Flug MH17

23. Juli 2014 10:20; Akt: 23.07.2014 10:34 Print

Blackbox bringt nichts – «das Wrack ist wichtig»

Die Blackbox enthält zwar den Datenschreiber und den Stimmenrekorder, Hinweise auf den Angriff liefern aber die Wrackteile. Diese wurden aber verschoben und zerschnitten.

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Alle wollten sie in den Trümmerteilen als Erste finden: die Blackbox. Schliesslich hielten die prorussischen Rebellen den orangen Flugschreiber des Flugs MH17 in den Händen. Die Übergabe an die malaysischen Experten wurde beinahe feierlich vollzogen und machte am Dienstag weltweit Schlagzeilen.

Die Blackbox enthält zwar den Flugdatenschreiber und den Stimmenrekorder, es gilt aber als unwahrscheinlich, dass sie einen Rückschluss auf die Urheber des Angriffs zulässt.

Das gibt auch der Flugsicherheitsexperte Tim van Beveren zu bedenken: «Ich verstehe die Aufregung wegen der Blackbox nicht», sagt er zu «Blick».

Bei einer Unfalluntersuchung liefere sie zwar wichtige Hinweise; sie zeige etwa, welche Systeme ausgefallen seien. Im Fall der MH17 bringe das aber wenig. «Hier haben wir eine andere Situation: eine kriminelle Handlung», sagt van Beveren.

«Wrack ist der Tatort»

Viel wichtiger: das Wrack. «Es ist der Tatort, an dem Spuren verwischt wurden», sagt der Aviatikexperte. Es dauerte, bis die Separatisten internationalen Ermittlern und OSZE-Experten den Zugang zur Absturzstelle gewährten und auch dann wurde ihnen dieser nur beschränkt ermöglicht. Weiter wird den Aufständischen vorgeworfen, Beweismaterial vernichtet, etwa Wrackteile verschoben und zerschnitten zu haben.

«Fragen Sie einen Kriminalpolizisten, der erst nach fünf Tagen an den Tatort darf», sagt van Beveren. «Die Gefahr ist gross, dass der Beweis nie erbracht werden kann, dass MH17 abgeschossen wurde.»

Mittlerweile haben niederländische Experten den Flugdatenschreiber übernommen. Vertreter Malaysias hätten ihn am Dienstagabend am Kiewer Flughafen übergeben, teilte das niederländische Aussenministerium in Den Haag mit. Den Haag hat die Führung bei den Ermittlungen, weil 193 der 298 Insassen Niederländer waren.

Am Mittwoch werden die ersten Absturzopfer mit einem Hercules-Transportflugzeug in die Niederlande überführt. Dort wird die Identifizierung der Toten erfolgen.

(kko)