Nowitschok-Attacke

19. Juli 2018 07:40; Akt: 19.07.2018 19:03 Print

Polizei hat russische Verdächtige identifiziert

Die Polizei hat mutmassliche Täter des Nowitschok-Angriffs auf den Ex-Spion Sergej Skripal identifiziert. Es soll sich um Russen handeln.

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Die beiden Verdächtigen Alexander Petrow (l.) und Ruslan Boshirow am Bahnhof von Salisbury. Die genannten Namen sind den Angaben zufolge aber vermutlich Pseudonyme. Ruslan Boshirow (l.) und Alexander Petrow werden dringend verdächtigt, vor rund einem halben Jahr ein Attentat auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter Julia verübt zu haben. Die Polizei veröffentlichte mehrere Bilder von Überwachungskameras, auf denen die beiden russischen Staatsbürger in der südenglische Stadt Salisbury zu sehen sind. Die beiden Verdächtigen sind laut Polizei am 2. März nach Grossbritannien geflogen. Eine Aufnahme zeigt den Verdächtigen Alexander Petrow am Flughafen Gatwick am Nachmittag des 2. März. Am Folgetag sollen sie die südenglische Stadt Salisbury ausgekundschaftet haben. Ein Bild vom 4. März aus Salisbury, dem Tag des Attentats. Am Abend seien die beiden wieder abgereist. Die Aufnahme zeigt Alexander Petrow (l.) und Ruslan Boschirow (r.) am Flughafen von Heathrow. Die britische Premierministerin Theresa May machte am 5. September den russischen Militärgeheimdienst für den Nervengiftanschlag verantwortlich. Die beiden mit Haftbefehl gesuchten Verdächtigen in dem Fall seien Mitglieder des russischen Militärgeheimdienstes GRU und hätten höchstwahrscheinlich im Auftrag der russischen Regierung gehandelt, sagte May im britischen Parlament. Bei dem Anschlag handele es sich nicht um eine auf eigene Faust geplante Tat von Kriminellen, sagte May: «Er wurde nahezu sicher auf hoher russischer Staatsebene genehmigt.» May hatte Russland schon früh für die Attacke verantwortlich gemacht, was zu einem tiefen diplomatischen Zerwürfnis führte und eine Krise zwischen Russland und dem Westen auslöste. Skripal und seine Tochter Julia waren im März in der südenglischen Stadt Salisbury durch das Nervengift Nowitschok schwer verletzt worden und knapp dem Tode entronnen. (Bild: Ermittler am 8. März 2018 in der Nähe der Bank, auf der die beiden gefunden wurden.) «Die Angelegenheit wird als schwerwiegender Zwischenfall behandelt, der versuchten Mord durch Verabreichung eines Nervengifts beinhaltet», sagte der Anti-Terrorismus-Chef der Polizei, Mark Rowley, neben Chief Medical Officer Sally Davies in London. (7. März 2018) Der britische Aussenminister Boris Johnson sprach von einem «beunruhigenden» Vorfall. Ein Bild der Tochter Julia Skripal. Sie erwachte aus dem Koma. Ermittler in Schutzanzügen bei der Spurensicherung am Tatort in Salisbury. (6. März 2018) Augenmerk legten die Ermittler auch auf das Zizzi Restaurant, das neben dem Tatort liegt. Wurde geschlossen und untersucht: Die Pizzeria Zizzi in der Nähe. Überwachungskameras haben eine Frau und einen Mann festgehalten, die vor dem Vorfall in Richtung der Parkbank unterwegs waren. Der Ex-Spion Sergej Skripal wurde kurz vor dem Anschlag von einer Überwachungskamera gefilmt. Abgesperrter Tatort: Skripal wurde auf einer Parkbank vor einem Einkaufszentrum gefunden. Vorsichtsmassnahme: Die Polizei sperrte das Gebiet um den Tatort für die Öffentlichkeit ab. 2006 vor einem russischen Militärgericht: Sergej Skripal bespricht sich mit seiner Anwältin. Liudmila Skripal, die Frau des Ex-Spions, ist im London Road Friedhof in Salisbury begraben. (7. März 2018) Daneben befindet sich auch die Ruhestätte von Alexander Skripal, dem Sohn des angegriffenen Ex-Spions. Hier wurden die beiden Vergifteten behandelt: Spital von Salisbury. (Archivbild) Der russische Oligarch und Putin-Kritiker Boris Beresowski wurde im März 2013 tot auf dem Boden des Badezimmers seines Hauses in Südengland aufgefunden. (London, 31. August 2012) Der russische Atomphysiker Igor Sutjagin wurde wegen Spionage zu 15 Jahren Lagerhaft verurteilt, das Urteil wird von Menschenrechtlern kritisiert. Sutjagin war neben Skripal einer der vier Häftlinge des Gefangenenaustauschs von 2010. (Moskau, 7. April 2004) Ähnlicher Fall: Der ehemalige KGB- und MI6-Spion Alexander Litwinenko starb im November 2006, drei Wochen nachdem er in einem Hotel in London einen Eistee getrunken hatte, der mit grosse Mengen des radioaktiven Polonium-Isotops versetzt war. (London, 10. Mai 2002) Der bulgarische Schriftsteller und Dissident Georgi Markow starb im September 1978, vier Tage nachdem er mit einem mit Gift präparierten Schirmin in die rechte Wade gestochen wurde. Der als «Regenschirmattentat» bekannt gewordene Anschlag geschah, als Markow auf der Waterloo Bridge in London auf den Bus wartete. (Undatiertes Archivbild)

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Die britische Polizei geht nach Informationen der Nachrichtenagentur PA davon aus, mutmassliche Täter des Nowitschok-Angriffs auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal und seine Tochter Julia im März in Salisbury identifiziert zu haben. Es handle sich dabei um mehrere Russen, berichtete PA am Donnerstag unter Berufung auf eine Quelle aus dem Umfeld der Ermittlungen.

«Die Ermittler glauben, dass sie die Tatverdächtigen des Nowitschok-Angriffs mithilfe von Überwachungskameras identifiziert haben», zitiert PA die nicht namentlich genannte Quelle. Die Aufzeichnungen seien mit Einreisedaten nach Grossbritannien abgeglichen worden. «Sie (die Ermittler) sind sicher, dass sie (die Verdächtigen) Russen sind», zitiert PA weiter.

Stehen Fälle in Zusammenhang?

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass auch eine inzwischen gestorbene 44-jährige Frau und ein 45-jähriger Mann durch eine kleine Flasche mit dem Nervengift in Kontakt gekommen waren. Nun soll festgestellt werden, ob das Gift aus derselben Quelle stammt wie die Substanz, mit der Skripal (67) und seine Tochter (33) vergiftet worden waren. Die Ermittler halten es für wahrscheinlich, dass die beiden Fälle in einem Zusammenhang miteinander stehen.

London bezichtigte Moskau, Drahtzieher des versuchten Mordanschlags auf die Skripals gewesen zu sein. Nowitschok wurde in der früheren Sowjetunion entwickelt, später wurde damit auch in anderen Ländern experimentiert. Der Kreml bestreitet jegliche Vorwürfe. Der Fall löste eine schwere diplomatische Krise aus. Mehr als zwei Dutzend Länder wiesen russische Diplomaten aus. Russland reagierte ebenfalls mit Ausweisungen.


Anschlag mit Nowitschok: Was bisher geschah. (Video: AFP)

(mlr/sda)