Iran

22. September 2018 10:15; Akt: 23.09.2018 08:08 Print

Teheran bestellt nach Anschlag Botschafter ein

Bei einem Angriff auf eine Militärparade im Iran sind mehrere Menschen getötet worden. Offenbar ist von einem Terroranschlag die Rede.

Angreifer unbekannt: Bis jetzt hat sich niemand zum Attentat bekannt. (Video: Tamedia/AFP)
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Bei einem der schwersten Anschläge im Iran seit Jahren sind am Samstag mindestens 29 Menschen getötet worden. Weitere 57 Menschen seien bei der «terroristischen Attacke» während einer Militärparade verletzt worden, meldete das iranische Staatsfernsehen. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu dem Anschlag. Irans Präsident Hassan Ruhani drohte mit einer «vernichtenden Antwort» auf die Attacke, für die seine Regierung die USA mitverantwortlich machte.

Iranischen Medienberichten zufolge schossen während der Parade in der südwestlichen Stadt Ahwas uniformierte Männer in die Zuschauermenge. Anschliessend hätten die Angreifer versucht, auch auf die Tribüne für offizielle Besucher zu feuern. Daraufhin hätten Sicherheitskräfte zurückgeschossen.

IS-Sprachrohr Amaq: «Versammlung iranischer Truppen» angegriffen

Drei Angreifer seien vor Ort getötet worden, der vierte sei nach der Festnahme seinen Verletzungen erlegen, sagte Militärsprecher Abolfasl Schekartschi. Im Iran wurde am Samstag der «Tag der Streitkräfte» an vielen Orten mit Militärparaden begangen. Ruhani verfolgte eine ähnliche Parade in der Hauptstadt Teheran.

Tote bei Militärparade im Iran

Unter den Toten seien auch Frauen und Kinder, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Irna. Die Zahl der Toten könne weiter ansteigen, da viele der Verletzten in Lebensgefahr schwebten.

Das IS-Sprachrohr Amaq verbreitete eine Bekennernachricht der Dschihadistenmiliz: IS-Kämpfer hätten «eine Versammlung iranischer Truppen» angegriffen. Das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen Site teilte mit, der Angriff sei eine Reaktion auf die iranische Einmischung in Konflikte in der Region.

Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei bezeichnete den Anschlag als «Fortsetzung der Verschwörung von Regierungen aus der Region, die von den USA bezahlt werden» und die versuchten, die Unsicherheit im Land zu erhöhen.

Teheran bestellt Botschafter ein

Präsident Ruhani erklärte auf seiner offiziellen Website: «Diejenigen, die diesen Terroristen Informationen und Unterstützung bei der Verbreitung ihrer Propaganda gewähren, werden sich dafür verantworten müssen.»

Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif erklärte, «regionale Terror-Unterstützer und ihre US-Herren» seien für den Angriff verantwortlich. «Der Iran wird schnell und entschieden zur Verteidigung iranischer Leben antworten.» Die Revolutionsgarden beschuldigten von Saudi-Arabien finanzierte «Terroristen», den Angriff ausgetragen zu haben.

In einer ersten Reaktion bestellte Teheran laut Irna die Botschafter Dänemarks und der Niederlande sowie den britischen Geschäftsträger ein. Teheran habe dagegen protestiert, dass die jeweiligen Länder «einige Mitglieder der Terrorgruppe beherbergen, die den terroristischen Anschlag begangen haben». Es sei «inakzeptabel, dass die Europäische Union die Mitglieder dieser terroristischen Gruppen nicht auf ihre schwarze Liste setzt, solange sie keine Verbrechen auf europäischem Boden verüben», erklärte das Aussenministerium.

Putin ist «entsetzt»

Der Anschlagsort Ahwas liegt in der mehrheitlich von Arabern bewohnten Provinz Chusistan an der Grenze zum Irak. In der Region hatte es in früheren Jahren separatistische Bestrebungen gegeben.

Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte in einer Beileidsbotschaft, er sei «entsetzt von diesem blutigen Verbrechen». Der Vorfall «erinnert uns einmal mehr an die Notwendigkeit eines kompromisslosen Kampfes gegen Terrorismus in all seinen Erscheinungsformen», hiess es weiter.

Im Juni 2017 waren bei einem Angriff auf das Parlament und das Mausoleum von Ayatollah Khomeini in Teheran 17 Menschen getötet und dutzende weitere verletzt worden. Noch während des Angriffs bekannte sich der IS zu der Tat. Bis dahin war der mehrheitlich schiitische Iran von Anschlägen der sunnitischen IS-Miliz verschont geblieben.

(afp)