Fremdenhass

10. September 2015 12:28; Akt: 10.09.2015 17:07 Print

Däne spuckt auf Flüchtlinge – Einzelfall?

Tausende Flüchtlinge versuchen, über Dänemark ins migrationsfreundliche Schweden zu gelangen. Auf ihrem Weg schlägt ihnen viel Ablehnung entgegen.

Dieser Mann soll Flüchtlinge auf einer Autobahn bei Rødby bespuckt haben. (Quelle: Twitter)

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Je mehr sich der Fokus der Flüchtlingskrise in Europa in Richtung Norden verschiebt, desto stärker rückt der Umgang der skandinavischen Länder mit den Migranten in den Mittelpunkt. Und der könnte unterschiedlicher nicht sein. Während Schweden Flüchtlinge mit offenen Armen empfängt, setzen Dänemark und Norwegen auf Abschreckung.

In Dänemark sorgt auf Social Media derzeit ein Bild der Fotografin Sigrid Nygaard für Empörung, das in der Zeitung «Information» veröffentlicht wurde. Es zeigt einen Mann, der bei Rødby auf einer Brücke über einer Autobahn steht und Flüchtlinge bespuckt.

Anzeigen sollen Flüchtlinge abschrecken

Doch nicht nur Teile der dänischen Bevölkerung, auch Politik und Behörden reagieren wenig freundlich auf den Flüchtlingsstrom. Die dänische Bahngesellschaft DSB teilte am Mittwoch mit, es würden vorerst keine Züge mehr von und nach Deutschland fahren. In Rødby sassen daher in zwei Zügen rund 340 Flüchtlinge stundenlang fest. Mittlerweile wurde der Zugverkehr wieder aufgenommen. Zudem erklärte der Fährbetreiber Scandlines, auf Anweisung der dänischen Polizei dürften keine Fussgänger mehr an Bord genommen werden. Dabei durchqueren viele Flüchtlinge Dänemark nur, um nach Schweden oder Norwegen zu gelangen.

Kürzlich hat Dänemark sogar Anzeigen in libanesischen Medien geschaltet, die Flüchtlinge davon abhalten sollen, in das skandinavische Land zu kommen.


Skandinavien ist gespalten

Schweden dagegen nimmt mehr Flüchtlinge auf als die meisten anderen europäischen Länder. Rune Berglund Steen vom Norwegischen Zentrum gegen Rassismus (NCAR) erklärt sich diesen Umstand mit den unterschiedlichen politischen Situationen. Bis 2001 seien Norwegen, Schweden und Dänemark die liberalen Bastionen im Norden Europas gewesen, so der NCAR-Direktor gegenüber der «Washington Post». Dann jedoch dominierten in Dänemark und Norwegen rechtspopulistische Parteien das politische Geschehen und betrieben Rhetorik gegen Migranten und Muslime.

So hat die dänische rechtsliberale Partei Venstre, die seit Juni eine Minderheitsregierung bildet, die Rechte von Flüchtlingen und Unterstützungsleistungem drastisch eingeschränkt, um Asylsuchende abzuschrecken.

Schweden ist überfordert

Doch auch andere nordeuropäische Länder fahren eine harten Kurs. In der ersten Jahreshälfte nahmen Norwegen, Finnland und Island jeweils weniger als 15'000 Flüchtlinge auf – in Schweden waren es 75'000. Grund für die ablehnende Haltung dürfte nach Annahme der Zeitung aber weniger die finanzielle Belastung als vielmehr die Angst davor sein, sich gesellschaftlich der neuen Situation anpassen zu müssen.

Doch auch die schwedische Integrationspolitik ist angesichts des Flüchtlingsansturms mittlerweile überfordert. Die Kommunen seien kaum noch in der Lage, all die Menschen aufzunehmen, heisst es in einem TV-Beitrag des deutschen ARD-«Nachtmagazins». Das beschert rechten Parteien auch in Schweden Auftrieb.

(mlr)