Wo ist Mubarak?

18. Februar 2011 10:21; Akt: 18.02.2011 11:54 Print

Das Phantom von Scharm el-Scheich

Ist er gesund? Liegt er im Koma? Lebt er in Scharm el-Scheich oder lässt sich Hosni Mubarak gar in Deutschland behandeln? Die Ägypter rätseln. Und nicht nur sie.

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Mubarak-Poster ausserhalb des Flughafens von Scharm el-Scheich. (Bild: AFP)

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Der Kontrollposten an der von Palmen gesäumten Allee ist noch von den weithin in Ägypten gefürchteten Polizisten in Zivil besetzt. Sie riegeln die angeblich eher bescheidene Villa von Hosni Mubarak ab, der nach seinem Rücktritt als Präsident vor einer Woche hierher nach Scharm el-Scheich flüchtete.

Doch von Mubarak und seiner Familie ist weit und breit nichts zu sehen - ähnlich wie zu den Zeiten, als er noch Staatschef war und in dem mondänen Badeort ausländische Staats- und Regierungschefs empfing, ist der «Pharao» für die Bewohner des Touristenmagneten unsichtbar.

Seit Mubarak und seine Familie am vergangenen Freitag fluchtartig die Hauptstadt Kairo verliessen und sich zunächst nach Scharm el-Scheich zurückzogen, brodelt die Gerüchteküche.

Spekulationen über Gesundheitszustand

Der ägyptische Botschafter in den USA, Sameh Schukri, sagte am Montag, der 82-Jährige sei «möglicherweise in eher schlechter gesundheitlicher Verfassung», betonte aber, er habe keine genauen Informationen. Schukri war auf Medienberichte angesprochen worden, wonach Mubarak einen Hirnschlag erlitten habe oder gar im Koma liege.

Über den Gesundheitszustand Mubaraks wird seit langem spekuliert. Der ehemalige Offizier, der sein Land 30 Jahre lang autoritär regierte und erst nach wochenlangen Protesten zurücktrat, gilt als angeschlagen. In der Heidelberger Universitätsklinik wurde Mubarak im März 2010 die Gallenblase entfernt. 2004 wurde er zudem in Deutschland wegen eines Bandscheibenvorfalls behandelt.

Vor seinem erwarteten Rücktritt war gemutmasst worden, dass sich der ägyptische Präsident nach Deutschland begeben könnte, um sich dort in medizinische Behandlung zu begeben. Eine solche Lösung hätte den Weg für eine Neuordnung freimachen können, aber Mubarak die Schmach eines vom Volk erzwungenen Amtsverzicht möglicherweise erspart.

Doch auch jetzt halten sich in Scharm el-Scheich Gerüchte, der kranke Mann lasse sich in Deutschland oder Saudi-Arabien ärztlich behandeln. Andere wollen wissen, Mubarak habe einen Hungerstreik begonnen.

Nur auf Plakaten

Die Bewohner von Scharm el-Scheich sahen und sehen nichts von Mubarak. «Er traf sich immer mit denen von ausserhalb Ägyptens, aber nie mit uns. Er war zugleich nah und fern», sagt Hischam Abbas, ein 28-jähriger Tauchlehrer. Wie ein Phantom spukt Mubarak durch den Touristenort am Roten Meer.

Auf Plakaten entlang der Strasse, die zum Flughafen führt, prangt noch sein Konterfei, während es in anderen Teilen Ägyptens längst abgehängt ist. Ein Denkmal zeigt ihn 1996 mit Staatenlenkern wie dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton, Israels Regierungschef Schimon Peres und PLO-Chef Jassir Arafat.

«Der Polizeichef am Flughafen sagt, er liegt im Koma», berichtet der Taxifahrer Hassan Hussein seine Version vom Verbleib des einstmals allgegenwärtigen Mubarak. «Aber ich weiss nicht, ob das stimmt. (...) Gehen Sie selbst nach ihm schauen», fügt der Beduine lächelnd hinzu. «Er ist jetzt nur noch ein ganz normaler Bürger.»

(sda)