Leipzig (D)

12. Oktober 2016 22:34; Akt: 13.10.2016 23:17 Print

Bombenbauer hat sich in seiner Zelle erhängt

Der unter Terrorverdacht festgenommene Syrer Jaber Albakr (22) ist tot. Er hat sich in Haft umgebracht.

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Der syrische Terrorverdächtige hat sich im Gefängnis in Leipzig das Leben genommen. Ermittler verlassen die Leipziger Wohnung, in der ein Sondereinsatzkommando der deutschen Polizei zuvor einen mutmasslichen syrischen Islamisten verhaftet hatte. (10. Oktober 2016). Der 22-Jährige wird verdächtigt, einen Bombenanschlag geplant zu haben. Der Zugriff der Polizei soll in der Wohnung erfolgt sein, aus deren Fenster ein rotes Tuch hängt. (10. Oktober 2016). Ein Beamter der Kriminaltechnik betritt die Leipziger Wohnung, in der es kurz nach Mitternacht zur Festnahme kam. (10. Oktober 2016). Unterschlupf bei Landsleuten: Die Einsatzkräfte waren dem terrorverdächtigen Syrer durch den Hinweis eines weiteren Syrers auf die Spur gekommen. Der Zugriff erfolgte im Leipziger Stadtteil Paunsdorf. Die Strasse rund um die Wohnung ist abgesperrt. Zugriff in Leipzig. Die sächsische Polizei hat den 22-jährigen Terrorverdächtigen in der Nacht auf Montag festgenommen. Im Bild: Polizisten am Sonntag, 9. Oktober, vor der Wohnung des mutmasslichen Islamisten in Chemnitz. Weiterer Zugriff: In Chemnitz hat die Polizei eine Wohnung gestürmt. (9. Oktober 2016) Die Einsatzkräfte haben eine Tür gesprengt, um sich Zutritt zu verschaffen. Eine Person wurde festgenommen. Fieberhafte Suche: Der 22-jährige Terrorverdächtige aus Syrien soll vom IS punkto Bombenbau ausgebildet worden sein. (9. Oktober 2016) Missglückte Verhaftung: Der Terrorverdächtige ist den Behörden in Chemnitz knapp entwischt. (8. Oktober 2016) Eifrige Fahndung: Die Polizei in Chemnitz geht nach eigenen Angaben über 80 Hinweisen nach, wie sie heute via Twitter bekannt gibt. (9. Oktober 2016) In Deutschlands Flughäfen – hier in Berlin-Schönefeld – herrscht Alarmzustand. Es werden genaue Kontrollen durchgeführt. Die drei als mögliche Komplizen festgenommenen Bekannten des Terrorverdächtigen sollen noch heute vor den Haftrichter geführt werden. Vergraben: In diesen Löchern hat die Polizei in Chemnitz den Sprengstoff gefunden. Die Polizei hat drei Personen festgenommen: Beamte führen einen Mann ab – es ist nicht der Tatverdächtige. (8. Oktober 2016) «Seid vorsichtig»: Die Polizei warnt die Bevölkerung. Die Spezialeinheit steht im Einsatz. Die Polizei sperrt den Bahnhof Chemnitz ab. Wegen eines verdächtigen Koffers kam ein Roboter zum Einsatz. Die Polizei hatte im Fritz-Heckert-Gebiet in Chemnitz ein Wohngebiet gesperrt. «Bitte bleibt innerhalb des abgesperrten Bereichs in euren Wohnungen und beachtet die Weisungen der Polizei», rief sie die Bevölkerung auf.

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Der Syrer, der im deutschen Chemnitz unter Terrorverdacht festgenommen wurde, ist tot. Der 22-jährige Jaber Albakr hat sich nach Angaben der Behörden des deutschen Bundeslandes Sachsen am Mittwochabend im Gefängnis das Leben genommen. Einzelheiten zum Fall teilte das sächsische Justizministerium nicht mit. Die Behörden wollen am Donnerstag (11.00 Uhr) in Dresden mehr Einzelheiten bekanntgeben.

Er soll sich mit einem T-Shirt stranguliert haben, berichtet der deutsche TV-Sender «MDR».


Albakr war am Montag nach zweitägiger Flucht in Leipzig festgenommen worden. Nach Angaben des deutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz hatte er einen Sprengstoffanschlag auf einen Berliner Flughafen geplant und bereits weitestgehend vorbereitet.

Unter «ständiger Beobachtung»

Albakrs Pflichtverteidiger äusserte nach dem Suizid scharfe Kritik an der sächsischen Justiz: «Ich bin wahnsinnig schockiert und absolut fassungslos, dass so etwas passieren kann», sagte der Rechtsanwalt Alexander Hübner dem «Focus». Er sprach von einem «Justizskandal».

Hübner sagte, den Verantwortlichen der Justizvollzugsanstalt sei das Suizid-Risiko des Beschuldigten bekannt gewesen und auch im Protokoll vermerkt worden. «Er hatte bereits Lampen zerschlagen und an Steckdosen manipuliert.»

Noch am Nachmittag sei ihm telefonisch versichert worden, dass der in Einzelhaft sitzende Albakr «ständig beobachtet» werde. Hübner sagte weiter, dass der Terrorverdächtige sich seit seiner Festnahme im Hungerstreik befand. Er habe seit Sonntag nichts gegessen und getrunken.

Er habe von den Behörden keine näheren Angaben über die Todesumstände seines Mandanten bekommen. Die zuständige Oberstaatsanwältin habe ihm nur mitgeteilt, dass der 22-Jährige sich erhängt habe.

De Mazière fordert schnelle Aufklärung

«Machen wir uns nichts vor. Es ist ja gar nicht einfach sich das Leben zu nehmen, wenn man zum Beispiel aller Gegenstände beraubt wird, die man dazu nutzen muss», sagte der Chef der Polizeigewerkschaft in einem Interview mit dem Radiosender «SWR Info». Es sei zu klären, mit welchen Gegenständen al-Bakr den Suizid vollzogen habe, und ob es nicht möglich gewesen sei, diese Gegenstände aus der Zelle zu entfernen.

Der deutsche Innenminister Thomas de Mazière fordert eine schnelle Aufklärung des Suizids. «Das, was da gestern Nacht passiert ist, verlangt nun wirklich nach schneller und umfassender Aufklärung der örtlichen Justizbehörden», sagte de Maizière im ZDF-«Morgenmagazin». Der Tod des Syrers erschwere natürlich die Ermittlungen nach den möglichen sonstigen Beteiligten und Hintermännern der Anschlagspläne, fügte de Maizière hinzu.

Von Landsleuten überwältigt

In einer Chemnitzer Wohnung, in der am Samstag die Festnahme des Syrers zunächst misslang, hatte die Polizei 1,5 Kilogramm des hochgefährlichen Sprengstoffs TATP. Festgenommen wurde er, nachdem ihn Landsleute erkannt, überwältigt und der Polizei übergeben hatten.

In seinen Vernehmungen hatte er nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa die drei Syrer der Mitwisserschaft bezichtigt. Inwieweit diese Aussage als glaubhaft eingestuft wurde, blieb zunächst unklar. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, die die Ermittlungen führt, wollte die Angaben nicht bestätigen.

Auch die Frage, ob die drei Syrer, die ihn überwältigt hatten, noch als Zeugen oder Verdächtige in dem Ermittlungsverfahren behandelt würden, blieb in Karlsruhe unbeantwortet. Der Wohnungsmieter wurde als mutmasslicher Komplize verhaftet. Den Angaben zufolge gab es aber keine weiteren Festnahmen.

Nach Syrien zurückgekehrt

Albakr war Anfang 2015 als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Nach Recherchen des MDR war er zwischenzeitlich wieder in Syrien. Das habe die Familie des 22-Jährigen mitgeteilt, berichtete das Magazin «Exakt».

Laut Innenminister Thomas de Maizière wurde Albakr 2015 von den Sicherheitsbehörden überprüft. «Allerdings ohne Treffer. Es steht ja auch noch gar nicht fest, wann es dort zu einer Radikalisierung gekommen ist», sagte er am Mittwoch in Berlin.

Dem MDR zufolge reiste Albakr im Herbst vergangenen Jahres zwei Mal in die Türkei und hielt sich auch einige Zeit in der syrischen Stadt Idlib auf. Mitbewohner aus dem nordsächsischen Eilenburg hätten ebenfalls von seinem Aufenthalt in Idlib berichtet. Sie hätten den 22-Jährigen aber nicht als besonders religiös beschreiben. Nach seiner Rückkehr soll er sich jedoch verändert haben.

(nag/chk/sda/afp)