Trump und die Russen

05. April 2017 16:49; Akt: 05.04.2017 16:50 Print

Blackwater-Gründer Prince suchte Kanal zu Putin

An einem Geheimtreffen auf den Seychellen wollte der Söldnerboss Erik Prince Berichten zufolge zwischen Trump und Putin vermitteln. Trump-Sprecher Spicer dementiert.

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Im Skandal um die Russenkontakte von Donald Trump und seinen Leuten taucht die Söldnerfirma Blackwater auf. Ihr Gründer Erik Prince soll bei einem Geheimtreffen an einem Kanal zwischen Trump und Putin gebaut haben. Erik Prince ist der Bruder von Bildungsministerin Betsy DeVos und ein langjähriger Geldspender der republikanischen Partei. Er lebt in Abu Dhabi. Das Treffen von Prince mit einem russischen Kontaktmann soll am 11. Januar 2017 auf den Seychellen stattgefunden haben. Organisiert wurde es angeblich von Scheich Mohamed bin Zayed al-Nahyan, Kronprinz von Abu Dhabi. Scheich bin Zayed kennt Wladimir Putin gut. Zum Beispiel besuchte er ihn am 11. Oktober 2015 in Sotschi beim Formel-1-GP von Russland. Die Bedeutung des Treffens auf den Seychellen wurde aber von Prince und von der Trump-Regierung bestritten. Die Inselgruppe der Seychellen östlich von Afrika ist als Ort für diskrete Treffen beliebt. Blackwater geriet in die Schlagzeilen, als seine Söldner in Bagdad 2007 in einem Feuergefecht 17 Iraker töteten. Bild: Al-Nisoor-Platz in Bagdad am 2. Januar 2010. Zu dem Feuergefecht kam es nach der Explosion einer Autobombe am 17. September 2007. Erik Prince musste vor dem US-Kongress Rede und Antwort stehen. Später wurden Blackwater-Angestellte vor Gericht wegen Mordes und Totschlags verurteilt. (2. Oktober 2007) Ein Dementi gab es am 4. April 2017 auch von Susan Rice, der Sicherheitsberaterin von Barack Obama. Sie habe zwar die Namen von Trump-Leuten in Geheimdienstberichten aufgedeckt, sagte Rice im MSNBC-Interview. Doch sei dies nie aus politischen Gründen geschehen.

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Die US-Medien suchen unentwegt neue Hinweise auf geheime Verbindungen von US-Präsident Donald Trump und seinen Gefolgsleuten mit der Regierung des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Die neuste Story stammt von der «Washington Post»: Laut der Zeitung hat der Blackwater-Gründer Erik Prince am 11. Januar auf den Seychellen einen Vertreter Moskaus getroffen, angeblich um einen Geheimkanal zwischen Trump und Putin herzustellen.

Die Geschichte wird mit zahlreichen Details untermauert. So sei Prince seit langem ein Fan Trumps gewesen. Der ehemalige Chef der im Irak bekannt gewordenen Söldnertruppe wurde im Breitbart-Radio von Trumps heutigem Chefberater Steve Bannon interviewt und nach der Wahl besuchte Prince den Trump Tower in New York.

Ein Kronprinz vermittelte

Wie die «Post» mit Bezug auf anonyme Quellen in drei Ländern schreibt, sei das Treffen von den Vereinigten Arabischen Emiraten organisiert worden. Federführend seien zwei Mitglieder des emiratischen Fürstenhauses gewesen: der Kronprinz von Abu Dhabi, Scheich Mohamed bin Zayed al-Nahyan, und sein Bruder, der Sicherheitsberater der Vereinigten Arabischen Emirate.

Wie weit Prince auf dem zwei Tage dauernden Besuch mit seinem Networking kam, wird nicht ausgeführt. Zu dem Zeitpunkt des Treffens standen die Kontakte zwischen dem Trump-Team und Russland jedenfalls weit oben in den Schlagzeilen, weshalb das Treffen geheim gehalten wurde. Laut «Post» passt das zu dem «sich ausweitenden Gewebe von Verbindungen» zwischen Trump und den Russen.

«Vollständige Erfindung»

Seit der Publikation der Story haben die Beteiligten aber heftig dementiert. Trumps Sprecher Sean Spicer nannte die Geschichte am Dienstag ein «Bündel von fadenscheinigen Informationsstücken, zusammengebunden mit dem Ziel, eine sensationelle Erzählung» herzustellen. Laut Spicer spielte Prince keine Rolle in Trumps Übergangsteam.

Die gleiche Klarstellung erfolgte auch durch einen Sprecher von Prince: «Erik hatte keine Funktion im ‹Transition Team›», teilte er der «Post» mit. «Dies ist eine vollständige Erfindung. Das Treffen hat nichts mit Donald Trump zu tun gehabt.»

Auch Susan Rice dementiert

Dementis gab es am Dienstag auch auf Washingtons zweite grosse Story, wonach Barack Obamas Sicherheitsberaterin Susan Rice in Geheimdienstberichten die Namen von Trump-Leuten unrechtmässig aufgedeckt habe. In einem Interview mit MSNBC räumte Rice ein, dass sie zuweilen die verdeckten Namen von Amerikanern in Geheimdienstprotokollen «demaskiert» habe. Doch sie sei nie von politischen Absichten geleitet worden; sie habe stets im Interesse der nationalen Sicherheit gehandelt. Und für Lecks sei sie nicht verantwortlich gewesen: «Ich habe nie irgendetwas irgendjemandem zugespielt.»

Nun muss sich die Öffentlichkeit auf die verwirrenden Geschichten einen Reim machen. Doch das ist schwierig: Beim Skandal um die möglichen Russenkontakte des Trump-Teams wie bei jenem um dessen angebliche Blossstellung durch die Obama-Regierung sind praktisch keine überprüfbaren Fakten bekannt. Beide Verschwörungstheorien bestehen nur aus Behauptungen und Dementis. Die Suche nach der Wahrheit wird noch lange dauern.

Das vollständige Interview mit Susan Rice:


(Quelle: Youtube/MSNBC)

(sut)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Carl Lutz am 05.04.2017 17:08 Report Diesen Beitrag melden

    Problem?

    Was ist schlecht daran, wenn der amerikanische Präsident Verbindungen zu Russland pflegt? Ist Russland statum non grata?

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  • Ueli am 05.04.2017 17:09 Report Diesen Beitrag melden

    Reden!

    Wäre doch schön und endlich an der Zeit, dass die Amis mit Russland reden. Aber das wollen die CIA Kriegstreiber natürlich nicht!

  • Firderis am 05.04.2017 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Armes "House of Cards"

    Irgendwie tun mir die Verantwortlichen der Politik-Serie "House of Cards" leid. Was gerade in den USA passiert kann die Serie nicht mehr toppen...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kopfschüttler am 06.04.2017 09:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Erziehung?

    Ich kann das echt nicht nachvollziehen wie man angespannte Verhältnisse, entspannten Verhältnissen vorziehen kann, wie das hier offensichtlich vom Kongress und speziell von den Demokraten angestrebt wird. War der Kalte Krieg so eine schöne Zeit, dass man sie unbedingt wieder aufleben lassen muss? Die Antwort dürfte klar sein. Solche Politiker handeln echt nicht zum Wohl ihrer Wähler. Gilt auch für viele hier in Europa. Politische Differenzen löst man mit Gesprächen auf Augenhöhe am Tisch. Russland betont seine Bereitschaft dazu schon seit langem, dieses Angebot wird aber laufend ausgeschlagen. Säbelrasseln, wie es hier vollzogen wird, kann keine Lösung bringen, es verhärtet die Fronten nur noch mehr und mehr. So etwas weiss jeder, ausser man ist ideologisch völlig falsch erzogen worden und da ist meiner Meinung nach der Hund begraben bei manchen so genannten Volksvertretern.

  • Ex Söldner am 05.04.2017 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gutes Geld, geile Zeit

    War nach der Zeit als Zeitmilitär in Isone für 2 Jahre im Irak. 2007-2009. Lebe heute noch von meinem damaligen Verdienst als Söldner. War eine geile Zeit

    • BW Academi am 06.04.2017 02:33 Report Diesen Beitrag melden

      Ex Söldner

      Waren die Kohlen nicht für 10 Jahre bei einer Bank auf Panama gesperrt? Ist aber auch...

    • Kopfschüttler am 06.04.2017 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ex Söldner

      und auch noch stolz drauf. Pfui! Einen ganz tollen Job habt ihr da gemacht, wenn man sieht wie friedlich und stabil es heute in dem Land ist.

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  • DeBeukeleen am 05.04.2017 19:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der Suter wieder

    nun mit der trumpeten/sünneli/allgemein.VT-rückzugstaktik: ich mische 1x pro mit 1x contra Fakenews um mich unauffällig Richtung seriös zu schimmeln ... billig.

  • Goldlöckli am 05.04.2017 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Was soll wigentlich schlecht daran sein, wenn sich USA & Russland gut verstehen?

    • Goldjunge am 05.04.2017 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Goldlöckli

      Wer schon etwas älter ist und das Ende des 2. WK und die Folgejahre erlebt hat, weiss es!

    • threesizzo am 05.04.2017 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Goldlöckli

      grundsätzlich nicht schlecht, aber sehr unwahrscheinlich, dass diese freundschaft "echt" ist, da beide nationen von absoluten machtmenschen regiert werden, denen es eher um sich selbst geht und die die andere seite vor allem als mittel zum zweck verwenden.

    • Geschichte am 06.04.2017 00:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Goldjunge

      Ende des Krieges hat es dank den Russen überhaupt gegeben.

    • gogg am 06.04.2017 04:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Goldjunge

      Genau da steckt doch das Problem. Die Leute sehen immernoch Ost und West getrennt als wäre Russland noch die Sovietunion. Russland ist aber eher wieder Zarenreich als Kommunistisch und damals waren die Russen auf gutem Fuss mit Europa.

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  • Firderis am 05.04.2017 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Armes "House of Cards"

    Irgendwie tun mir die Verantwortlichen der Politik-Serie "House of Cards" leid. Was gerade in den USA passiert kann die Serie nicht mehr toppen...