24. August 2006 13:31; Akt: 24.08.2006 13:34 Print

China steckt blinden Bürgerrechtler vier Jahre ins Gefängnis

Der blinde chinesische Bürgerrechtler Chen Guangcheng ist am Donnerstag zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Der Mann machte bekannt, mit welcher Brutalität in China die Ein-Kind-Politik durchgesetzt wird.

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Der 34-Jährige war vor einem Jahr über die Grenzen Chinas hinaus bekannt geworden. Er hatte Missstände bei der Durchsetzung der Ein-Kind-Politik enthüllt.

Das Gericht in Yinan in der Provinz Shandong verhängte die Haftstrafe wegen «absichtlicher Beschädigung öffentlichen Eigentums und der Organisation von Gesindel, um den Strassenverkehr zu stören», wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete.

Chen Guangcheng war der Prozess gemacht worden, ohne dass seine Anwälte teilnehmen konnten. Worauf sich die Vorwürfe in dem Urteil beziehen, ging aus dem Bericht der Staatsagentur nicht hervor.

Aus Sicht seiner Familie wird der 34-Jährige, der monatelang unter Hausarrest stand, nur wegen seiner Aktivitäten gegen die Behörden verfolgt.

Chen Guangcheng hatte vergangenes Jahr aufgedeckt, dass Familienplanungsbeamte der Stadt Linyi in der Provinz Shandong möglicherweise Tausende von Paaren zu Sterilisationen und schwangere Frauen zu späten Abtreibungen gezwungen hatten.

Nach einer Untersuchung waren nach offiziellen Angaben mehrere Funktionäre wegen Gesetzesverstössen entlassen und bestraft worden. Chen Guangcheng warf den Behörden aber vor, nur «kleine Fische» bestraft zu haben und die Verantwortlichen auf höheren Ebenen davonkommen zu lassen.

(sda)