Bub vor Zug gestossen

04. Dezember 2019 16:18; Akt: 04.12.2019 16:31 Print

Bleibt ICE-Täter Habte A. straffrei?

Die Ermittlungen zum Fall im Frankfurter Hauptbahnhof sind abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft will keine Anklage gegen den 40-jährigen Eritreer aus der Schweiz erheben.

Bildstrecke im Grossformat »
H. A. soll der Täter des tödlichen Vorfalls am Frankfurter Hauptbahnhof sein. Der 40-Jährige wohnt in der Schweiz und hat bei den VBZ gearbeitet. Am Dienstag, 30. Juli 2019, informierte die Kantonspolizei Zürich zum Fall. Der Mann war in der Woche zuvor polizeilich aufgefallen, als er seine Frau, die drei Kinder und eine Nachbarin in seiner Wohnung eingesperrt hatte. Auch der deutsche Innenminister Horst Seehofer äusserte sich am selben Tag öffentlich zum Fall. Dabei kam heraus, dass der Täter in der Schweiz zur Verhaftung ausgeschrieben war. Die Tat vom Montag, 29. Juli 2019, schockierte international: Am Hauptbahnhof in Frankfurt wurden ein Achtjähriger und seine Mutter vor einen einfahrenden ICE gestossen. Der Achtjährige kam dabei ums Leben. Seine Mutter wurde ins Spital gebracht. Die Polizei konnte einen 40-Jährigen festnehmen. Der aus Eritrea stammende Mann wird der Tat verdächtigt. Passanten konnten dem mutmasslichen Täter hinterherrennen. Augenzeugen, die die schreckliche Tat beobachtet hatten, brachen weinend zusammen. Die Polizei suchte Zeugen. Vier Gleise am Bahnhof wurden gesperrt. Die Spurensicherung lief auf Hochtouren. Wie die Polizei mitteilte, wollte der Täter eine weitere Person vor den Zug stossen. Laut Angaben der Polizei konnte sich diese allerdings wehren. Die Mutter des verstorbenen Buben wurde ins Spital gebracht. Sie konnte sich mit einer Rolle in den Zwischenraum der Gleise retten. Ihren Sohn bekam sie jedoch nicht mehr zu fassen. Etliche Personen am Gleis und im Zug mussten die Tat mit ansehen. Für sie waren Seelsorger am Bahnhof unterwegs. 15 Personen mussten betreut werden. Innenminister Horst Seehofer hat seine Ferien abgebrochen, um sich mit Sicherheitsbehörden zu treffen. Die Mordkommission hat den Fall übernommen. Der Täter soll an einer psychischen Erkrankung leiden.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Tragödie schockierte weltweit: Am 29. Juli 2019 stiess ein Mann im Frankfurter Hauptbahnhof eine Frau und ihren achtjährigen Sohn vor einen einfahrenden ICE. Die Frau konnte sich noch retten, der Bub kam ums Leben. Der Täter wollte noch zwei weitere Menschen auf die Gleise schubsen, was ihm jedoch nicht gelang.

Beim Täter handelt es sich um den psychisch kranken Habte A.* Der 40-jährige Eritreer lebt im Kanton Zürich und galt in der Schweiz als gut integriert. Er konnte nach der Tat festgenommen werden. Nun sind die Ermittlungen abgeschlossen, wie die «Frankfurter Allgemeine» berichtet. Demnach will die Staatsanwaltschaft keine Anklage erheben, sondern hat einen Antrag auf eine Unterbringung in einer Psychiatrie gestellt. Dies, weil A. aufgrund seiner psychischen Erkrankung schuldunfähig sei.

Der Prozess im Fall soll bereits nächstes Jahr stattfinden. Dabei soll die Tat nochmals aufgearbeitet werden. Zudem soll geklärt werden, ob A. tatsächlich aufgrund seiner Psychose gehandelt hat. Der Anwalt der Opferfamilie will das psychiatrische Gutachten «genau prüfen», wie er der Zeitung sagt. Falls nötig werde er ein eigenes Gutachten in Auftrag geben.

(vro)