29 Tote auf Madeira

19. Januar 2020 18:20; Akt: 19.01.2020 18:20 Print

Busfahrer war völlig übermüdet

Im April 2019 starben bei einem schweren Busunglück in Portugal 29 Deutsche, 27 weitere wurden verletzt. Nun gibt die Anklageschrift erste Hinweise auf die Ursache.

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Ein Reisecar kam am 17. April 2019 auf der portugiesischen Insel Madeira von der Strasse ab und stürzte eine Böschung hinunter. 29 Menschen starben, 27 weitere wurden verletzt. Bei den Opfern handelt es sich um deutsche Staatsangehörige. Das Unglück hatte international für Betroffenheit gesorgt.

Kurz nach dem Unglück wurde spekuliert, ob ein technisches Problem am Bus zum Unfall geführt hatte. Doch die Anklageschrift gegen den Busfahrer zeigt nun, dass auch er Schuld am Unglück sein könnte. Er muss sich wegen fahrlässiger Tötung in 29 Fällen verantworten.

«Um zu verhindern, dass der Fussgänger überfahren wird, lenkte der Angeklagte den Bus scharf nach links.»

Gemäss dem Dokument startete die Reisegruppe beim Hotel und fuhr anschliessend die Unglücksstrasse herunter. Der Busfahrer soll «rücksichtslos und ohne die angemessene Aufmerksamkeit und erforderliche Sorgfalt» gefahren sein, zitiert die «Bild» aus der Anklageschrift. Kurz vor dem Unglück sei er dann mit 50 km/h in den Gegenverkehr und dann aufs Trottoir geraten, wo er mit dem Aussenspiegel gegen ein Bushalteschild krachte.

Als plötzlich ein Passant auftauchte, wich der Busfahrer abrupt aus und verlor die Kontrolle über den Car. «Um zu verhindern, dass der Fussgänger überfahren wird, lenkte der Angeklagte den Bus scharf nach links, um an der Mauer zu bremsen», heisst es in der Anklageschrift. In der nächsten Kurve durchbrach der Car jedoch die Leitplanke, stürzte die Böschung hinunter, überschlug sich und krachte in ein Haus.

«Der Ermüdungszustand hat die Reaktionszeiten verlängert»

Der Zustand des Busfahrers dürfte zum Unfall beigetragen haben. «Der Angeklagte hat die Arbeitszeiten missachtet. Er war bereits 13 Stunden im Dienst und der Ermüdungszustand hat die Reaktionszeiten verlängert», schlussfolgert die Staatsanwaltschaft.

Der Busfahrer sitzt zwar nicht in Haft, musste aber seinen Führerschein abgeben. Er war beim Unglück ebenfalls verletzt worden.

(vro)