Drakonische Strafen

18. Februar 2020 04:12; Akt: 18.02.2020 05:03 Print

China bestraft Uiguren für alltägliches Verhalten

Das Tragen eines Bartes oder eines Kopftuches ist für China schon Grund genug, Uiguren zu inhaftieren.

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Uiguren in China müssen Medienberichten zufolge schon wegen alltäglicher Verhaltensweisen mit drakonischen Strafen rechnen. Wie die deutschen Medien NDR, WDR, Deutsche Welle und «Süddeutsche Zeitung» am Montag unter Berufung auf ein internes chinesisches Regierungsdokument berichteten, können Angehörige der muslimischen Minderheit in China schon wegen Nichtigkeiten wie dem Tragen eines Bartes oder eines Kopftuches inhaftiert werden.

In dem Dokument befinden sich demnach persönliche Daten von mehr als 2000 Menschen.

Laut Menschenrechtsaktivisten sind etwa eine Million Uiguren in der westchinesischen Provinz Xinjiang willkürlich inhaftiert. Das Regierungsdokument, das NDR, WDR, Deutscher Welle und «Süddeutscher Zeitung» zugespielt wurde, belegt den Medien zufolge in beispielloser Weise, nach welchen Kriterien die Menschen in die Internierungslager gesteckt werden.

Verstösse gegen Geburtenkontrolle

Der häufigste Grund für Inhaftierungen sind demnach Verstösse gegen die chinesischen Gesetze zur Geburtenkontrolle. In China herrscht seit einigen Jahren eine Zwei-Kind-Politik. Doch auch ganz alltägliche Verhaltensweisen im privaten Lebensbereich – etwa das Tragen von Bärten oder Kopftüchern, der Besitz religiöser Bücher oder Reisen ins Ausland – können laut den Berichten zur Inhaftierung führen.

Das 137-seitige Dokument enthält laut den Medien detaillierte Angaben zu den Fällen von mehr als 300 Uiguren, die in den Jahren 2017 und 2018 in Internierungslagern im Kreis Karakax in Xinjiang inhaftiert waren.

Aufgezählt wird etwa das Beispiel eines Mannes, der inhaftiert wurde, weil er während des muslimischen Fastenmonats Ramadan sein Restaurant schloss. Die chinesischen Behörden sahen darin ein Indiz dafür, dass der Mann über «extremistisches Gedankengut» verfügen könne.

Nach Internierung weiter überwacht

Aus der Liste geht den Medien zufolge auch hervor, dass bereits aus den Internierungslagern entlassene Menschen weiterhin durch den chinesischen Staat überwacht werden. Ehemalige Gefangene, die Reue gezeigt hätten, arbeiten demnach «in Fabriken» – WDR, NDR, «Süddeutsche Zeitung» und Deutsche Welle zitieren Experten, die dahinter Zwangsarbeit vermuten.

Experten werfen Peking massive Menschenrechtsverletzungen in der mehrheitlich uigurischen Provinz Xinjiang im Nordwesten Chinas vor. In Umerziehungslagern sollen mehr als eine Million Menschen willkürlich festgehalten und teils misshandelt werden.
Nachdem die Regierung in Peking die Existenz der Lager zunächst bestritten hatte, spricht sie heute von «Berufsbildungszentren» zur Deradikalisierung. Da es sich nicht offiziell um Gefängnisse handelt, geht der Inhaftierung auch kein Gerichtsverfahren voraus.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • S Mami am 18.02.2020 07:36 Report Diesen Beitrag melden

    Alle schauen weg

    China ware ist billig.. Alle schauen weg. ..traurig!! Wieso gibts keine weltweiten Sanktionen gegen China?ich boykottiere so gut es geht

  • Peter Keller am 18.02.2020 07:25 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Uiguren

    Auch Christen werden verfolgt, aber was kümmert uns das schon.. Unglaublich - wird gar nichts berichtet.

  • Wütender am 18.02.2020 07:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Warum wurde dieses Thema so lange totgeschwiegen von den Medien?? Was ist hier der Unterschied zu Hitlers Verhalten? Ich kann nicht verstehen, warum man die Chinesen mit dem durchkommen lässt!

Die neusten Leser-Kommentare

  • AH am 19.02.2020 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm!

    Gehasst, geschlagen, nur weil man eine andere Glaubens Ansicht hat. Richtig schlimm und das geht leider schon eine weile so.

  • gaby jansen am 18.02.2020 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    luctor et emergo

    Und die Politiker weltweit schauen weg, weil Sie alle och so gerne Handel treiben wollen mit China. Arme Minderheiten in China; sie haben keine Chance ihre Kultur auf Dauer zu erhalten.

  • Rommel am 18.02.2020 08:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andere Welt

    Die Chinesen machen es komplett anders, als die Schweizer. Sie lassen sich von Muslimen nicht auf der Nase rumtanzen sondern setzen knallhart ihre Gesetze durch.

  • Fuxhing Xiao am 18.02.2020 08:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    uiguren

    China lässt sich zum Glück von 20 MIN dessen Kundschaft nichts Vorschreiben.Go for it China

  • Mary J am 18.02.2020 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    viel Unwissenheit hier

    Einige hier haben schon wirklich null Ahnung was da mit den Uiguren abgeht, anstelle dumm zu kommentieren wäre es angebracht sich richtig zu informieren!! Es ist übel was China betr. Menschenrechten tut, selbst diese masslose Überwachung der eigenen Leute.... Vielleicht ist der Coronavirus die Strafe dafür?!