Nach Plagiatsaffäre

30. Dezember 2011 16:34; Akt: 30.12.2011 16:51 Print

CSU bringt Guttenberg wieder ins Spiel

Karl-Theodor zu Guttenberg wird trotz Plagiatsaffäre und Kritik von seiner Partei, der CSU, noch hoch gehandelt. Parteichef Horst Seehofer will sein politisches Comeback forcieren.

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Ein Bild der Unschuld? Die «» hat kurze Passagen eines Interviewbuches mit Karl-Theodor zu Guttenberg abegdruckt. Wie reagiert der deutsche Feuilleton. «Comeback eines Blenders», titelt die «» und kommentiert: «Guttenberg hat seine Schuld nie anerkannt. Er hält an der alles andere als glaubwürdigen Legende fest, er sei mit Familienstress und Doktorarbeit überfordert gewesen. […] Ohne Reue keine zweite Chance. […] Erst nach seinem Abgang hat sich in voller Breite die Substanzlosigkeit seiner bisherigen Arbeit gezeigt.» Die «» übt sich ironisch in Majestätsbeleidigung. «Eine adventliche Hochstimmung ist in Bayern ausgebrochen. Aus mehreren untrüglichen Zeichen wird geschlossen, dass die Ankunft des Herrn, genauer gesagt des Freiherrn, noch genauer Karl-Theodor zu Guttenbergs, KT genannt, unmittelbar bevorsteht.» Erwähnt werden auch die 1999 Strafanzeigen gegen den CSU-Mann wegen der Plagiatsaffäre - «von - es kann nicht anders sein - preussischen Unruhestiftern.» Weniger kritisch geht «: «Das Interviewbuch erzählt, wie ein Mann sich wieder aufrappelt. Ohne Ehre lag er vor acht Monaten da. Er könnte sich der Wonne des Vergessens hingeben. Ich mag diesen Typen, der wieder aufsteht.» Das Polit-Magazin «» ergänzt unter dem Titel «Ansichten eines Selbstbetrügers», wie der «Phönix der deutschen Politik» zur Einsicht kam, dass es auch ohne Sehhilfe geht. «Es ist die Geschichte mit der Brille, die einen stutzen lässt. Eine ‹reizende indische Ärztin› habe in den USA festgestellt, dass Karl-Theodor zu Guttenberg auch ganz ausgezeichnet ohne seine Brille sähe.» «Mal langsam, Herr Plagiator», schreibt der «». Und: «Man kann nur hoffen, dass die CSU sich aus dieser Perspektive heraus nicht verführen lässt und ihm blitzschnell wieder ein Bundestagsmandat feilbietet. Sie sollte abwarten, bis dieser Mann sich in einer ganz anderen Position auf Dauer bewährt hat.» Die «», die wie «Bild» im Axel-Springer-Verlag erscheint, beschränkt sich auf reine Darstellung: «Der ehemalige Minister kündigt ausserdem an, nach Deutschland zurückkehren zu wollen. Spekulationen, er könne in die Politik zurückkehren, weist er nicht direkt zurück. ‹Ob eine Rückkehr mit einem politischen Engagement welcher Art auch immer verbunden sein wird, ist heute gänzlich offen.›» Im «» ist amüsanter und lesenswerter Brief an zu Guttenberg zu finden: «Ich möchte Ihren gestrigen Triumph über das Rechtsempfinden des Pöbels zum Anlass nehmen, Ihnen meine tiefe Bewunderung auszusprechen. Und Sie zu meinem Helden der Gegenwart erklären», beginnt augenzwinkernd Journalistin Silke Burmester. Das Branchenblatt «» beleuchtet die Rolle der «Zeit» bei zu Guttenbergs Comeback. «Während der Guttenberg-Affäre im Spätwinter blieb ‹Die Zeit› eher blass, dafür sitzt sie beim anstehenden Revival des Medienstars in der ersten Reihe: Noch vor dem Erscheinen des mit Spannung erwarteten Interviewbandes ‹Vorerst gescheitert› geht das Blatt in die mediale Offensive.»

So reagierten die deutschen Medien auf das Comeback von CSU-Politiker Guttenberg.

Zum Thema
Fehler gesehen?

München Die CSU rollt dem gescheiterten Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg den roten Teppich aus: Parteichef Horst Seehofer will sich nächstes Jahr darum bemühen, dass der über eine abgeschriebene Doktorarbeit gestolperte Guttenberg wieder für die Partei aktiv wird.

Seehofer lobte am Freitag im Bayerischen Rundfunk (BR) Guttenberg als einen «sehr, sehr fähigen Politiker». «Ich glaube, es wird auch gelingen, ihn wieder zu gewinnen», sagte er dem BR.

Zwar seien die jüngsten Wortmeldungen des Ex-Ministers «nicht sehr hilfreich» gewesen - auch nicht für die CSU. «Trotzdem darf man hier nicht nachtreten», betonte Seehofer.

Auch Hasselfeldt zeigt Sympathie

Guttenberg hatte im Interviewbuch «Vorerst gescheitert» vor wenigen Wochen die CSU harsch kritisiert. Unter anderem sagte er, es sei «nur noch wie die Verhöhnung früherer Träume», wenn sich die CSU bei ihren Wahlergebnissen noch als Volkspartei bezeichne.

Auch CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt zeigte Sympathie für ein Comeback des einstigen CSU-Stars, der im Frühjahr über seine Plagiatsaffäre gestolpert war. Guttenberg lebt derzeit in den USA.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mikey am 30.12.2011 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    "Jeder Fehler hat eine Lehre eingebaut"

    Menschen machen Fehler und ich glaube, Guttenberg hat es eingesehen. Diejenigen die Ihn kritisieren sollen sich mal Gedanken drüber machen, was Sie bis jetzt alles angestellt haben - et voilà...

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  • peter am 31.12.2011 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    braucht solche wie gutenberg

    würde man bei jedem politiker richtig , aufrichtig hinschauen,müsste ein sehr grosser teil sofort zurück tretten.wulff etc. ist ja auch noch immer im amt

  • Kurt Dubach am 31.12.2011 23:27 Report Diesen Beitrag melden

    Vorbild

    Machen sie mal ein Test, und mogeln sie mal, damit man den Dr. bekommt. Und Kassieren dafür Geld, findet das man rechtens? Ein normaler hätte Strafanzeige bekommen, und müsste dieses Geld zurück zahlen, Plus Strafe! Die Politiker sollten eigentlich ein vorbild sein!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kurt Dubach am 31.12.2011 23:27 Report Diesen Beitrag melden

    Vorbild

    Machen sie mal ein Test, und mogeln sie mal, damit man den Dr. bekommt. Und Kassieren dafür Geld, findet das man rechtens? Ein normaler hätte Strafanzeige bekommen, und müsste dieses Geld zurück zahlen, Plus Strafe! Die Politiker sollten eigentlich ein vorbild sein!

  • peter am 31.12.2011 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    braucht solche wie gutenberg

    würde man bei jedem politiker richtig , aufrichtig hinschauen,müsste ein sehr grosser teil sofort zurück tretten.wulff etc. ist ja auch noch immer im amt

  • Robert T. am 31.12.2011 00:17 Report Diesen Beitrag melden

    Übertrieben und lächerlich!

    Ja, ja, ja, als ob wir und auch alle anderen Menschen dieser Welt "Perfekt" wären! Alle, sogar Priester, müssten fast Wöchentlich eine Beichte ablegen, wenn man uns den alles nachweisen könnte! Daher sollten wir diesen Herrn zu Guttenberg in Ruhe lassen! Was hat er schon gemacht!? Versäumt, ein paar Zeilen als Zitate zu markieren! Soll man jetzt dafür die "Todesstrafe" verhängen!? Sogar bei Völkermord werden nicht soviele Kritiker auf den Plan gerufen! Was um diesen Herrn zu Guttenberg abgelaufen ist und immernoch abläuft, ist absolut übertrieben und lächerlich!

  • Mikey am 30.12.2011 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    "Jeder Fehler hat eine Lehre eingebaut"

    Menschen machen Fehler und ich glaube, Guttenberg hat es eingesehen. Diejenigen die Ihn kritisieren sollen sich mal Gedanken drüber machen, was Sie bis jetzt alles angestellt haben - et voilà...

    • Lars am 30.12.2011 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Opportunist hoch 10

      Laut seinem interviewbuch hat gutenberg seinen fehler eben NICHT eingesehen. Dort lamentiert er immernoch über seine stressige zeit und seine angebliche zerstreutheit bei der erstellung seiner doktorarbeit. Ein einfaches "sorry ich habe abgeschrieben" wäre ehrlich gewesen.

    • Paris-Berlin am 30.12.2011 23:11 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Fehler eingestanden

      Mickey, der Teufel liegt im Detail. KT tut so, als ob er Fehler eingestanden hätte. Defacto hat er dies aber nie getan. Letzte Aussage zu seiner gefälschten Doktorarbeit: "Die Daten waren auf 5 verschiedenen Computern. Er sei als junger Familienvater überlastet gewesen." That´s it. Zu seiner letzten Amtshandlung als Verteidigungsminister: Er stürzt zwei komplette Jahrgänge an den Universitäten ins Chaos, Er hat komplett übersehen, dass die Schulzeiten an den Gymnasien um ein Jahr verkürzt wurden. Folge: Riesenansturm an den Unis - und lange Gesichter bei der Bundeswehr: Kaum Freiwillige.

    • Jens W. am 31.12.2011 00:01 Report Diesen Beitrag melden

      @Lars

      Seinen Fehler hat er schon eingesehen und eingestanden! Das, was Sie aufzählen, sind die Gründe, welche zu diesem, seinem Fehler geführt haben! Das von Ihnen geforderte "sorry, ich habe abgeschrieben", dem kann er nicht nachkommen, denn er hat ja nicht mit Absicht abgeschrieben, sondern er hat es versäumt, eben wegen diesen, von ihm genannten Gründen, gewisse Teile seiner Diplomarbeit als Zitate zu deklarieren!

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  • Jackman am 30.12.2011 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Warum auch nicht, meine Stimme hätte er!

    Warum auch nicht? Einer jener Politiker, welche ehrlich mit sich und anderen gewesen ist. Seine Plagiatssache war zwar eine unrühmliche Sache, sicher aber nicht bewusst und absichtlich geschehen. Da können sich noch andere viel eher an die Nase fassen, als Guttenberg. Solche Politiker braucht das Land, braucht die Zukunft, egal ob Deutschland, Schweiz oder sonst ein Land.

    • Prof. Dr. Gen. Magister am 30.12.2011 23:06 Report Diesen Beitrag melden

      Warum nicht ...

      genau was hat er denn getan ? mein chef würde mich ja auch nicht auf die strasse stellen nur weil mein CV ein bisschen ausgeschmückt ist :o)

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