Terror-Verhöre

08. Dezember 2011 13:31; Akt: 08.12.2011 17:16 Print

CIA-Folterknast in Rumänien enttarnt

Deutsche Medien haben in Rumänien ein ehemaliges CIA-Geheimgefängnis entdeckt. Es befand sich nicht auf einer abgelegenen Basis, sondern mitten in der Hauptstadt Bukarest.

Bericht über das Geheimgefängnis in Bukarest. (Video: AP/YouTube)
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In den Jahren nach dem 11. September 2001 hat der US-Geheimdienst CIA zahlreiche Terrorverdächtige in so genannten «Black Sites» untergebracht und gefoltert. Diese befanden sich in Asien sowie Osteuropa. Der frühere Tessiner FDP-Ständerat Dick Marty nannte 2007 in einem Bericht für den Europarat Polen und Rumänien als Zielländer, die genauen Standorte konnte er aber nicht bestimmen. Vor zwei Jahren enthüllten US-Medien, dass auch in einer Reitschule in Litauen ein Folterknast betrieben wurde.

Nun haben das ARD-Magazin «Panorama» und die «Süddeutsche Zeitung» ein weiteres ehemaliges Geheimgefängnis entdeckt. Es befand sich mitten in der rumänischen Hauptstadt Bukarest, im Keller eines Regierungsgebäudes an der Mures-Strasse. Dort residiert die rumänische Nato-Partnerbehörde ORNISS. Deren Vizedirektor Adrian Camarasan stritt die Vorwürfe gegenüber «Panorama» ab: «Nein, nein, unmöglich.»

Chefplaner von 9/11 eingesperrt

Ehemalige US-Geheimdienstler bestätigten jedoch, dass sich dort die Black Site mit dem Codenamen «Bright Light» (Helles Licht) befunden hatte. Unter anderem war Chalid Scheich Mohammed, der Chefplaner der 9/11-Anschläge, 2003 von Polen dorthin gebracht worden, schreibt die Nachrichtenagentur AP, die ebenfalls in der Angelegenheit recherchiert hat. Weitere hochrangige Terrorverdächtige seien ebenfalls in Bukarest eingesperrt gewesen.

Im Keller hätten sich sechs vorfabrizierte Zellen befunden, die auf Federungen gelagert waren, um bei den Insassen Desorientierung zu erzeugen, so AP. Sie seien mit Schlafentzug, Schlägen und durch Stehen in unbequemen Stellungen gefoltert worden. Das berüchtigte Waterboarding sei in Rumänien jedoch nicht angewendet worden, sagten die Ex-Geheimdienstler. Später habe man die Gefangenen anständig behandelt.

Behörde dementiert «kategorisch»

CIA und Nato wollten zu den Berichten nicht Stellung nehmen. Die Sicherheitsbehörde ORNISS hat die «Spekulationen» am Donnerstag «kategorisch» dementiert. «Seit Ende 2002 diente das Gebäude in der Mures-Strasse 4 ausschliesslich als Behördensitz», hiess es. Dick Marty wiederum rief in Erinnerung, bereits vor fünf Jahren habe es «substanzielle Beweise gegeben», dass in Rumänien ein geheimes CIA-Gefängnis existiere. «Bis zum heutigen Tag gab es keine seriöse rechtliche Untersuchung in Rumänien», kritisierte Marty in einem Communiqué der Parlamentarischen Versammlung des Europarates.

Für Marty und andere Kenner der Materie gab es zwei Gründe, weshalb die Osteuropäer sich zu Komplizen des US-Geheimdienstes machten: Wirtschaftliche Schwäche und der angestrebte Nato-Beitritt. «Die Rumänen hätten damals alles für uns gemacht», sagte ein Amerikaner, der an hoher Stelle bei der NATO arbeitete, der «Süddeutschen Zeitung».

Die CIA-Geheimgefängnisse wurden 2006 geschlossen und die Insassen in das Lager Guantánamo oder in ihre Herkunftsländer gebracht. Das geheime Verhörprogramm wurde nach dem Amtsantritt von Barack Obama 2009 eingestellt. Der «Panorama»-Beitrag zum Verlies in Bukarest wird am 8. Dezember um 21.45 Uhr ausgestrahlt.

(pbl/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M. List am 09.12.2011 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Moralisten

    Die Schweiz hat die Überflüge der CIA mit diesen Häftlingen nicht gestoppt. Schande auch über CH. Da hätte die Flugwaffe ihren Einsatz machen müssen.

  • Roland Bereck am 08.12.2011 17:53 Report Diesen Beitrag melden

    Beschämende USA

    So beschämend für die USA, zumal sie sich als das fortschrittlichste Land der Welt, mit den höchsten moralischem Standards halten. Wieso kommen die Verantwortlichen davon nicht vor ein UNO Sondertribunal in Den Haag?

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  • Doofmann am 08.12.2011 14:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hä?

    Kann mir jemand "auf Federn" erklären? Danke ;)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • M. List am 09.12.2011 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Moralisten

    Die Schweiz hat die Überflüge der CIA mit diesen Häftlingen nicht gestoppt. Schande auch über CH. Da hätte die Flugwaffe ihren Einsatz machen müssen.

  • momus am 09.12.2011 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    god (b)less america

    no comment

  • Andy Reuters am 08.12.2011 22:09 Report Diesen Beitrag melden

    seit wachsam

    Die Wahrheit kommt noch ans Licht. Jedoch wahrscheinlich nicht durch irgendwelche SDA/Reuters Berichte. Ich hoffe die Journalisten machen in Zukunft wieder ehrliche Arbeit und recherchieren selber. Über die USA kann man leider nicht viel gutes erzählen. Wenn man heute genug recherchiert sieht man schnell das weder der Bürgerkrieg noch ein Beitritt in einen Weltkrieg gerechtfertigt war - all die anderen Kriege brauche ich auch nicht zu erwähnen. Die USA erzählt mehr Märchen als die Gebrüder Grimm es jemals getan haben!

  • Carol S. am 08.12.2011 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    Terorrangriff auf die Menschenrechte

    Amerika, das tolle Land. Selber haben sie in ihrem Land nichts im Griff; aber sich bei anderen Ländern immer einmischen, da sind sie bestens ausgerüstet.

  • Roland Bereck am 08.12.2011 17:53 Report Diesen Beitrag melden

    Beschämende USA

    So beschämend für die USA, zumal sie sich als das fortschrittlichste Land der Welt, mit den höchsten moralischem Standards halten. Wieso kommen die Verantwortlichen davon nicht vor ein UNO Sondertribunal in Den Haag?

    • Herr Basler am 09.12.2011 00:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      So etwas nenne ich Macht.

      Laut einem Abkommen darf man keine amerikanischen Staatsbürger nach Den Haag bringen. Sollte dennoch so etwas geschehen, würden ihn die Special Forces wider raus holen. Kein amerikanischer Soldat darf im Einsatz im Ausland von einer fremden Regierung verhaftet werden, selbst wenn er ein Verbrechen begehen würde.

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