Tibet

10. März 2011 06:46; Akt: 10.03.2011 08:12 Print

Dalai Lama scheidet aus der Welt der Politik

Auch die tibetische Exilregierung soll eine demokratisch gewählte Führung erhalten. «Seine Heiligkeit», der Dalai Lama, will seine politische Führungsrolle niederlegen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Dalai Lama wolle das Amt einem «frei gewählten» Führer übergeben, sagte das Oberhaupt der Tibeter am Donnerstag im indischen Dharamsala, dem Sitz der Exilregierung. Auf der am Montag beginnenden Sitzung des Exil-Parlaments wolle er entsprechende Änderungen an der Exil-Verfassung vorschlagen. Seine politischen Befugnisse sollen an das Kabinett oder einen gewählten Führer übergehen. Das teilte das religiöse Oberhaupt der Tibeter zum 52. Jahrestag des Volksaufstandes der Tibeter 1959 gegen die chinesische Besatzung ihrer Heimat am Donnerstag mit.

Wie weit sich die überragende Rolle des Dalai Lama in der exiltibetischen Bewegung dadurch ändert, ist schwer abzuschätzen. Offensichtlich will der 76-Jährige mit dem Schritt die politischen Kompetenzen vor seinem Tod klarer regeln.

Der Dalai Lama kann beispielsweise bisher das Parlament in Notfällen zu Sondersitzungen einberufen. Auch ernennt er direkt ein Mitglied des zwölfköpfigen Ständigen Ausschusses, der zwischen den Sitzungen tagt. Ausserdem nominiert er bis zu drei Parlamentarier.

«Die Zeit ist gekommen»

«Mein Wunsch, die politische Führung zu übergeben, bedeutet nicht, dass ich mich meiner Verantwortung entziehen möchte», sagte der Dalai Lama. «Es geht um das langfristige Wohl der Tibeter. Ich fühle mich keineswegs entmutigt.» Der 75 Jahre alte Friedensnobelpreisträger sagte, er habe schon in den 1960er Jahren stets betont, dass die Tibeter einen vom Volk frei gewählten Führer benötigten, dem er seine Macht übergeben könne. «Heute ist eindeutig die Zeit gekommen, dies umzusetzen.»

Er werde sich aber weiterhin für die Sache der Tibeter einsetzen. Bereits im November hatte der Sprecher des Dalai Lama angekündigt, das Thema solle bei einer Sitzung des Exil-Parlaments im März angesprochen werden. Seine Rolle als geistliches Oberhaupt der Tibeter werde er aber behalten.

(sda)