Peking schlägt zurück

13. Mai 2012 05:19; Akt: 13.05.2012 05:37 Print

Chens Neffe wegen Mordes angeklagt

Der Angehörige des blinden chinesischen Bürgerrechtlers soll sich mit einem Messer gegen Schläger verteidigt haben. Seine Anwälte werden eingeschüchtert. Chen selbst spricht von einem Rachefeldzug der Behörden.

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Dem inhaftierte Neffe des blinden chinesischen Bürgerrechtlers Chen Guangcheng drohen zehn Jahre Gefängnis oder die Todesstrafe. Chen Kegui war in der Woche nach der Flucht seines Onkels festgenommen worden. Die Behörden werfen ihm «vorsätzlichen Mord» vor.

Nach seinen eigenen Angaben hatte er sich mit einem Messer gegen Schläger verteidigt, die mit örtlichen Funktionären in sein Haus eingedrungen waren. Details des Vorfalls sind nicht bekannt, auch nicht ob jemand verletzt oder getötet wurde. Wie der Anwalt Chen Wuquan am Samstag telefonisch der Nachrichtenagentur DPA bestätigte, werfen die Behörden Chen Kegui «vorsätzlichen Mord» vor. Dem Neffen des auf seine Ausreise in die USA wartenden chinesischen Bürgerrechtlers drohten damit mehr als zehn Jahre Gefängnis oder die Todesstrafe.

Anwälte bedroht

Die Anwälte Chen Keguis sehen sich selber Drohungen ausgesetzt. Der Anwalt Chen Wuquan musste seine Verteidigung ablehnen. «Sie haben mir gesagt, dass ich Probleme bei der jährlichen Überprüfung der Anwaltslizenz bekommen könnte, falls ich den Fall annehme», sagte Chen Wuquan. Seine Lizenz wird gegenwärtig von der Anwaltsvereinigung zurückgehalten.

Der Anwalt Liu Weiguo aus der Provinz Shandong wurde ebenfalls bedroht. «Ihm ist schon vor einiger Zeit gesagt worden, dass er diesen Fall nicht anfassen soll», sagte Chen Guangchengs Anwalt Liang Xiaojun. «Er muss gegenwärtig einige Einschränkungen seiner Freiheiten hinnehmen.»

Rachefeldzug der Behörden

Der Bürgerrechtler Chen Guangcheng hat die Ereignisse in seinem Heimatort Dongshigu nach seiner Flucht aus dem Hausarrest gegenüber DPA als «schlimmen Rachefeldzug» bezeichnet.

Der blinde Aktivist befürchtet, dass Angehörige und Freunde weiter unter Druck gesetzt werden, auch wenn er das Land verlassen haben sollte. «Egal ob ich weg oder noch hier bin, es wird weiter Vergeltung geübt werden», sagte er.

Chen Guangcheng wartet im Chaoyang-Spital in Peking mit seiner Familie auf die Ausreise in die USA. Seine Flucht in die US- Botschaft in Peking hatte eine diplomatische Krise zwischen China und den USA ausgelöst.

(sda)