Afghanistan

02. September 2009 16:38; Akt: 02.09.2009 17:01 Print

Ausschweifungen in der US-Botschaft

Erneut gerät eine private US-Sicherheitsfirma ins Zwielicht. Wachleute der amerikanischen Botschaft in Kabul sollen ausschweifende Partys mit Alkohol und Prostituierten gefeiert haben.

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Der Krieg ist Afghanistan ist in den USA so unbeliebt wie nie zuvor (20 Minuten Online berichtete). Da haben die neusten Enthüllungen gerade noch gefehlt. Sie erinnern an den Blackwater-Skandal im Irak, denn erneut ist eine private Sicherheitsfirma betroffen. In einem Brief an Aussenministerin Hillary Clinton schildert die Organisation Project on Government Oversight (POGO) anarchische Zustände beim Wachpersonal der Botschaft in Kabul.

Sie beruft sich dabei auf E-Mails und Fotos, die sie von Angestellten der Firma ArmorGuard erhalten hat. Sie sorgt mit rund 450 Wachleuten für den Schutz der etwa 1000 Angestellten in der Botschaft. In ihrer Unterkunft Camp Sullivan sollen ausserhalb der Arbeitszeit «abartige» Zustände geherrscht haben. Die Rede ist von Geburtstagspartys mit Prostituierten und von Saufgelagen, die regelmässig ausgeartet seien. So hätten die Wachleute aufeinander uriniert. Fotos stützen diese Angaben.

POGO schreibt von Zuständen im Stil des Kultromans «Der Herr der Fliegen». «Das ging weit über normale Partys hinaus», sagte Direktorin Danielle Brian zu CNN. Die Vorgesetzten hätten die Ausschweifungen gefördert und ihre Untergebenen zu Handlungen gezwungen, die diese abgestossen hätten. «Es war nicht Abu Ghraib», sagte Brian, «wir sprechen nicht von Folter, sondern von Demütigung und einem totalen Zusammenbruch der Befehlskette.»

Schon früher in der Kritik

Man nehme die Anschuldigungen «sehr ernst», liess das Aussenministerium mitteilen. Es sind nicht die ersten negativen Berichte über ArmorGuard. Bereits früher geriet das Unternehmen wegen Sicherheitsmängeln in die Kritik. Die Rede war von Schlafmangel aufgrund von 14-stündigen Arbeitstagen und von schlechter Ausrüstung. Auch Sprachprobleme traten auf – 300 der 450 Angestellten sind gemäss US-Medien nepalesische Ghurkas.

Ein Unterausschuss des Senats kritisierte im Juni das Aussenministerium wegen mangelhafter Kontrollen. Trotzdem wurde der Vertrag mit ArmorGuard um ein weiteres Jahr verlängert. Und in Zukunft sollen die privaten Sicherheitsfirmen in Afghanistan eine noch wichtigere Rolle spielen. Laut «Los Angeles Times» sollen sie vermehrt Aufgaben der Armee übernehmen, damit mehr Soldaten im Kampf eingesetzt werden können.

(pbl)