24. April 2005 23:04; Akt: 24.04.2005 23:04 Print

Benedikt XVI.: Jubel bei Amtseinführung

Vor 350 000 Menschen und Staatsgästen aus aller Welt ist Papst Benedikt XVI. heute ins Amt eingeführt worden.

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Bei der Messe auf dem Petersplatz rief das neue Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche die Menschen zum Glauben auf.

«Die Kirche lebt. Die Kirche ist jung», rief der Papst bei strahlendem Sonnenschein unter dem stürmischen Beifall der Menge. Demütig nannte er sich einen «schwachen Diener Gottes».

Der erste deutsche Papst seit fast 500 Jahren betonte, er wolle sein Amt in Kollegialität ausführen. Es gehe nicht darum, «meinen Willen zu tun, nicht meine Ideen durchzusetzen, sondern gemeinsam mit der ganzen Kirche auf Wort und Wille des Herrn zu lauschen».

In seiner bildhaften und spirituellen Predigt rief Benedikt die Menschheit in italienischer Sprache zum Glauben auf. Mit eindringlichen Worten verurteilte der 78-Jährige Gewalt und totalitäre Ideologien.

Armut, Hunger und Einsamkeit dürften sich nicht weiter ausbreiten. «Nicht die Gewalt erlöst, sondern die Liebe», rief er den Menschen zu.


«Wie oft wünschten wir, dass Gott sich stärker zeigen würde. Dass er dreinschlagen würde, das Böse ausrotten und die bessere Welt schaffen.» Aber die Welt werde durch die Ungeduld der Menschen verwüstet - und durch die Geduld Gottes erlöst. «Wer glaubt, ist nie allein - im Leben nicht und auch im Sterben nicht.»

Gebet am Grab von Petrus

Nach einem neuen Ritus hatte der Pontifex zu Beginn der Feierlichkeiten am Grab des Apostels Petrus unter dem Petersdom gebetet. Der Apostel Petrus gilt nach kirchlicher Überlieferung als erster Papst.

Begrüsst von stürmischem Beifall schritt die Prozession der Kardinäle mit dem Papst an der Spitze dann ins Freie zum Altar. Umhüllt von einem golddurchwirkten Priestergewand grüsste Benedikt die Menschen.

Pallium und Fischerring

Erstmals in der Neuzeit wurde dem Pontifex bei der Messe eine mit fünf roten Kreuzen - die fünf Wundmale Jesu symbolisierend - bestickte lange Wollstola umgelegt.

Diese Form des Palliums war im ersten Jahrtausend Tradition, als Ost- und Westkirche noch nicht getrennt waren. In der Neuzeit war das kurze Pallium mit schwarzen Kreuzen üblich. Neu gestaltet war auch der so genannte Fischerring, den der Papst bekam.

Der Ring ist das Symbol für den ersten Papst Petrus, den «Menschenfischer». Das Pallium aus Lamm-Wolle weist auf die Aufgabe des Papstes als obersten Hirten hin.

Perfekte Inszenierung

In der Messe, die zum Teil einer perfekten, immer wieder von Applaus unterbrochenen Inszenierung glich, waren auch Laien dabei. Beim «Akt des Gehorsams» gingen neben drei Kardinälen, einem Bischof, einem Priester, einem Diakon und zwei Ordensleuten auch eine Familie aus Korea sowie zwei junge Firmlinge aus Sri Lanka und dem Kongo zum Papst.

Nach der Eucharistie (Abendmahl) fuhr der Pontifex zum Abschluss mit wehendem Gewand in einem offenen Auto stehend durch die jubelnde Menge.

Zu den Staatsgästen aus aller Welt gehörte Bundesrat Pascal Couchepin. Auch der St. Galler Bischof Ivo Fürer und der Weihbischofs der Diözese Lausanne, Genf, Freiburg, Pierre Bürcher, waren nach Rom gereist. Zum Schutz der vielen Gäste waren Anti- Terror-Truppen und rund 10 000 Polizisten im Einsatz.

(sda)