Städte zu vermieten

21. Juni 2011 15:16; Akt: 21.06.2011 15:29 Print

Chinas Geisterstädte

Für ihre aufstrebende Mittelklasse stampfen die chinesischen Behörden ganze Städte aus dem Boden. Viele stehen leer, da die Menschen sich die teuren Wohnungen nicht leisten können.

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Dass es in China Geisterstädte gibt, ist angesichts einer Bevölkerungszahl von 1,3 Milliarden Menschen nicht auf Anhieb vorstellbar. Es handelt sich allerdings auch nicht um gewöhnliche Geisterstädte: Sie wurden nicht verlassen, sondern waren im Gegenteil noch gar nie bewohnt.

Überall im Land entstehen Satellitenstädte komplett mit Wohnungen, Regierungsgebäuden, Strassen, Schulen und Museen. Der chinesischen Mittelklasse soll so ein komfortables Leben ausserhalb der verstopften Ballungszentren ermöglicht werden. Das Problem ist, dass die Behörden schneller bauen, als die Menschen einziehen können. Für die meisten sind die Mieten schlicht nicht bezahlbar.

Gefahr einer Immobilienblase

Wie die «Financial Times» schon 2010 schrieb, sind falsche Anreize für die Regionalregierungen Teil des Problems. Niemand will in seinem Verwaltungsgebiet ein Bruttoinlandprodukt (BIP) unter dem nationalen Durchschnitt ausweisen. Ein einfacher Weg für die Behörden, das BIP zu forcieren, sind staatliche Immobilienprojekte. Am besten ganze Satellitenstädte, je pompöser, desto besser. Ob diese dann während Jahren leer stehen, kümmert die Beamten nicht, da sie bis dann längst einen anderen Job haben.

Ob sich die Geisterstädte jemals mit Leben füllen werden, darüber gehen die Meinungen der Experten auseinander. Manche halten es angesichts des anhaltenden Wachstums der chinesischen Wirtschaft für eine Frage der Zeit, bis genügend Leute ausreichend verdienen, um sich die teureren Wohnungen leisten zu können. Andere sehen die Gefahr einer gefährlichen Immobilienblase. Da die Zentralregierung in Peking die Zinsschraube inzwischen angezogen hat, werden einige Regionalregierungen Schwierigkeiten bekommen, ihre leerstehenden Prestigeprojekte zu finanzieren.

Augenschein in Ordos, der berühmtesten Geisterstadt Chinas:


(Video: Youtube/Al Jazeera)


Ordos liegt in der inneren Mongolei:

(kri)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fizzi am 21.06.2011 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ich kann mich ja

    täuschen, aber schafft man nicht erst einen soliden Mittelstand? Bei dem Lohngefälle in China kann ich mir nicht vorstellen, dass es einen breit abgestützten Mittelstand gibt. Kummunistischer Kapitalismus funktioniert halt leider auch nicht.

  • Poo-Cee i8 am 21.06.2011 16:28 Report Diesen Beitrag melden

    Und Stadion?

    Wie sieht es mit leerstehenden Stadien für Zürich aus? Bestimmt liesse sich ein Konstrukt hierher schiffen :-)

    einklappen einklappen
  • b.weber am 22.06.2011 06:02 Report Diesen Beitrag melden

    wie schön....

    warum kann das nicht in der schweiz wie zürich , basel,genf oder bern sein ??? leere strassen, leere busse, leere parkhäuser, leere trams, leere überall.....lach...........

Die neusten Leser-Kommentare

  • Androlino Androlino am 22.06.2011 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    ressourcen-verschwenderei

    ja das ist gut geplante ressourcen-verschwenderei... wie in dubai... ob die objekte je bezogen oder benützt werden? keiner weiss es. hauptsache ein paar spekulanten und bauleute haben gut verdient... und in ein paar jahren ist alles verlottert und unbewohnbar...

  • Kon Futius am 22.06.2011 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Sensationell ...

    ... diese Kommentare hier auf 20 Min. Keiner war hier, weiss aber (besser) wie es ist !!! In Asien lebt 1/3 der Menschheit, die Finanzwelt liegt nicht im Koma, das BSP und Wirtschafts-Wachstum so hoch, dass alle "Westerner's" ihren (vermeintlichen) Luxus hierher "exportieren", sprich verkaufen wollen. Nein, nein, denkt nur weiter so, es soll ja keiner hier runter kommen, denn dann wäre der (Social-) Frieden vorbei!

  • Luzi Fehr am 22.06.2011 09:13 Report Diesen Beitrag melden

    Kommunistisches China?

    Zum Thema Kommunismus und Kapitalismus hat meine Frau, eine gebürtige Chinesin, einmal gesagt: Wenn du mir 10.-- gibts, dann sage ich Dir, dass ich kommunistisch bin. Ich denke, das sagt schon alles.

  • S. Riggenbach am 22.06.2011 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    déja vue

    gab's das nicht schon auf dieser Welt? ... beim "Turmbau zu Babel"...

  • Hans Washeiri am 22.06.2011 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    China

    ist wohl das kapitalistischste Land der Welt. Wer glaubt dass da noch Kommunismus herrscht hat weit gefehlt.