Dauernebel

17. Januar 2020 19:04; Akt: 17.01.2020 20:06 Print

Auf dem Balkan herrscht dicke, giftige Luft

In vielen Grossstädten auf dem Balkan herrscht seit Tagen Smog-Alarm. Die Bewohner fordern dringende Massnahmen, doch die Politiker schauen weg.

Die Luftverschmutzung durch Autos, Kraftwerke und Heizungen sorgt in vielen Grossstädten auf dem Balkan für Dauernebel. (Video: Tamedia)
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Seit Tagen hängt ein dichter Nebel über mehreren Grossstädten auf dem Balkan. Die Sicht reicht kaum einige Meter, Sarajevo, Pristina, Belgrad und Skopje sind in Smog gehüllt. Schuld daran ist nicht nur die Luftverschmutzung durch Autos und Kraftwerke, sondern auch die Tatsache, dass rund 60 Prozent der Bevölkerung immer noch mit Kohle oder Holz heizt.

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In vielen Orten verbreitet sich nun der Unmut: Die Bürger fordern gesunde Luft und prangern die politische Untätigkeit. «Serbien erstickt, hat jemand den Umweltminister gesehen?», titelte kürzlich die Zeitung «Blic».

Ein trauriges Top 10

Laut der App «AirVisual» gehören die Hauptstädte der Region zu den zehn meist verschmutzten Städte der Welt. Einige Metropolen wie etwa Sarajevo in Bosnien-Herzegowina oder Skopje in Nordmazedonien haben zudem eine ungünstige geografische Lage, weil sie in einem Talkessel liegen.

Smog-Alarm auf dem Balkan

Das UN-Umweltprogramm UNEP untersuchte im Vorjahr die Luftverschmutzung in 19 Städten des Westbalkans. Laut dem Bericht ist die Luftverschmutzung für bis zu 20 Prozent der vorzeitigen Todesfälle verantwortlich.

Ursachen gibt es viele: So erhöhen Kohlekraftwerke wie das in Obilic, in der Nähe der kosovarischen Hauptstadt Pristina, die Smog-Belastung. Aber auch Industrien, heruntergekommene Fahrzeugflotten oder fehlende öffentliche Verkehrsmittel tragen dazu bei.

Die meisten können sich Stromheizung nicht leisten

In Lisice, einem Vorort von Skopje, heizt fast jeder mit Holz. «Ich weiss, dass es umweltschädlich ist, ich bin kein Idiot», sagt der Mechaniker Trajan Nestorovski zur Nachrichtenagentur AFP. «Aber mein Haus mit Strom zu heizen wäre verdammt teuer.»

«Mit Kohle zu heizen im 21. Jahrhundert ist prähistorisch», gibt der 40-jährige Arbeiter Arben Bytyci zu. «Es gibt nichts Schlimmeres, aber was können wir tun?», fügt die 78-jährige Rentnerin Sali Ademi hinzu. Im Winter leiden die Stadtbewohner auf dem Balkan besonders unter der verpesteten Luft, doch Strom ist teuer und nur wenige Menschen haben Zugang zu einer Zentralheizung.

Greta inspiriert Jugendliche

Anes Podic, Präsident des Vereins Eko-Akcija aus Sarajevo, fordert öffentliche Subventionen, um Zehntausende von Holzöfen zu ersetzen. In Tuzla im Nordosten Bosniens fordern Demonstranten einen Fünfjahresplan zur Reduzierung der Umweltverschmutzung.

In Serbien fordert die Oppositionsbewegung «Ne davimo Beograd» (übersetzt «Belgrad nicht ersticken») auf, gegen Politiker zu demonstrieren, die «vorgeben, ein sichtbares Problem nicht zu sehen.»

Auch die Jugendlichen werden aktiv: In Nordmazedonien ist die App «My Air» besonders populär, Schüler und Gymnasiasten führen seit mehreren Wochen regelmässig Demos durch. «Greta inspiriert uns alle», sagt die 17-jährige Iskra Ilieska über die schwedische Klima-Aktivistin. Ilieska weiss, wieso sie selber auf die Strasse geht: «Im Winter fehlt die Hälfte der Klasse wegen Lungenproblemen. Das ist nicht normal.»

Halbpreis-Aktion für die Seilbahn

Viel hat sich trotz Demos und Forderungen bislang nicht geändert. Die einzige konkrete Massnahme, die die lokalen Behörden bisher trafen, war, eine Halbpreis-Aktion auf Seilbahn-Fahrten zu starten.

Damit können Sarajevo-Bewohner bis Ende Januar auf den Berg Trebevic auf 1160 Meter fahren. «Um für ein paar Stunden die Lunge zu beatmen», meinte die 60-jährige Sakiba Sahman, die vom Angebot profitierte.

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Pan am 17.01.2020 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Realität

    Und wir Schweizer retten mit einer Benzinpreiserhöhung und Flugticketabgabe die Welt!

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  • vio am 17.01.2020 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    smog

    auch ich, komme ursprünglich aus kosovo, da haben wir eine kleine wohnung und haupsächlich sind wir nur in den sommerferien für 2 max 3 wochen da, kriegen aber dafür stromrechnungen von 80-100 euro. sind aber ausser am abend so gut wie nicht zu hause und kochen tue ich da auch nicht. vondem her kann ich die bevökkerung total verstehen dass sie andere schädliche massbahmen nutzen, was ich natürlich aber absolut auch nicht gut heisse. aber denen bleibt ja nichts anderes übrig als so zu handeln, durchschnittslöhne 300- 450 euro im monat. wie soll das den gehen?! regierung?? die kann man genauso gut rauchen wie diesen smog!!!

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  • Aaaaargauer am 17.01.2020 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Ich war vor ein paar Tagen geschäftlich in Tuzla, Bosnien-Herzegowina. Wenn man durch die Dörfer und die Stadt fährt, fühlt man sich wie in einem Horrorfilm. Alles vernebelt, an paar Ecken steigt schwarzer-, brauner-, gelber Rauch empor. Im Auto war die Luft sehr sehr stickig. Man sieht nur wenige Meter weit, kaum Menschen auf den Strassen. Verlässt man Tuzla, fährt zur Nachbarstadt scheint plötzlich die Sonne durch, alles ist glasklar, und man kann schön durchatmen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marco von Tropoja am 18.01.2020 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache gute Filter

    Ist mir egal. Hauptsache mein BMW läuft und hat gute Filter in Auto, muss nämlich nächste Woche nach Pristina.

  • Hostis humani generis am 18.01.2020 10:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir alle!

    Na Hauptsache wir bezahlen ein paar Rappen mehr für den Liter Brennstoff und retten das Klima weltweit! Solange die wirklichen Luft- / Klimaverpester nicht mit ziehen, bleibt alles Augenwischerei. Und ehrlich gesagt, ich glaube nicht dass es "die Menschheit" es schafft, das Ruder noch herum zu reissen! Wir dampfen volle Kraft voraus mit wehenden Fahnen in den Untergang! Super Sache!

  • Spannend am 18.01.2020 10:14 Report Diesen Beitrag melden

    Informieren statt labern!

    Der Smog sorgt doch dafür, dass sich das Kima nicht weiter erwärmt! Da es die Abstrahlung blockiert. Aber natürlich schreien alle, dass man ihn loswerden muss, damit das Klima weiter steigt!

  • Danica am 18.01.2020 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Just do it

    Ach bitte, es ist das einfachste der Regierung die Schuld zuzuweisen. Das Problem besteht nicht seit gestern oder seit vorgestern. Die Menschen im Balkan haben kein Bewusstsein für Umwelt, Nachhaltigkeit etc. Jeder einzelne kann was ändern Geld hin oder her. Aber eben dafür muss man was ändern und das sich. Dafür ist keiner bereit. Es ist bequem in der Regierung die Schuld zu suchen. Die ist im Balkan immer für alles Schuld. Ganz genau darum ist es so wie es ist und wird sich auch nicht ändern. Mir tun die nicht leid obwohl meine Vorfahren auch aus dieser Region sind.

  • Rauswer Fer am 18.01.2020 10:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schaut Balkanis, und helft

    Ihr Balkanis, nehmt eure in der CH verdiente Kohle und helft euren Ländern, erwartet jedoch nichts von CH, wir müssen euch schon genügend Soz.Leistungen bezahlen.