Besuch im Parlament

02. Oktober 2014 12:44; Akt: 02.10.2014 12:51 Print

Australien verbannt Verschleierte hinter Glas

In den schallsicheren Galerien im australischen Parlament nahmen bisher lärmende Schüler Platz. Mit dem Anti-Terror-Gesetz gilt dies nun auch für «Personen mit Gesichtsbedeckung».

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Das australische Parlament in Canberra. (Bild: Keystone/AP/Rick Rycroft)

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Verschleierte Besucher des australischen Parlaments haben künftig nicht mehr Zutritt zu allen Galerien des Hauses. Dem neuen Anti-Terror-Gesetz zufolge dürfen «Personen mit Gesichtsbedeckungen» nur noch in die schallsicheren, geschlossenen Galerien, die gewöhnlich für lärmende Schulklassen vorgesehen sind, wie das für das Parlament zuständige Ministerium am Donnerstag mitteilte. Dort könnten sie dann hinter den Glasscheiben sitzen.

«Wer sein Gesicht verschleiert, wird in den abgetrennten Boxen sitzen», kündigte Aussenministerin Julia Bishop am Donnerstag an. So könnten auch Leute das Parlamentsgeschehen verfolgen, die nicht identifizierbar seien. Allerdings wusste niemand im Parlament von Canberra, ob überhaupt jemals verschleierte Frauen auf den Zuschauertribünen gesessen haben.

Muslimische Frauen – Bürger zweiter Klasse?

Einige Senatoren warfen dem Parlament vor, dem Land eine Botschaft zu senden, nach der muslimische Frauen wie Bürger zweiter Klasse behandelt werden könnten.

Der australische Premierminister Tony Abbott argumentierte, es sei «völlig angemessen», dass man Menschen unter bestimmten Umständen dazu auffordere, ihr Gesicht zu zeigen. In puncto Kleidung müssten in einem sicheren Gebäude wie dem Parlament für alle die gleichen Regeln gelten.

In Australien herrscht erhöhter Terroralarm. Mitte September hatte die Polizei im grössten Anti-Terror-Einsatz ihrer Geschichte nach eigenen Angaben eine geplante Enthauptung auf australischem Boden vereitelt.

Offenbar sind Abbott Burkas und andere Arten von Verschleierungen aber grundsätzlich ein Dorn im Auge: «Ehrlich gesagt wünsche ich mir, dass sie (Burkas) nicht getragen werden», sagte er an einer Pressekonferenz. Doch Australien sei ein freies Land und es sei nicht die Aufgabe der Regierung, der Bevölkerung Kleidervorschriften zu machen.

(kko/sda)