Gewalt in Bahrain

18. Februar 2011 16:54; Akt: 18.02.2011 16:55 Print

Ausländer prügelten auf Schiiten ein

In der Polizei von Bahrain dienen viele Ausländer. Sie werden gezielt rekrutiert und eingebürgert, um die schiitische Bevölkerungsmehrheit zurückzudrängen.

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Bereitschaftspolizisten nach der Räumung des Perlen-Platzes in Manama. (Bild: Keystone)

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Mit äusserster Härte sind Bereitschaftspolizisten am frühen Donnerstagmorgen in der bahrainischen Hauptstadt Manama gegen Demonstranten vorgegangen. Sie feuerten Tränengas in die Menge und schlugen auf Personen ein, vier Menschen wurden getötet. Das brutale Vorgehen wurde unter anderen von US-Aussenministerin Hillary Clinton verurteilt. Es erstaunt allerdings nicht, denn wenige Polizisten sind bahrainische Staatsbürger.

Die sunnitische Regierung des Königreichs rekrutiert seit Jahren Ausländer aus anderen sunnitischen Staaten wie Jemen, Jordanien und Pakistan. Sie werden vor allem in Sondereinheiten wie der Bereitschaftspolizei eingesetzt und tun «alles, um Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten», wie der ehemalige CIA-Analyst Bruce Riedel der «Washington Post» erklärte. Hintergrund ist das profunde Misstrauen gegenüber den Schiiten, die etwa 70 Prozent der rund 500 000 Bahrainer ausmachen.

Loyal gegenüber dem Iran?

Die konfessionellen Gegensätze sind gross: Die schiitische Mehrheit fühlt sich unterdrückt und fordert mehr Rechte, die meisten Demonstranten stammen aus ihren Reihen. Von den Sicherheitskräften sind die Schiiten weitgehend ausgeschlossen, die Regierung zieht die Ausländer vor, denen sie auch die Möglichkeit zur Einbürgerung offeriert, obwohl sie den Dialekt nicht beherrschen oder im Fall der Pakistaner nicht einmal Arabisch sprechen.

Analysten bezeichnen dies laut dem «Guardian» als «klare politische Strategie, um die demographische Balance im Land zu ändern und die schiitische Wählerstärke zurückzudrängen.» Bei den Sunniten stösst dies auf offenen Beifall, wie ein Bericht der «New York Times» aus Manama zeigt. Sie werfen den Schiiten vor, zu viele Kinder zu haben und nicht hart zu arbeiten. Überhaupt gehöre ihre Loyalität dem Iran und nicht Bahrain.

Tatsächlich geht die schiitische Mehrheit auf die Geschichte des Landes zurück, in der der kleine Inselstaat wiederholt und für längere Zeit unter persischer Herrschaft stand. Hardliner in Teheran bezeichnen Bahrain bis heute als «14. Provinz» des Irans. Die anderen sunnitischen Golfmonarchien verfolgen die Entwicklung mit Besorgnis, vor allem Saudi-Arabien, wo es ebenfalls eine bedeutende schiitische Bevölkerung gibt. Saudische Panzer und Truppen sollen laut «Guardian» die bahrainischen Polizisten unterstützt haben.

Machtkampf im Herrscherhaus

Hinzu kommt gemäss «Washington Post» ein Machtkampf innerhalb der Herrscherfamilie. Der seit 40 Jahren regierende Premierminister Chalifa bin Salman al Chalifa gilt als Hardliner und Förderer der Einbürgerungspolitik. Sein Neffe, König Hamad bin Isa al Chalifa, der 1999 den Thron bestieg, entschuldigte sich dagegen für frühere Fälle von Polizeigewalt.

Aussenminister Chalid bin Ahmad al Chalifa bedauerte am Donnerstag die Gewalt, er betonte aber auch, die Proteste würden das Land auf einen «konfessionellen Abgrund» zutreiben. Dieser hat sich längst gefährlich weit geöffnet. Bei einer Trauerfeier für drei Opfer der Polizeiaktion vor einer Dorfmoschee forderten am Freitag Tausende Schiiten nicht länger nur Reformen, sondern den Sturz der Monarchie.

(pbl)