Amazonas-Regenwald

22. August 2019 10:18; Akt: 22.08.2019 22:07 Print

Bilder zeigen Ausmass der Waldbrände

Im Amazonas-Regenwald toben verheerende Brände. Brasiliens Präsident Bolsonaro gibt Umweltschützern die Schuld an der Katastrophe.

Besonders die indigene Bevölkerung Brasiliens leidet unter den Waldbränden im Amazonas-Regenwald. (Video: Tamedia)
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Noch nie gab es im brasilianischen Regenwald so viele Feuer: Seit Januar nahmen die Brandrodungen im grössten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83 Prozent zu, wie die Zeitung «Folha de S. Paulo» berichtete. Insgesamt wurden demnach 72'843 Brände registriert. Auf Satellitenbildern der Nasa sind die Rauchschwaden deutlich zu erkennen.

Satellitenbilder zeigen das Ausmass der Amazonas-Brände

In den meisten Fällen waren Flächen in Privatbesitz betroffen; aber auch in Naturschutzgebieten und indigenen Ländereien brechen immer wieder Feuer aus. In einem Video (siehe oben) schildert eine indigene Frau, wie das Feuer ihre Lebensgrundlage zerstört. «Es war ihnen nicht genug, unseren Fluss zu töten, jetzt zünden sie unseren Wald an», sagt sie verzweifelt.

«Kapitän Kettensäge»

Am Mittwochabend warf Jair Bolsonaro Umweltschützern vor, hinter den Waldbränden zu stecken. «Wir nehmen den Nichtregierungsorganisationen ihre Zuschüsse, wir haben die Überweisungen der Regierungsstellen eingestellt. Jetzt fehlt ihnen das Geld», sagte der brasilianische Präsident zu Reportern.

«Es kann also sein, dass diese Organisationen gegen mich persönlich und die brasilianische Regierung vorgehen. Das ist der Krieg, in dem wir uns befinden.» Beweise für seine Behauptungen legte er nicht vor. Am Schluss machte er noch einen Witz: «Früher nannten sie mich Kapitän Kettensäge, jetzt bin ich Kaiser Nero, der den Amazonas in Brand setzt. Dabei ist es die Saison der Brandrodungen.»

Umweltschützer wiesen die Anschuldigungen bei einer Protestaktion am Rande einer UN-Klimakonferenz in der Stadt Salvador als «absurd» zurück. Die Brände seien die Folge einer «Politik der Umweltzerstörung und der Unterstützung für die Agrarindustrie», sagte Camila Veiga vom brasilianischen Dachverband der Nichtregierungsorganisationen der Nachrichtenagentur AFP.

«Meine Gedanken sind bei den Betroffenen»

UN-Generalsekretär Guterres äusserte Sorge angesichts der Brände. «Inmitten der globalen Klimakrise können wir es uns nicht leisten, einer wichtige Sauerstoffquelle und einem Ort der Biodiversität zu schaden», schrieb er auf Twitter.

Auch die schwedische Greta Thunberg zeigte sich betroffen. «Meine Gedanken sind bei den Betroffenen. Unser Krieg gegen die Natur muss ein Ende haben», twitterte die Klimaaktivistin.

Frankreichs Präsident Macron warnte, die «Lunge unseres Planeten» stehe «in Brand». Er werde mit den anderen G7-Mitgliedern beim Gipfel in Biarritz am Wochenende «über diesen Notfall sprechen», schrieb er auf Twitter.

Ermittlungen eingeleitet

In der Zwischenzeit hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet. Im Bundesstaat Pará solle geprüft werden, warum der von Bauern angekündigte «Tag des Feuers» vor einer Woche nicht verhindert wurde, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit.

Medienberichten zufolge hatten Farmer im Südwesten von Pará zuletzt in einer koordinierten Aktion grosse Flächen entlang der Landstrasse BR-163 in Brand gesteckt, um Platz für neue Weideflächen zu schaffen.

(kle/sda/afp)