Gouverneurswahl New York

13. September 2018 07:49; Akt: 13.09.2018 07:49 Print

Bagel-Horror für «Sex and the City»-Nixon

von Martin Suter - Cynthia Nixon von «Sex and the City» will Gouverneurin von New York werden. Kurz vor der Vorwahl beschert ihr eine kulinarische Todsünde Schlagzeilen.

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Keine Sekunde bleiben Kandidaten in den heissen politischen Rennen Amerikas unbeobachtet. Cynthia Nixon, der von der TV-Serie «Sex and the City» bekannten Schauspielerin, ergeht es im Wahlkampf um die Kandidatur für das Amt des Gouverneurs des US-Bundesstaates New York nicht anders.

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Die ganz und gar nicht öffentlichkeitsscheue Nixon bestellte am Sonntag im Frischmarkt Zabar’s an der Upper West Side einen Bagel mit Cream Cheese. Von einer Kamera verfolgt, leistete sie sich den kulinarischen Fauxpas, den Frischkäse zusammen mit Räucherlachs auf einen süssen Zimt-und-Rosinen-Bagel schmieren zu lassen. «Süss und salzig», sagte sie stolz. «Lehne es nicht ab, bevor du es gekostet hast.»

Wie Pizza mit Messer und Gabel

«Entsetzlich», titelte die «New York Post» über die auf der Website Gothamist festgehaltene Bagel-Wahl. Die Zeitung sah sich an eine Todsünde des Bürgermeisters Bill de Blasio erinnert, der 2014 im Stadtteil Staten Island eine Pizza mit – Horror! – Messer und Gabel verspeiste. Umgehend liess die «Post» Nixons Bagel-Kombination von zwei Redaktoren austesten. Sie reagierten sehr unterschiedlich:


(Video: New York Post)

Die durch das Bagel-Abenteuer erworbenen Schmunzel-Punkte werden Nixon in den am Donnerstag stattfindenden Vorwahlen der Demokraten kaum zum Sieg reichen. Tage vor der Entscheidung, die wegen der überragenden Dominanz der Partei in New York den Schlusssieg im November praktisch vorwegnimmt, liegt der amtierende Gouverneur Andrew Cuomo mit 63 gegen 22 Prozent sehr klar vorn.

Kandidatin der Progressiven

Der grosse Abstand erstaunt in dem erbittert geführten Rennen um das Regierungsamt im viertgrössten US-Gliedstaat. Die 52-jährige Lesbe hat den von links wehenden politischen Wind im Rücken. Sie vertritt progressive Anliegen wie Krankenversorgung für alle, kostengünstigen Wohnraum und ein faireres Strafjustizsystem. Nixon versteht sich gut mit der demokratischen Sozialistin Alexandria Ocasio-Cortez. Mit der Siegerin in Vorwahlen für einen Sitz im US-Repräsentantenhaus tanzte sie unlängst Salsa:


(Video: YouTube/SoundRentals NYC)

Im Vergleich zu Cuomo ist Nixon eine Amateurin. Der Gouverneur mit der Erfahrung von zwei Amtszeiten gab seit Juli acht Millionen Dollar für TV-Werbung aus und hat trotzdem noch 16 Millionen in der Kriegskasse. Nixon verfügt nicht mal über eine halbe Million Dollar, etwa so viel, wie sie in der Endphase des Wahlkampfs ausgab.

Gouverneur nutzte den Sumpf

Als Sohn eines früheren Gouverneurs hat der 60-jährige Cuomo sämtliche nötigen Kontakte in der für korrupte Verhältnisse berüchtigten Hauptstadt Albany, 245 Kilometer nördlich von New York City. Beim Amtsantritt versprach er, in Albany aufzuräumen. In Wahrheit nutzte er den Sumpf nach Kräften zu seinen Gunsten. Allein dieses Jahr wurden sein früherer Wahlkampfchef Joseph Percoco und sein Wirtschaftsberater Alain Kaloyeros wegen Korruption verurteilt. Doch damit, sagt der Gouverneur, habe er nichts zu tun.

Cuomo will auch nichts mit der Vernachlässigung der inzwischen maroden U-Bahn von New York zu tun haben. Und auch nicht mit einem in den letzten Tagen von der Partei verteilten Flugblatt, worauf Nixon antisemitische Neigungen unterstellt werden – dabei ist diese mit einer jüdischen Frau verheiratet.

Nixons Siegeschancen sind daher eher gering.