Nach und nach die Polizei das komplette Viertel. Wie heftig die Detonation war, zeigt dieses das von der Explosion offenbar durch die Luft geschleudert wurde. Ob es sich um das mit Sprengstoff bestückte Fahrzeug handelt, ist unklar. Ein Augenzeuge hält im Video fest, wie Rauchschwaden über dem Regierungsviertel aufsteigen. Die Betroffenen stehen unter begreifen nicht, was sich soeben zugetragen hat. Derweil hat der Täter bereits ein neues Anschlagsziel angesteuert: Ein nahe bei Oslo. Dort gibt sich der Attentäter als Polizist aus und will angeblich Kontrollen durchführen. schiesst wild um sich. Rund eine Stunde lang feuert er auf die Jugendlichen. Erst heisst es, er habe Die Zahl wird am Montag, 25. Juli nach unten auf 68 korrigiert werden. Viele Jugendliche versuchen, Der Schütze stellt ihnen nach und richtet sie gezielt hin. Etliche Jugendliche werden Erst rund eine Stunde nach dem ersten Notruf trifft die auf der Insel ein. Innerhalb kurzer Zeit kann die den Täter stellen und verhaften. Beim Amokläufer handelt es sich um den Er ist norwischer Staatsbürger, Single und betreibt laut bisherigen Polizeiangaben einen Gemüseanbau. In letzter Zeit hat der Verhaftete beschafft. Es wird angenommen, dass er diesen zum Bau von Bomben verwendet hat. (in der Mitte, hier mit einem Arzt des Ullevaal Hospitals) sowie die Polizei haben am 23. Juli noch keine Informationen über die Motive des Amokläufers. Der Festgenommene vertritt gemäss Polizeiangaben Sein einziger und letzter Eintrag auf Twitter: «Eine Person mit Glauben ist gleich stark wie 100 000, die nur Interessen haben.»

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Fehler gesehen?

Schweizer Jusos werden immer wieder aus dem rechtsextremen Lager bedroht. «Drohbriefe und Beleidigungen sind gang und gäbe. Pro Woche bekomme ich ein bis zwei per Mail, über Facebook und per Post», sagt der ehemalige Juso-Präsident Cédric Wermuth gegenüber der Zeitung «Der Sonntag». «Zum Beispiel hat mir vor kurzem jemand geschrieben, einer wie ich wäre in den 30er-Jahren noch standesrechtlich erschossen worden, und das sollte man auch heute tun. Oder in einem rechtsradikalen Forum hat jemand angekündigt, er würde zu mir nach Hause kommen und meine Familie auslöschen.»

Bis jetzt habe er die Drohungen nicht so ernst genommen, sagt Wermuth weiter. «Und ich will es auch nicht, weil das ja genau das ist, was diese Kreise wollen.» Aber was jetzt in Norwegen passiert sei, «fährt einem schon ein. Ich überlege mir nun sicher früher, ob ich Anzeige erstatten soll und ob ich generell früher reagieren soll».

Erhöhte Sicherheit

Die Sicherheitsvorkehrungen für Juso-Treffen jedenfalls werden nach den tragischen Ereignissen auf Utöya in ganz Europa erhöht. «Streng bewacht» wird gemäss «Kurier» die International Union of Socialist Youth (Iusy), die Sozialistische Jugendinternationale, die schon morgen Montag im österreichischen Weissenbach am Attersee beginnt.

Rund 3000 Jugendliche aus über 100 Ländern werden erwartet. Die Schweizer Jungsozialisten sind mit einer Delegation von 25 Leuten mit dabei.

Was hat der Attentäter mit der SVP am Hut?

Die Zeitung «Der Sonntag» stellt ausserdem die Frage, ob Anders Behring B., der Attentäter von Oslo, ein Sympathisant der SVP-Minarett-Initiative sei. Die «Neue Zürcher Zeitung» meldete gestern in ihrer Online-Ausgabe: «Eine auf den Namen des Verdächtigen registrierte Facebook-Seite wurde am späten Freitagabend aus dem Netz genommen. Auf die Seite wurde auch ein Bild des SVP-Plakats zur Anti-Minarett-Initiative hochgeladen.» Die Verbindung zum mutmasslichen Massenmörder wäre für die SVP höchst unangenehm. Doch die «NZZ»-Meldung war nur kurze Zeit online, dann verschwand der brisante Satz wieder aus dem Artikel.

«Der Sonntag» fragte bei der NZZ nach: Nicht auf Intervention der SVP hin habe man die Meldung gelöscht, wie die zuständige Redaktorin auf Anfrage des «Sonntags» betont. Vielmehr habe sie den Hinweis auf das Facebook-Profil von einem Leser erhalten und sei sich nicht mehr sicher gewesen, ob die Seite wirklich vom Attentäter stammt. Es könnte sich beim betreffenden Facebook-Profil, das tatsächlich ein Anti-Minarett-Plakat der SVP ziert, um eine Seite handeln, die von Dritten betrieben wird.

Webseite verhöhnt Opfer

Die inzwischen gelöschte Schweizer Website spreekillers.ch eines 33-jährigen Schweizers aus Elsau ZH verherrlichte am Samstag noch die Schreckenstaten des Attentäters von Oslo, so «Der Sonntag» weiter. In einer Rangliste wurden 40 Amokläufer nach der Anzahl ihrer Opfer aufgeführt. Neben Anders Behring Breivik wurden unter anderen die Amokläufer in Winnenden (D), Oklahoma (USA) oder auch der Zuger Attentäter Friedrich Leibacher genannt.

(feb/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • hans am 24.07.2011 12:09 Report Diesen Beitrag melden

    hass

    die saat des hasses ist nun aufgegangen. die rechten partein sind daran nicht unschuldig, denn sie sind es ja die ihn säen.

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  • Simone am 24.07.2011 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr geehrter Herr Wermuth

    Schauen sie mal in den Spiegel und überdenken sie ihr eigenes verhalten, von schikanieren bis provozieren.

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  • Hans Fakten am 24.07.2011 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Nachdenken...

    Auf Seite 1246 des Manifests von Anders B. werden im Kapitel der international ähnlich denkenden Parteien und Organisationen unter "Schweiz" folgende aufgeführt: Die SVP, SD, PNOS und FPS ! Das sollte einem eigentlich sehr zu denken geben, wenn sich Leute wie Anders B. damit assoziieren können.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Silvio Foiera am 24.07.2011 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Sozialistische Jugendinternationale

    Die International Union of Socialist Youth (Iusy) hält eine Jugendkonferenz ab, die streng bewacht wird... O.K. Man stelle sich nur mal vor, Front National, CDU/CSU, FPÖ, SVP, Lega Nord, etc... (PNOS, NPD, DVU, etc... bewusst ausgeschlossen!) veranstalten einen europäischen Jugendtag. Kein Bauer könnte das Land zur Verfügung stellen, weil er so bedroht würde. Selbiges gilt für Hotels, Restaurants, etc... (Selbst eine Antifemimismus Tagung findet in CH im Halbgeheimen statt) - Ist das Rede und Meinungsfreiheit? Helvetia quo vadis :(

  • Fa Zit am 24.07.2011 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Die Jusos sollen sich dafür einsetzen...

    dass Gewalt-Videos verboten werden...

    • Jonas Zürcher am 27.07.2011 16:44 Report Diesen Beitrag melden

      Tun wir aber nicht.

      Genau so hat er Brot gegessen. Grund für diese Tat sind sicher nicht die Computerspiele, sondern die Ideologie, die er vertrat. Hingegen setzten wir uns ein für ein strengeres Waffengesetz, nach welchem die Verfügbarkeit von Waffen erschwert wird. Auch denkbar sind Kontrollmechanismen , die den Kauf von Dünger registrieren und Auffälligkeiten melden.

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  • Roger Frank am 24.07.2011 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Antwort

    Im Artikel wird gefragt was diese Tat mit der SVP zu tun hat. Antwort. Genau gleich viel oder gleich wenig wie Linksextreme Uebergriffe.

  • Franz W. Seibold am 24.07.2011 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Polizei bei uns überflüssig?

    Schon klar, von links wird Niemand und Nichts bedroht.

  • Bernhard am 24.07.2011 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Terror von Links ist

    Interessant, laut offzieller Statistik ist der Terror von Links in und gegen die Schweiz weiter verbreitet als der von Rechts. Stellt sich nun die Frage, wieso der Terror von links offensichtlich mehr geduldet wird. PS. Ich wähle CVP - um das Bashing mal vorne wegzunehmen.