Kanzlerin in den USA

07. Juni 2011 19:00; Akt: 07.06.2011 20:50 Print

Barack Obamas nette Worte für Angela Merkel

Angela Merkel wurde in den USA herzlich empfangen. Bevor ihr am Abend die «Medal of Freedom» überreicht wird, sagte Barack Obama: «Ich traue ihr.»

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Haben ein gutes Verhältnis: Angela Merkel und Barack Obama. (Bild: Reuters)

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US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben am Dienstag Einigkeit in wichtigen internationalen Fragen demonstriert. Die Gespräche drehten sich vor allem um die Lage in Libyen, Afghanistan und Griechenland.

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im Weissen Haus verwies Obama auf die «zusätzliche Verantwortung», die Deutschland in Afghanistan übernommen habe, um anderen verbündeten Nationen «Ressourcen freizumachen für den Schutz des libyschen Volkes». Nach einem Sturz des Diktators Muammar al Gaddafi erwarte er «umfangreiche deutsche Unterstützung», fügte der US-Präsident hinzu.

Auch die Kanzlerin betonte, dass Deutschland durch das starke Engagement in Afghanistan einen «indirekten Beitrag» zur NATO- Mission in Libyen leiste. Merkel sagte zudem Unterstützung beim Aufbau staatlicher Institutionen in Libyen zu, etwa beim Aufbau der Polizei in Bengasi.

Beide äusserten sich auch zur Finanzkrise in Griechenland. Obama zeigte sich überzeugt, dass Deutschland hier «eine Führungsrolle übernehmen werde, damit das verschuldete Land «wieder zum Wachstum zurückfindet».

Bei diesem schwierigen Prozess seien «Zeit und Geduld» erforderlich. Merkel versicherte, Deutschland sei sich bei der Stabilität des Euro seiner Verantwortung für die Weltwirtschaft bewusst und wolle zugleich ein wettbewerbsfähiges Europa.

Obama bezeichnete Merkel zudem als gute Freundin und Partnerin. Er lobte den pragmatischen Ansatz der Kanzlerin «bei sehr komplexen Angelegenheiten». Obama betonte zudem: «Ich traue ihr.» Es mache Spass, mit miteinander zu arbeiten.

Mit militärischen Ehren empfangen

Früher am Tag war Merkel im Weissen Haus vor rund 4700 geladenen Gästen von US-Präsident Barack Obama und dessen Ehefrau Michelle mit höchsten militärischen Ehren empfangen worden. Bei der feierlichen Zeremonie wurden in Washington 19 Böllerschüsse zu Ehren der Regierungschefin abgefeuert. Merkel hatte Obama bereits am Vorabend zu einem Vier-Augen-Gespräch getroffen.

Merkel sprach von einem «überwältigenden Empfang» und erinnerte dabei an ihre Rede vor dem US-Kongress. «Auch den heutigen Tag werde ich nicht vergessen», sagte sie. Die Deutschen wüssten «dass wir in Amerika einen wahren Freund haben».

Die Freundschaft sei über die Jahre gereift und werde täglich ge- und belebt. Deutschland und die USA teilten dieselben Werte. Auch Merkel sprach ein paar Worte auf Englisch und erklärte, Deutschland und Europa hätten keinen besseren Partner als Amerika.

Nach der Zeremonie trug sich Merkel ins Gästebuch des Weissen Hauses ein, um sich dann zu einem weiteren Vier-Augen-Gespräch mit Obama zurückzuziehen. Danach traf sie sich mit Vizepräsident Joe Biden und Aussenministerin Hillary Clinton.

Ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit

Merkel genoss bei ihrer USA-Reise ein ungewöhnliches Mass an Aufmerksamkeit durch den US-Präsidenten. Nicht nur, dass es 17 Jahre her ist, dass im Weissen Haus zuletzt ein Staatsbankett für einen deutschen Kanzler - damals Helmut Kohl - gegeben wurde. Merkel ist auch die erste europäische Politikerin, die eine solche Behandlung durch Barack Obama erfährt.

Gleich nach ihrer Ankunft führte Obama die Kanzlerin in das Gourmet-Restaurant «1789» im Stadtteil Georgetown aus. Das rund zweistündige Gespräch im ersten Stock des im Landhaus-Stil eingerichteten Restaurants verlief nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen in entspannter, freundschaftlicher Atmosphäre.

Obama holte die Kanzlerin dazu aus dem Gästehaus der US- Regierung, dem «Blair House» ab und brachte sie anschliessen persönlich wieder zurück. Dies sei eine ganz besondere Geste, verlautete dazu aus amerikanischen Delegationskreisen.

Auszüge aus der Pressekonferenz in Washington:

(sda)