Wegen Enthüllungsbuch

05. Januar 2018 13:18; Akt: 05.01.2018 13:39 Print

Steve Bannon ist wohl endgültig weg vom Fenster

Das grösste Opfer des neusten Trump-Buchs «Fire and Fury» wird womöglich Steve Bannon. Der Präsident hat mit seinem Ex-Strategen gebrochen.

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Das waren noch goldene Zeiten: In der Anfangszeit der Trump-Regierung war Chefstratege Steve Bannon oft in nächster Nähe von Präsident Donald Trump, so am 28. Januar 2017 bei einem Telefongespräch mit dem australischen Premierminister Malcolm Turnbull (Mitte: der damalige Sicherheitsberater Michael Flynn). Bannon nahm für sich in Anspruch, Architekt der Wahlsiegs von Trump gewesen zu sein. (23. Januar 2017) Seit seiner Entlassung als Chefstratege im August 2017 betätigte sich Bannon als Prediger der von ihm angestrebten konservativen Revolution. (9. November 2017) Bannon forderte die republikanische Parteiführung heraus, indem er national-konservative Sprengkandidaten unterstützte. Bild: Bannon hält am 11. Dezember 2017 eine Wahlkampfrede in Alabama. In Alabama stellte sich Steve Bannon hinter den äusserst umstrittenen Senatskandidaten und Ex-Richter Roy Moore. (5. Dezember 2017) Moore hatte einmal auf offener Bühne einen Revolver gezogen. Vor der Wahl wurde er als Verführer minderjähriger Mädchen entlarvt, weshalb er die Wahl schliesslich gegen einen Demookraten verlor. Anfang 2018 schlug das Trump-Buch «Fire and Fury» des Autors Michael Wolff ein wie eine Bombe. Darin wird das Weisse Haus äusserst negativ geschildert. Steve Bannon wird mit beleidigenden Aussagen gegen Trump und seine Familie zitiert. Das ging zu weit für Präsident Trump: Er richtete Stillhalteforderungen an den Autor, den Buchverlag und Bannon. Am 4. Januar 2018 sagte er über seinen Ex-Berater: «Wir sprechen nicht mehr miteinander.» An der Medienkonferenz doppelte Sprecherin Sarah Sanders am 4. Januar nach und deutete an, die von Bannon geleitete Website Breitbart.com solle sich von dem in Ungnade gefallenen Ex-Berater trennen. (3. Januar 2018)

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Während ein Schneesturm die amerikanische Ostküste mit einem «Bomben-Zyklon» lahm legte, platzte am Mittwoch in Washington eine politische Bombe. Das in Auszügen veröffentlichte Buch «Fire and Fury» von Michael Wolff versetzte die US-Hauptstadt in helle Aufregung und führte zu einem tiefen Bruch zwischen Donald Trump und seinem einstigen Guru Steve Bannon.

Der letzten August als Chefstratege entlassene Bannon habe «nicht nur den Job verloren, sondern den Kopf», spottete Trump. Mit seinem «historischen Wahlsieg habe der vormalige Kampagnenleiter «sehr wenig» zu tun gehabt, dafür mit dem Verlust eines Senatssitzes in Alabama», wütete der Präsident. «Steve vertritt nicht meine Wählerbasis, nur sich selbst.»

Narrenschiff mit dummem Kapitän

Trump war angeblich ausser sich über die im Buch kolportierten Aussagen gegen ihn und seine Familie. Das Weisse Haus erscheint darin als Narrenschiff mit einem dummen Kapitän am Steuer, der nie irgend etwas liest und ständig die gleichen Geschichten erzählt.

Besonders beleidigende Bemerkungen werden Bannon zugeschrieben. Wie in Auszügen bekannt wurde, nannte Bannon das Treffen von Trumps Sohn Donald Junior vom 9. Juni 2016 mit einer russischen Anwältin, die Schmutz gegen Hillary Clinton versprochen hatte, als «dumm», «landesverräterisch» und «unpatriotisch». Trumps Gegner würden Don Jr. «am Fernsehen aufschlagen wie ein Ei», prophezeite Bannon.

Kleinlaut danach

Am Donnerstag machte Trump klar, dass er hinfort mit Bannon nichts mehr zu tun haben will. «Ich rede nicht mit ihm», sagte er an einem kurzen Auftritt vor der Presse. Bannon dagegen reagierte vergleichsweise kleinlaut. Am Breitbart-Radio sagte er am Mittwoch Abend: «Nichts wird je zwischen uns und Präsident Trump und sein Programm kommen.» Dann sagte er: «Der Präsident der Vereinigten Staaten ist ein grosser Mann. Ich unterstütze ihn jeden Tag.»

Im Effekt wird Bannon Mühe haben, seinen Einfluss als konservativer Revolutionär und Vertreter der Trump-Basis in der republikanischen Partei aufrecht zu erhalten. «Bannon wurde auf dem Südrasen erschossen und von einem Panzer überfahren, und der Präsident legte den Rückwärtsgang ein und fuhr noch einmal über ihn», sagte der republikanische Stratege Ed Rollins. Trumps Anwälte wollen ihm jetzt einen Maulkorb anlegen. Sie forderten ihn mit einem Brief auf, dem von ihm unterzeichneten Stillhalteabkommen nachzukommen und nichts mehr aus seiner Zeit im Weissen Haus auszuplaudern.

Schlappe in Alabama wirkt nach

Angeblich überlegen sich bereits die ersten von Bannon unterstützten Kandidaten für die Kongresswahlen vom Herbst, ob sie weiterhin auf den abgestraften Ex-Berater setzen wollen. Ihr Zögern beruht auch auf dem schmählichen Scheitern Bannons in Alabama: Dort verlor im Dezember der von ihm portierte und sexueller Missetaten beschuldigte Ex-Richter Roy Moore einen seit 30 Jahren von Republikanern gehaltenen Senatssitz an einen demokratischen Herausforderer.

Womöglich büsst Bannon bald auch seinen Einfluss bei der wichtigen Website Breitbart.com ein. Unter anderem wegen des Misserfolgs in Alabama hat er die Unterstützung der wichtigsten Breitbart-Geldgeberin Rebekah Mercer verloren. Die Milliardärin soll über die häufigen von Bannon ausgelösten Streitigkeiten frustriert sein. Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders ging am Donnerstag weiter und sagte, Breitbart solle erwägen, sich von Bannon zu trennen.

Man dürfe den streitbaren Vordenker jedoch nicht unterschätzen, glaubt Keith Koffler, Autor einer Bannon-Biografie. Koffler empfiehlt Trump, den bei vielen Wählern populären Mann nicht ganz fallenzulassen. «Wenn der Präsident Elvis ist und Bannon Ozzy Osborne - nun, Ozzy hat immer noch seine Fans.»

(sut)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Christian Deuring am 05.01.2018 14:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahrheit

    Es wird nicht alles stimmen in diesem Buch, aber vorstellen könnte ich es mir schon

  • Broetli am 05.01.2018 15:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hätte das Buch wohl nicht gekauft

    Aber nach der Reaktion Trumps müssen interessante und vermutlich auch wahre Dinge drin stehen.

  • Radix am 05.01.2018 14:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Können Enten

    eigentlich gut und weit fliegen? Onkel Donald, übe schon mal fleißig, für Dich kommt die Flugsaison immer näher.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Walter H am 06.01.2018 23:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hebt sich ab

    Bannon ist wahrlich kein Sympatieträger und seine politischen Ansichten sind mir zutiefst zuwider. Trotzdem - er hat zu vielem eine klare Position und vertritt sie. Im unsäglichen Theater dieser Regierung und ihres Chefs ist das bereits bemerkenswert.

  • marko 32 am 06.01.2018 21:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2020

    Leider Er sollte als President 2020 kandidieren

    • Khun Peter am 06.01.2018 22:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @marko 32

      Es gibt zu annähernd 100 Prozent auch andere, die es können.

    einklappen einklappen
  • Chrigi von der Weide am 06.01.2018 20:48 Report Diesen Beitrag melden

    Superstars

    Trump und Bannon spielen zusammen das perfekte Spiel und keiner merkt es! Eine Welt von Kleingeistlern, die müssen unterhalten werden, wer weiss das besser als diese beiden Medienstars.

  • Senior am 06.01.2018 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Beide weg vom Fenster!

    Das Beste wäre, wenn beide dieser Männer "weg vom Fenster" wären, denn was diese Typen mit ihrem Gedankengut anrichten, wird sich keinesfalls als positiv für die USA erweisen. Die sollen bei ihren "Geschäften" bleiben, aber nicht in der Politik; weder diejenige für das eigene Land, noch für die Internationale. Die republikanischen Präsidenten richteten in den letzten Jahrzehnten schon viel zu viel Schaden an.

  • nerd am 06.01.2018 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lustig

    wie sich die vermeintlichem Wölfe täglich mehr als räudige Hunde entpuppen und selbst zerfleischen. War aber von dem kläglichen Haufen Narzissten nich anders zu erwarten.