UNO-Millenniumsgipfel

20. September 2010 16:23; Akt: 21.09.2010 08:41 Print

Ban warnt vor Trägheit und Vernachlässigung

UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon hat in New York einen Sondergipfel der Vereinten Nationen eröffnet, der den Kampf gegen Armut, Hunger und Krankheiten in der Welt vorantreiben soll.

storybild

Ban Ki-moon vergleicht an der Eröffnung der UNO-Millenniumsgipfel mit Deiss die Zeit ihrer Uhren. (Bild: Keystone/AP)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Auf Einladung der UNO haben mehr als hundert Staats- und Regierungschefs am Montag in New York ihre Beratungen über neue Strategien im Kampf gegen Armut, Hunger und Krankheiten aufgenommen. Im Mittelpunkt standen auch zwei Schweizer: Alt Bundesrat Joseph Deiss als Präsident der UNO-Vollversammlung und Bundesrätin Calmy-Rey als Vertreterin der Schweiz.

Beim Gipfel wollen Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft eine Zwischenbilanz zur Umsetzung der Millenniums-Entwicklungsziele ziehen, die vor zehn Jahren auf einem UNO-Gipfel verabschiedet worden waren.

Diese sehen unter anderem bis zum Jahr 2015 eine Halbierung der Zahl der Hungernden und der Armen, eine Absenkung der Kindersterblichkeit um zwei Drittel, einen Stopp der Ausbreitung von Aids sowie den Zugang aller Kinder zu Grundschulbildung vor.

Ban sprach von spürbaren Fortschritten, die in vielen armen Ländern allerdings «immer noch brüchig» seien. Mit politischem Willen und zusätzlichen Finanzmitteln könne der Lebensalltag von Milliarden Menschen verbessert werden: «Trotz aller Hindernisse, trotz aller Skepsis sind die Millenniums-Ziele noch erreichbar», sagte Ban. Mit Blick auf das Zieljahr 2015 sagte er: «Die Uhr tickt.»

Der UNO-Generalsekretär bezifferte den zusätzlichen Finanzbedarf zur Umsetzung der Ziele bis 2015 vor Beginn des Gipfels auf mehr als 100 Milliarden Dollar. Ban hofft darauf, bei dem New Yorker Treffen Finanzzusagen in Milliardenhöhe zu erhalten.

Calmy-Rey: Menschenrechte respektieren

Respekt für die Menschenrechte und nachhaltige Entwicklung sind zur Erreichung der UNO-Millenniumsziele unabdingbar. Dies sagte Bundesrätin Micheline Calmy-Rey vor der UNO-Vollversammlung. Als die Ziele im Jahr 2000 beschlossen wurden, habe man mit viel Zuversicht in die Zukunft geschaut und einen historischen Konsens erreicht, sagte Calmy-Rey.

Heute sei der Optimismus gedämpft, weil man nicht erreicht habe, was man wollte. «Die Fortschritte zur Reduzierung der Zahl armer Menschen weltweit, der Zugang zu Bildung und Trinkwasser und die Gleichberechtigung der Geschlechter sind ungenügend», sagte die Aussenministerin.

Sarkozy: Finanzwelt soll mithelfen

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy schlug vor, die internationale Finanzwirtschaft in Verantwortung zu nehmen: «Die Finanzwirtschaft ist global tätig, aus welchem Grund sollen wir von der Finanzwelt nicht verlangen, durch eine Steuer auf jede Finanztransaktion zur Stabilisierung der Welt beizutragen?»

Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte, die vorhandenen Finanzressourcen für die armen Länder wirkungsvoller einzusetzen. «Es geht eben nicht nur um Geld, sondern um die Frage: Was wird aus dem Geld?» Dabei seien die Regierungen der Empfängerländer in der Pflicht, durch gute Regierungsführung einen sinnvollen Einsatz der Mittel sicherzustellen.

Deiss rief zur Besonnenheit auf

Das hochrangige Treffen wird von alt Bundesrat Joseph Deiss als Präsidenten der 65. UNO-Generalversammlung geleitet. In seiner Rede zur Eröffnung des Gipfels zeigte sich Deiss überzeugt, dass die Ziele des Millenniumsgipfels noch erreicht werden können.

«Wir haben das Know-How und die Ressourcen, die wir brauchen und wir können es schaffen», sagte Deiss. Er rief die hochrangingen Staatsvertreter dazu auf, während dem dreitägigen Gipfel in «ruhiger und konstruktiver Weise» zu besprechen, wie die Bemühungen verstärkt werden können.

(sda)