3 Gründe

08. Januar 2014 13:18; Akt: 08.01.2014 13:18 Print

Darum ist Al-Kaida im Irak wieder so stark

Die Terrororganisation ist im Irak erneut auf dem Vormarsch. Das liegt am Rückzug der US-Truppen vor zwei Jahren – aber nicht nur.

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Im Irak kamen vergangenes Jahr so viele Menschen ums Leben wie seit 2007 nicht mehr. Fast täglich erschüttern Bombenanschläge das Land. In der Provinz Anbar führten Kämpfer der Terrororganisation Al-Kaida im Januar zwischenzeitlich gar einen Gottesstaat ein. Dabei eroberten die Kaida-Kämpfer die beiden grössten Städte in dieser Region, Falludscha und Ramadi – ein Déja-vu mit grosser Symbolkraft, waren hier vor zehn Jahren doch die Hochburgen des Widerstandes gegen die USA. All das macht klar: Al-Kaida ist im Irak wieder auf dem Vormarsch, die Extremisten des «Islamischen Staates im Irak und der Levante» (ISIL), wie die Kaida im Irak genannt wird, sind im Aufwind.

Es sind im wesentlichen drei Aspekte, die zur Erstarkung der Terrororganisation im Irak beigetragen haben.

Machtvakuum nach US-Abzug

Der Abzug der US-Truppen Ende 2011 führte zu einem militärischen Machtvakuum, das Terroristen anzog. Die USA hatten dies befürchtet und im Vorfeld angeboten, einige Truppen zur Unterstützung der irakischen Streitkräfte im Land zu lassen. Allerdings forderten sie, dass ihre Soldaten nicht unter das irakische Gesetz fallen und Diplomaten-Status erhalten müssten, was der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ablehnte.

Der Syrien-Konflikt

Ein weiterer Aspekt ist der Bürgerkrieg im Nachbarland Syrien. Hier konnten sich radikalislamische Kämpfer breitmachen und das Land auch immer wieder als Rückzugsgebiet nutzen. Mittlerweile können sie die Grenze zwischen den beiden Ländern passieren: Im nahezu rechtsfreien Raum von Nordsyrien über das Grenzgebiet zum Irak bis wenige Kilometer vor Bagdad können sich die ISIL-Kämpfer ungehindert bewegen.

Die Benachteiligung der Sunniten im Irak

Als dritter Aspekt kommt die langjährige Rivalität zwischen den Schiiten und den Sunniten im Irak zum Zug. Die Sunniten fühlen sich unter der Regierung Maliki benachteiligt. Der schiitische Ministerpräsident weigert sich, den Sunniten mehr politische Beteiligung zuzugestehen. Enttäuscht von der Politik Malikis, setzen sunnitische Scheichs und Politiker der Region zunehmend auf Gewalt, um zu mehr Einfluss zu kommen. Das rückt sie in die Nähe von radikalislamischen Kräften, die ebenfalls gegen die Regierung Maliki kämpfen.

US-Waffen allein reichen nicht

Die USA reagierten auf die aktuelle Situation mit der Versicherung, dass sie die versprochenen Hellfire-Raketen und Überwachungsdrohnen schneller an den Irak liefern würden. Waffen allein werden jedoch keine nachhaltige Lösung bringen: Laut Beobachtern ist ein stärkeres Einbeziehen der Sunniten in die irakische Politik unumgänglich.

Dass diese Strategie funktioniert, haben die USA in den Jahren 2007/08 vorgemacht: Sie schlossen damals Koalitionen mit den sunnitischen Stammesführern und bezahlten sie dafür, dass ihre Leute gegen Al-Kaida kämpften. Mit Erfolg.

(kmo)