Kim Han Sol

04. Oktober 2011 15:13; Akt: 04.10.2011 15:30 Print

Aus dem Leben eines Diktatoren-Enkels

Facebook, westliche Freundin und Hollywood-Schnulzen: Der jüngste Spross des nordkoreanischen Gewaltherrschers Kim Jong-Il ist ein stinknormaler 16-Jähriger. Das darf nicht sein, findet sein Opa.

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Armer Kim Han Sol! Der 16-Jährige hat keine ruhige Minute mehr, seitdem südkoreanische Medien herausgefunden haben, dass der Schüler der Enkel von Kim Jong-Il ist. Und er ist ein wenig anders als sein grantiger Grossvater: Kim Han Sols Lieblingsfilme sind beispielsweise «Love Actually», «Bruce Allmighty» und «Remember the Titans», so der «Korea Herald». Neben Fotografie, Essen und Wein interessieren ihn reisen und Heilbäder. Und er hört gerne Katy Perry und Coldplay, teilte er auf seinem Blog mit.

Kommunist mit westlichen Anleihen

Doch seit Südkorea Wind von der Sache bekommen hat, ist der junge Technik-Fan auf Tauchstation gegangen. Sowohl seinen Blog als auch seine Facebook- und Twitter-Accounts hat er offline genommen, doch der Schaden für den Nordkoreaner ist schon angerichtet- Bilder von Kim Han Sol mit blond gefärbten Haaren und Diamantenohrringen machen ebenso die Runde wie ein Schnappschuss des Schülers mit seiner Liebsten. Auf Facebook stand darunter: «Ich werde dich sehr vermissen.» Die junge Frau antwortete: «Ich liebe dich auch, Yeobo.» «Yeobo» ist ein Kosewort unter koreanischen Eheleuten, berichtet «Daily North Korea».

Ganz verwestlicht ist der junge Mann aber noch nicht: Auf Facebook postete Kim Han Sol eine Umfrage, bei der er wissen wollte, ob seine Freunde den Kommunismus oder den Kapitalismus bevorzugen. Er selbst gibt sich klar als Anhänger der Theorien von Karl Marx und Friedrich Engels: Aus nordkoreanischer Sicht sind Hopfen und Malz also noch nicht verloren. Seine weitere Ausbildung soll der Teenager zukünftig im United World College im bosnischen Mostar erhalten: Schulsprecher Meri Musa bestätigte entsprechend Meldungen. An der humanistischen, britischen Schule lernen 124 Schüler aus 34 Ländern. Eines der drei Studienjahre kostet angeblich 34 000 Dollar jährlich.

Aufgewachsen in Macao - Papa sei dank

Kim Han Sol ist der Sprössling von Kim Jong-nam: Der älteste Sohn des nordkoreanischen Diktators, der teilweise in der Schweiz zur Schule ging, sollte ursprünglich als Nachfolger des Gewaltherrschers aufgebaut werden. Doch er katapultierte sich ins politische Abseits, als er Reformen für den Fall seiner Machtübernahme ankündigte. Nachdem er 2001 mit einem falschen Pass nach Japan einreisen wollte, um angeblich das Tokioter «Disneyland» zu besuchen, sank sein Stern weiter.

Der in Ungnade gefallene Kim Jong-nam lebte in Peking und Macao, bevor er angeblich nach Nordkorea zurückging, um ein Parteiamt zu übernehmen. In der portugiesischen Exklave brachte seine zweite Ehefrau Lee Hye-kyong 1995 Sohn Han-sol zur Welt, der wie seine Schwester Sol-hui in Macao und China aufwuchs. Den Posten von Staatslenker Kim Jong-il soll eines Tages Kim Jong-nams jüngerer Halbbruder Kim Jong-un übernehmen.

(phi)