Rom

29. Dezember 2008 15:28; Akt: 30.12.2008 06:43 Print

Beissattacke gegen den Papst

von Amir Mustedanagic - Gefährlicher Protest: Nach der Mitternachtsmesse im Petersdom versuchte eine Italienerin den Papst in den Hals zu beissen. Nach einiger Verwirrung ist jetzt klar, was die in der Schweiz lebende Angreiferin mit ihrer Attacke bezwecken wollte.

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Papst Benedikt XVI. hatte gerade seine Weihnachtsbotschaft an die Welt gerichtet und machte sich an Heiligabend auf, den Petersdom zu verlassen, als ihm eine Person aus der Menschenmenge entgegenstürmte. Der mit einer Kapuze vermummte Angreifer wurde umgehend von den Leibwächtern des Papstes niedergerungen. Weder der Papst noch die anwesenden Zuschauer schenkten dem Zwischenfall danach weiter Beachtung.

Vatikansprecher Federico Lombardi sagte am Tag darauf gegenüber der Nachrichtenagentur AP, der Mann habe vermutlich den Papst begrüssen wollen. Jedenfalls sei er weder bewaffnet gewesen noch habe man ihn als Gefahr betrachtet. Das hat sich inzwischen als eine etwas schönfärberische Darstellung des Vorfalls herausgestellt.

Protest gegen päpstliche Aussagen zu Homosexuellen

Die Person war zwar tatsächlich nicht bewaffnet gewesen, von einer Begrüssung kann aber keine Rede sein. Laut Erwin Niederberger, dem Medienverantwortlichen der Schweizergarde, handle es sich beim Angreifer um eine psychisch labile Italienerin. «Die Frau wollte den Papst in den Hals beissen», so Niederberger gegenüber 20 Minuten Online. Sie habe damit gegen die in ihren Augen unfairen Äusserungen des Papstes gegen Homosexuelle protestieren wollen.

Die in der Schweiz lebende Italienerin befindet sich gemäss Niederberger inzwischen in polizeilichem Gewahrsam. Ob sie in die Schweiz zurückkehren wird, wo sie in psychiatrischer Betreuung stehe, sei unklar. «Das muss die italienische Polizei entscheiden», so Niederberger weiter.

Zweiter «Anschlag» auf den Papst

Bereits im Juni 2007 kam es zu einem Angriff auf den Papst vor laufenden Kameras (siehe Video unten). Damals hatte ein 27-jähriger Deutscher versucht das Papamobil zu entern, weil er glaubte der wiedergeborene Jesus Christus zu sein. Dem Mann war es gelungen, auf dem Petersplatz über eine Absperrung zu springen, als der Pontifex an einer Menschenmenge vorbei zur wöchentlichen Generalaudienz fuhr. Sicherheitsleute des Vatikans fassten den Angreifer jedoch rechtzeitig, so dass er den offenen Geländewagen nur kurz berührte. Der junge Mann war aufgrund seines geistig verwirrten Zustandes nach der Verhaftung in eine geschlossene psychiatrische Anstalt eingewiesen worden.