Brennendes Treibstofflager

28. Juli 2014 09:00; Akt: 28.07.2014 16:49 Print

Das Feuer im Tanklager wütet weiter

Libyens Ölkonzern NOC warnt vor einer «Katastrophe»: Bei Kämpfen in Tripolis geriet ein gigantischer Treibstofftank in Brand. Gleich daneben lagern über 90 Mio. Liter Treibstoff.

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In der Nähe des stillgelegten Flughafens in Tripolis ist ein sechs Millionen Liter fassender Treibstofftank von einer Rakete getroffen worden. Angrenzend stehen weitere Tanks mit insgesamt mehr als 90 Millionen Litern Fassungsvermögen sowie ein Erdgasspeicher (Bild: AFP/Mohamed Elbosifi)

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Der sechs Millionen Liter fassende Treibstoff-Speicherbehälter sei von einer Rakete getroffen worden, sagte Unternehmenssprecher Mohammed Al-Hrari am Sonntagabend. Der Staatskonzern National Oil Corporation NOC warnt vor einer «Katastrophe für Mensch und Umwelt». Die Mitarbeiter am Standort der Anlage hätten diese aus Angst vor weiteren Raketeneinschlägen bereits verlassen. Das libysche Energieministerium rief alle Anwohner dazu auf, sofort aus dem Gebiet zu flüchten.

Da angrenzende Tanks mit insgesamt mehr als 90 Millionen Litern Fassungsvermögen sowie ein Erdgasspeicher ebenfalls Feuer fangen könnten, drohe eine gewaltige Explosion. Diese könne in einem Umkreis von bis zu fünf Kilometern schwere Schäden anrichten.

Nach Angaben des Sprechers versuchten Einsatzkräfte der Betreiberfirma Brega und des Zivilschutzes, die Flammen unter Kontrolle zu bringen. Die Mitarbeiter am Standort der Anlage hätten diese aus Angst vor weiteren Raketeneinschlägen bereits verlassen. Das Energieministerium rief alle Anwohner dazu auf, sofort aus dem Gebiet zu flüchten.

Beim internationalen Flughafen

Die Treibstoffbehälter befinden sich entlang der Strasse zum internationalen Flughafen von Tripolis, die im Kampfgebiet rivalisierender Milizen liegt. Diese liefern sich seit zwei Wochen Gefechte um den Flughafen, nach Regierungsangaben wurden dabei rund 100 Menschen getötet. Der Flugbetrieb in Tripolis ist seit Beginn der Kämpfe am 13. Juli eingestellt.

Nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 ist Libyen bis heute nicht zur Ruhe gekommen. Vielmehr versinkt das Land zunehmend in Gewalt. Rivalisierende Milizen kämpfen um die Vorherrschaft und Kontrolle verschiedener Städte und Landesregionen.

Schweizer sollen ausreisen

Wegen der «extrem labilen Sicherheitslage» empfiehlt die Schweiz seit Sonntag seinen Staatsbürgern die Ausreise. Wer sich in Libyen aufhalte, solle das Land mit eigenen Mitteln vorübergehend verlassen, teilt das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) online mit. Die Schweiz habe nur sehr eingeschränkte oder je nach Situation keine Möglichkeit mehr, in Notfällen Schweizer Bürger zu unterstützen.

Wegen der anhaltenden Gewalt haben auch Deutschland, die USA, Frankreich und weitere Länder ihre Staatsbürger zum Verlassen des nordafrikanischen Landes aufgerufen. Auch mehrere Botschaften wurden geschlossen.

(gux/sda)