20. April 2005 10:08; Akt: 20.04.2005 14:21 Print

Chinesische Regierung ruft zur Ruhe auf

Nach teils gewaltsamen antijapanischen Protesten in China hat die Regierung erstmals öffentlich zu Ruhe und Ordnung aufgerufen.

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Aussenminister Li Zhaoxing forderte die Chinesen auf: «Beteiligt Euch nicht an ungenehmigten Märschen und anderen Aktivitäten. Tut nichts, was unsere soziale Stabilität beeinträchtigt.» Zeitungen und Fernsehen berichteten am Mittwoch in grosser Aufmachung über die Rede.

UN-Generalsekretär Kofi Annan appellierte an den japanischen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi und den chinesischen Staatspräsidenten Hu Jintao, sich am Rande des Afrika-Asien-Gipfels am Wochenende in Indonesien zu einem Vier-Augen-Gespräch zu treffen. Er werde mit beiden sprechen und hoffe, dass sie die Gelegenheit zu einem Gespräch nutzten, erklärte Annan vor seiner Abreise nach Jakarta.

Aussenminister Li appellierte an die Chinesen, ihre Meinung «ruhig, rational und auf ordentliche Weise» kundzutun. Die Regierung hatte sich bereits in der letzten Woche ähnlich geäussert. Doch war es das erste Mal, dass die chinesischen Medien darüber ausführlich berichteten. Noch am Samstag hatte die Polizei in Schanghai zugesehen, wie 20.000 Demonstranten die Fenster des japanischen Konsulats einwarfen und japanische Autos und Restaurants verwüsteten.

Hintergrund ist die Empörung über die Zulassung eines neuen japanischen Geschichtsbuchs, in dem nach Ansicht vieler Chinesen japanische Kriegsverbrechen verharmlost werden.

Li liess nicht erkennen, dass sich China wie von Tokio mehrfach verlangt für die Übergriffe entschuldigen könnte. Stattdessen unterstrich der Minister, die Verbesserung der Beziehungen hänge davon ab, dass Japan zu einer «zutreffenden Sicht der Geschichte» finde. Die japanische Haltung habe die nationalen Gefühle des chinesischen Volkes tief verletzt, erklärte Li in seiner Rede am Dienstagabend weiter.

Trotz des Regierungsappells wurde im Internet weiter zu antijapanischen Protesten am 1. und 4. Mai aufgerufen.

Die staatlich kontrollierten chinesische Zeitungen kritisierten, dass japanische Abgeordnete am Freitag den Yasukini-Schrein in Tokio besuchen wollten, der nach Meinung von Kritikern die militaristische Vergangenheit des Landes glorifiziert.

(ap)