Berufung abgelehnt

29. Januar 2019 10:52; Akt: 29.01.2019 11:18 Print

Christin Asia Bibi darf Pakistan verlassen

Das Oberste Gericht Pakistan hat einen Berufungsantrag im Fall Asia Bibi abgelehnt.

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Asia Bibi war am 31. Oktober 2018 nach acht Jahren in der Todeszelle vom Obersten Gericht in Islamabad freigesprochen worden. Wo sie sich jetzt aufhält, ist unklar. «Wir sind nirgendwo sicher», sagt Asia Bibis Ehemann Ashiq Masih (r.) zur Deutschen Welle. Das Bild zeigt ihn mit zwei der gemeinsamen Kinder. Daraufhin protestierten radikale Muslime tagelang gewalttätig gegen die Gerichtsentscheidung. Zwei Tage nach dem Freispruch einigte sich die Regierung in Islamabad mit der Islamistenpartei Tehreek-e-Labaik darauf, dass die Islamisten Berufung gegen die Gerichtsentscheidung einlegen dürfen und Bibi die Ausreise untersagt wird. Bibis Schicksal hängt damit weiter in der Schwebe. Der Anwalt von Asia Bibi ist am Wochenende in den Niederlanden eingetroffen. Saif-ul-Mulook sagte am Montag vor den Medien in Den Haag, er habe Pakistan «gegen seinen Willen» verlassen, doch die Vereinten Nationen und die EU fürchteten angesichts der unmittelbaren Bedrohung durch Islamisten um seine Sicherheit. Saif-ul-Mulook mit Polizeischutz unterwegs in Den Haag. «Ich bin nicht glücklich, ohne sie hier zu sein, aber alle sagten ‹Nein, du bist im Moment das Hauptziel und die ganze Welt kümmert sich um Asia Bibi›», so der Anwalt. Der Ehemann Asia Bibi bittet die USA, Grossbritannien und Kanada darum, seiner Frau und der Familie zur Ausreise aus Pakistan zu verhelfen und ihnen Asyl zu gewähren, erklärte Ashiq Masih in einer Videobotschaft. «Die Töchter weinen. Sie haben ihre Mutter noch nicht gesehen. Die ganze Familie ist am Boden zerstört», sagte Wilson Chowdhry vom Verband der christlichen Pakistaner in Grossbritannien. Das Bild zeigt Asia Bibi. Blasphemie ist im streng konservativ-islamischen Pakistan ein folgenschwerer Vorwurf. Wegen entsprechender Anschuldigungen verbüssen dort derzeit rund 40 Menschen nach Schätzungen eines US-Ausschusses zur Religionsfreiheit lebenslängliche Gefängnisstrafen oder warten auf ihre Hinrichtung.

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Die Christin Asia Bibi kann Pakistan verlassen. Das Oberste Gericht in Islamabad hat am Dienstag einen Berufungsantrag gegen den Freispruch Bibis für unzulässig erklärt. Es ordnete gleichzeitig die sofortige Freilassung Bibis an.

Somit kann die 51-Jährige nun ausreisen. Bibi war vor acht Jahren in dem muslimisch geprägten Land wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden. Ende Oktober hatte der Oberste Gerichtshof das Todesurteil gegen sie aufgehoben. Dies löste massive Proteste radikalislamischer Gruppen gegen die zweifache Mutter aus.

Der radikalislamische Kleriker Khadim Rivzi von der Partei Tehreek-e Labbaik Pakistan (TLP) hatte im Zuge der Proteste die Entlassung der Richter und Bibis Tod gefordert. Die Kundgebungen und Blockaden hörten erst auf, nachdem die Regierung und die TLP ein Abkommen geschlossen hatten, das auch einen Revisionsantrag gegen das Urteil vorsah.

3000 Festnahmen

Seit November ging die Regierung von Ministerpräsident Imran Khan dann vermehrt gegen die TLP vor. Laut Behördenangaben wurden mehr als 3000 Mitglieder und Funktionäre der Partei festgenommen. TLP-Chef Khadim Rizvi und weitere Parteimitglieder wurden wegen Aufwiegelung zum Aufruhr angeklagt.

Ungeachtet dessen wurden aus Sorge vor erneuten Protesten am Dienstag Tausende Sicherheitskräfte in die Städte entsandt. Man werde erneute Demonstrationen wie im Oktober von Gruppen wie der TLP nicht mehr zulassen, sagte der Informationsminister der Provinz Punjab, Fayyaz Chohan, am Montag.

(afp)