1 Jahr nach Bin-Laden-Tod

02. Mai 2012 08:36; Akt: 02.05.2012 09:58 Print

Bomben in Kabul nach Obama-Blitzbesuch

Kurz nachdem US-Präsident Barack Obama überraschend zu einem Blitzbesuch nach Afghanistan gereist ist, sind bei einem Anschlag in Kabul mindestens sieben Personen ums Leben gekommen.

US-Präsident Barack Obama wendet sich vom Luftwaffenstützpunkt Bagram an seine Landsleute. (Video: Youtube/AssociatedPress).
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Wenige Stunden nach einem Kurzbesuch von US-Präsident Barack Obama in Afghanistan sind bei einem Selbstmordanschlag in der Hauptstadt Kabul mindestens sieben Menschen in den Tod gerissen worden. Zu dem Anschlag am frühen Mittwochmorgen bekannten sich die radikalislamischen Taliban. Ein Taliban-Sprecher erklärte, bei der Tat habe es sich um eine Reaktion auf Obamas Besuch gehandelt. Es habe sich «nicht um Rache für die Tötung Osama bin Ladens» durch amerikanische Spezialkräfte in Pakistan vor genau einem Jahr gehandelt. Obama selber war wenige Stunden zuvor nach einem Blitzbesuch wieder aus der afghanischen Hauptstadt abgereist.

Am Morgen war in der Nähe eines Wohnbereichs für Mitarbeiter internationaler Unternehmen im Osten der Stadt zunächst eine Serie von Explosionen und Schüssen zu hören. Die Schiesserei dauerte mehrere Stunden lang an. Zunächst war unklar, ob der Angriff beendet war. Später war aus dem als «Green Village» bekannten, stark gesicherten Komplex eine weitere heftige Explosion zu hören. Über dem Gelände stieg Rauch auf. Ein afghanischer Polizeisprecher sagte, in dem Komplex hielten sich noch zwei Attentäter auf, die Widerstand leisteten.

Bei einer der Detonationen handelte es sich um eine Autobombe, wie ein Sprecher des Innenministeriums sagte. Der Täter habe seinen Sprengsatz an einer der wichtigsten Durchgangsstrassen gezündet. Dabei seien vier Zivilisten in einem Auto sowie ein Passant und ein Wachmann eines nahegelegenen Gebäudes getötet worden.

Anschlag war Reaktion auf Obamas Besuch

Der Taliban-Sprecher sagte, der Anschlag sei am späten Dienstagabend als Reaktion auf Obamas Besuch geplant worden. Ziel sei ein ausländischer Militärstützpunkt gewesen. Ein NATO-Sprecher sagte, es gebe keine Hinweise darauf, dass ein Stützpunkt der Allianz angegriffen worden sei. Die Tat solle «übermitteln, dass US-Präsident Barack Obama nicht willkommen» in Afghanistan sei, sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid. «Afghanen mögen keine Invasoren, und sie müssen dieses Land verlassen», sagte Mudschahid. «Sobald unsere Mudschaheddin wussten, dass der US-Präsident Afghanistan besuchte, planten wir einen Vergeltungsangriff.»

Wenige Stunden zuvor hatte Obama einen unangekündigten Kurzbesuch in Afghanistan beendet. Er hielt am ersten Jahrestag der Tötung von Terrorchef Osama bin Laden eine Ansprache. Zuvor unterzeichneten Obama und sein afghanischer Kollege Hamid Karsai am Dienstag ein strategisches Partnerschaftsabkommen, das die Rolle der USA in dem Land nach dem für 2014 geplanten Abzug der US-Truppen festschreibt.

Obama und Karsai unterzeichnen Partnerschaftsabkommen

Obama war am Dienstag unter hohen Sicherheitsvorkehrungen unangekündigt in Afghanistan eingetroffen. In Kabul unterzeichneten er und sein afghanischer Kollege Hamid Karsai ein strategisches Partnerschaftsabkommen, das die Rolle der Vereinigten Staaten in dem Land nach dem für 2014 geplanten Abzug der US-Truppen festschreibt. Der siebenstündige Aufenthalt Obamas war bis zuletzt streng geheim gehalten worden.

Mit Blick auf die Terroranschläge des 11. Septembers 2001 sagte der US-Präsident, nach einem Jahrzehnt der Konflikte im Ausland sei es nun an der Zeit für eine Erneuerung Amerikas. Unmittelbar nach der knapp 15-minütigen Rede trat Obama den Rückflug nach Washington an.

Karsai spricht von «gleichwertiger Partnerschaft»

Obama erklärte, der Sicherheitspakt lege die Rahmenbedingungen für die amerikanisch-afghanischen Beziehungen nach dem Truppenabzug 2014 fest. Die Kosten des Krieges seien hoch gewesen, doch die Vereinbarung über die strategische Partnerschaft ebne den Weg für eine friedliche Zukunft. Karsai sagte, der Pakt besiegele eine «gleichwertige Partnerschaft» zwischen beiden Ländern.

Mit der Vereinbarung sind die USA nicht zu einer bestimmten Truppenstärke vor Ort oder Höhe von Finanzhilfen verpflichtet. Sie sieht aber vor, dass die USA nach 2014 Soldaten im Land belassen dürfen - zur weiteren Ausbildung der afghanischen Streitkräfte und für Operationen gegen Al-Kaida.

US-Regierungsvertreter hatten erklärt, bis zu 20 000 Soldaten würden nach 2014 in Afghanistan bleiben, aber das müsse noch verhandelt werden. Das Weisse Haus hatte zugesagt, den US-Kongress jedes Jahr um finanzielle Unterstützung für Afghanistan zu ersuchen.

Wahlkampf in Afghanistan

Die mitreisenden Journalisten waren wegen möglicher Taliban-Anschläge zu Stillschweigen verpflichtet, bis Obama sicher mit dem Hubschrauber in der Hauptstadt Kabul eingetroffen war. Seine Fernsehansprache fiel auf den Tag, an dem im vergangenen Jahr eine US-Spezialeinheit in der pakistanischen Garnisonsstadt Abbottabad den lang gesuchten Chef des Terrornetzwerkes Al-Kaida, Bin Laden, tötete.

Der unangekündigte Besuch hatte eine hohe symbolische Bedeutung für Obama, der für eine zweite Amtszeit kandidiert. Das Weisse Haus hoffte damit eine positive Botschaft zu vermitteln: Der oberste Kriegsherr der Vereinigten Staaten zieht den Schlussstrich unter den Krieg in Afghanistan, sagt dem afghanischen Volk aber zu - und zwar vor Ort -, es nicht im Stich zu lassen. Obamas republikanischer Rivale Mitt Romney warf dem Präsidenten vor, die Tötung Bin Ladens für den Wahlkampf zu missbrauchen.

(sda/ap)