Unglück in Norwegen

30. Juli 2014 11:58; Akt: 30.07.2014 18:23 Print

Busfahrer soll unvorsichtig gefahren sein

Nach dem schweren Busunglück in Norwegen mit vier Toten ist noch immer unklar, warum der Schweizer Car von der Fahrbahn abkam. Die Polizei sieht im Busfahrer den Schuldigen.

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Einen Tag nach dem Carunglück in Norwegen ist ein 49-jähriger Schweizer seinen schweren Verletzungen erlegen. Das teilte das Universitätsspital St. Olav in der norwegischen Stadt Trondheim am Mittwochnachmittag mit. Damit steigt die Anzahl der Todesopfer auf vier.

Bereits am Mittag hatte die Uniklinik den Zustand des 49-Jährigen als «sehr ernst» bezeichnet. Der Mann war nach dem Unfall bei Trones in der Gemeinde Namsskogan per Helikopter nach Trondheim ausgeflogen worden.

Ins Visier der Polizei ist in der Zwischenzeit der Carchauffeur geraten. «Wir haben den Fahrer vorübergehend des unvorsichtigen Fahrens angeklagt», sagte der Einsatzleiter der Polizei von Nord-Trøndelag, Morten Evensen, am Mittwoch der Nachrichtenagentur SDA. Der Fahrer des Cars des Schweizer Reiseunternehmens Eurobus habe am Mittwoch aber erst kurz befragt werden können. Eine formelle Befragung habe noch nicht stattgefunden.

Eine als temporär bezeichnete Anklageerhebung sei in Norwegen das Standardvorgehen bei laufenden Ermittlungen. «Damit hat ein Beschuldigter das Recht auf einen Anwalt, ohne Anklageerhebung hat er dieses Recht nicht», sagte Evensen. Es könne sein, dass die Anklage nach Abschluss der Ermittlungen wieder fallen gelassen, abgeschwächt oder im Gegenteil verschärft werde.

Gefährlicher Strassenabschnitt

Der deutsche Fahrer war beim Unfall am Dienstag schwer verletzt worden. Drei Menschen – eine 56-jährige Schweizerin sowie zwei Männer im Alter von 72 und 78 Jahren – waren ums Leben gekommen. Das Fahrzeug des Schweizer Unternehmens Eurobus war am Dienstag von der Fahrbahn abgekommen und in eine Felswand geprallt. Warum es zum Unfall kam, ist bisher noch nicht bekannt. Gemäss dem Bürgermeister von Namsskogan, wo der Bus verunglückte, ist die Strasse an der Unfallstelle in extrem schlechtem Zustand. In den vergangenen Jahren habe es in der Region bereits drei tödliche Unfälle gegeben.

Im Juli wurde der betroffene Streckenabschnitt neu asphaltiert, berichten norwegische Medien. Jedoch sei die Stelle nach wie vor gefährlich, weil Markierungen fehlten und die enge Strasse an einigen Stellen noch immer holprig sei. «Es ist einer der gefährlichsten Strassenabschnitte, auf dem man fahren kann», sagt der Bürgermeister.

Erste Verletzte kehren zurück

Derweil ist ein Team der Rega und des TCS vor Ort eingetroffen. Einige Passagiere würden am Nachmittag in die Schweiz zurückgeflogen, teilte das in Windisch AG ansässige Reiseunternehmen Eurobus mit. Wie viele Betroffene ihren Heimweg antreten können, ist jedoch noch nicht bekannt. Laut Rega-Sprecher Philip Zumstein hängt dies vom Gesundheitszustand der Passagiere ab.

Laut dem norwegischen Portal Adressa.no sind am Mittwoch bereits zwölf der 13 hospitalisierten Passagiere entlassen worden. Der Fahrer des Busses bleibt hospitalisiert, sein Zustand sei derzeit stabil, heisst es.

Die 17-köpfige Reisegruppe war von Mo i Rana nach Trondheim unterwegs, als der Eurobus-Car am Dienstag von der Strasse abkam und gegen eine Felswand prallte.

(vro/sda)