Waldbrände in Brasilien

30. November 2019 22:09; Akt: 30.11.2019 22:50 Print

Bolsonaro attackiert Leonardo DiCaprio

Der brasilianische Präsident erhebt heftige Vorwürfe gegen den US-Schauspieler. Dieser soll Aktivisten finanziert haben, die den Amazonas in Brand steckten.

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«Leonardo DiCaprio hat mit den Bränden im Amazonasgebiet etwas zu tun», sagt Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro. Konkret wirft er dem US-Schauspieler und Umweltaktivsten vor, einer angeblich betrügerischen NGO 500'000 Dollar gegeben zu haben. Die NGO habe das Feuer absichtlich gelegt und habe danach mit den dramatischen Bildern zum Spenden aufgerufen, so Bolsonaro. Der Schauspieler und Umweltschützer teilte auf Instagram mit, er habe den von Bolsonaro angegriffenen Gruppen kein Geld gespendet, stehe aber hinter ihnen. Angesichts der verheerenden Brände hatte DiCaprio im August über seine Earth Alliance fünf Millionen US-Dollar für den Schutz des Regenwaldes in Brasilien und die Unterstützung der indigenen Gemeinschaften in der Region zugesagt. Die Zahl der bislang in diesem Jahr gezählten Waldbrände in Brasilien ist die höchste seit 2013. Das staatliche brasilianische Weltraumforschungsinstitut INPE stützt sich bei den Zahlen auf Satellitenbilder. Aus einem INPE-Bericht geht hervor, dass sich die Waldbrände in den Bundesstaaten am Amazonas konzentrierten. Die Zunahme der Waldbrände sei eine Folge des «Anstiegs bei der Abholzung, die wir in jüngsten Statistiken sehen konnten», erklärte der WWF-Experte für das Amazonas-Gebiet Ricardo Mello. Die Kritik an Brasiliens ultrarechtem Staatschef Jair Bolsonaro wegen dessen harter Linie bei der Abholzung des Amazonas-Regenwaldes wird derweil lauter. Zwischen Januar und August 2019 gab es 72'843 Waldbrände. Im gesamten Jahr 2018 waren es 39'759 gewesen.

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Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat US-Schauspieler und Umweltaktivisten Leonardo DiCaprio für die jüngsten Brände im Amazonasregenwald verantwortlich gemacht.

«Leonardo DiCaprio ist ein netter Kerl, oder?», sagte der Staatschef am Freitag vor der Präsidentenresidenz in Brasília zu Anhängern. «Geld geben, um den Amazonas in Brand zu stecken.» Beweise für seine schweren Vorwürfe legte Bolsonaro zunächst nicht vor.

Zuvor hatte Bolsonaro bereits Nichtregierungsorganisationen (NGO) vorgeworfen, die Brände gelegt zu haben, um mit Hilfe der dramatischen Bilder mehr Spendengelder einsammeln zu können.

«Was haben die NGO-Leute getan? Was ist einfacher? Lege ein Feuer, mache Fotos, filme, starte eine Kampagne gegen Brasilien, kontaktiere Leute wie Leonardo DiCaprio und Leonardo DiCaprio gibt dir 500'000 Dollar», sagte Bolsonaro kürzlich. «Ein Teil ging an die Leute, die Feuer gelegt haben, stimmt's? Leonardo DiCaprio hat mit den Bränden im Amazonasgebiet etwas zu tun.»

DiCaprio stellt klar

Der Schauspieler und Umweltschützer teilte mit, er habe den von Bolsonaro angegriffenen Gruppen kein Geld gespendet, stehe aber hinter ihnen. «Die Zukunft dieser nicht zu ersetzenden Ökosysteme ist in Gefahr, und ich bin stolz, an der Seite jener Gruppen zu stehen, die sie schützen», schrieb er am Samstag auf Instagram. «Auch wenn sie es wert sind, unterstützt zu werden, haben wir diese Organisationen nicht finanziert.»

Bolsonaros Sohn Eduardo legte auf Twitter noch einmal nach. «Leonardo DiCaprio hat 300'000 Dollar an eine NGO gespendet, die im Amazonasgebiet Feuer gelegt hat», schrieb der Abgeordnete. «WWF hat 70'000 Dollar für Fotos des brennenden Waldes gezahlt.»

WWF weist Vorwürfe zurück

Die Umweltschutzorganisation WWF wies die Vorwürfe zurück. «Korruption war und ist die Hauptursache für die Zerstörung des Amazonasgebiets, für Landraub, Gewalt gegen lokale Gemeinschaften und indigene Völker, illegale Aktivitäten und Holzdiebstahl», hiess es in einer Stellungnahme. «Was wir von der Regierung erwarten, ist der Mut, das Problem der Brandstiftung und der Bodenspekulation anzugehen.»

Angesichts der verheerenden Brände hatte DiCaprio im August über seine Earth Alliance fünf Millionen US-Dollar für den Schutz des Regenwaldes in Brasilien und die Unterstützung der indigenen Gemeinschaften in der Region zugesagt.

«In dieser Zeit der Krise im Amazonasgebiet unterstütze ich die Menschen in Brasilien, die ihr Natur- und Kultur-Erbe bewahren wollen», schrieb er nun bei Instagram. «Sie geben ein wunderbares und bewegendes Beispiel an Pflichtgefühl und Leidenschaft, das nötig ist, um die Umwelt zu retten.»

International in der Kritik

Bolsonaros Regierung war wegen ihre Umweltpolitik international in die Kritik geraten. Die heftigen Waldbrände in der Trockenzeit hatten auf der ganzen Welt für Bestürzung besorgt. Bolsonaro sieht den Regenwald vor allem als wirtschaftliches Potenzial und will mehr Flächen für Landwirtschaft, Bergbau und Energiegewinnung erschliessen. Kritiker werfen ihm vor, Holzfäller und Farmer zur Abholzung und Brandrodung zu ermutigen.

Zuletzt waren in der Region Pará vier freiwillige Feuerwehrleute festgenommen worden, weil sie angeblich Brände gelegt haben sollen. Die Staatsanwaltschaft stellte später klar, dass es keinerlei Grundlage für diese Vorwürfe gebe. Die Männer wurden daraufhin wieder auf freien Fuss gesetzt.

(sda)