Grund für Verschwinden unklar

30. Juli 2018 19:17; Akt: 30.07.2018 19:17 Print

Das Rätsel um Flug MH370 bleibt ungelöst

Auch viereinhalb Jahre nach dem Verschwinden fehlt von Flug MH370 jede Spur. Auch der Abschlussbericht brachte nichts Neues.

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Das Unglück bleibt vorderhand ein Rätsel: Das Wrack der vermissten Maschine der Malaysia Airlines dürfte verschollen bleiben. (17. Januar 2017) Ein australisches Frachtschiff zieht ein spezialisiertes Hightechgerät hinter sich her, mit dem die Black Box der verschwundenen MH 370 gesucht wird. (5. April 2014) Bei dem weissen Teil mit Loch könnte es sich um ein Bestandteil einer Flugzeugtür handeln: Dieses Bild hat ein vietnamesisches Aufklärungsflugzeug geschossen. Ein SH-60r Seahawk der US Navy hebt ab, um sich an der Suche nach dem vermissten Flugzeug zu beteiligen. Sein gestohlener Pass wurde offenbar von einem Passagier an Bord des verschwundenen Flugzeugs benutzt: Der italienische Tourist Luigi Maraldi zeigt während einer Medienkonferenz in Phuket seinen neuen Pass. (9. März 2014) Das Suchgebiet wurde erweitert: Ein Soldat der vietnamesischen Luftwaffe sucht von einem Flieger aus das Meer ab. (9. März 2014) Bisher blieb die Suche erfolglos: Vietnamesische Behördenmitglieder inspizieren in Ho-Chi-Minh-Stadt Schwimmwesten eines Suchflugzeuges. (9. März 2014) Will Angehörige der Passagiere nach Kuala Lumpur fliegen: Ignatius Ong von Malaysia Airlines während einer Pressekonferenz in Peking. (9. März 2014) Auf der Suche nach der verschollenen Maschine: Mitglieder der vietnamesischen Luftwaffe auf einem Suchflug. (9. März 2014) Beten am Flughafen von Kuala Lumpur für die Insassen des verschwundenen Fliegers: Angehörige einer buddhistischen Hilfsorganisation. (9. März 2014) Könnte vom vermissten Jet stammen: Eine Ölspur im Meer vor der vietnamesischen Küste. (8. März 2014) Das abgestürzte Flugzeug war im August 2012 offenbar in einen Unfall verwickelt, bei dem die Flügelspitze der Maschine abbrach: Die Boeing 777-200 mit dem Kennzeichen 9M-MRO auf dem Flughafen von Shanghai. (10. August 2012) Die Suche nach dem Flugzeug läuft: Angehörige des Militärs der Philippinen studieren eine Karte. (8. März 2014) Zurück vom Suchflug: Eine Fokker 27 der philippinischen Luftwaffe auf der Basis Antonio Bautista in Puerto Princesa Stadt. (8. März 2014) An Bord des Flugzeuges waren 239 Menschen, darunter viele Chinesen: Angehörige auf dem Flughafen in Peking. (8. März 2014) Für die Angehörigen wurde auf dem Flughafen ein Warteraum eingerichtet: Eine Frau wird dorthin begleitet. (8. März 2014) Die Angehörigen beschweren sich über fehlende Informationen: Auf einer Tafel steht, der Flug MH370 sei verspätet. (8. März 2014) Das Medieninteresse in China ist riesig: Doch auch die Journalisten erhalten vorerst nur spärliche Informationen. (8. März 2014) Der Flug gilt offiziell noch als «verspätet»: Die Anzeigetafel am Flughafen in Peking. (8. März 2014) Über Vietnam riss die Verbindung zum Flugzeug ab: Eine Boeing 777-200 der Malaysia Airlines hebt vom Flughafen Narita in Tokio ab.

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Man bringt seine Mutter zum Flughafen, setzt sie ins Flugzeug und hört dann nie wieder von ihr. Nicht nur während der paar Stunden nicht, die der Flug dauert, oder einen Urlaub lang. Nie wieder. Nicht einmal, dass man wüsste, ob das Flugzeug mit ihr abgestürzt ist oder was auch immer.

So erging es der Rechtsanwältin Grace Nathan mit ihrer Mutter Anne Daisy. Die 56-Jährige war eine von 227 Passagieren und 12 Besatzungsmitgliedern, die am 8. März 2014 mit dem Flug Malaysia Airlines 370 über Nacht von Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur nach Peking wollten.

Auch nach bald viereinhalb Jahren fehlt von ihr und allen anderen immer noch jede Spur - allen Spekulationen und allen Suchen zum Trotz. Inzwischen nennt man den ominösen Flug MH370 deshalb rund um die Welt das «grösste Rätsel der Luftfahrtgeschichte».

Abgesehen von unzähligen Zeitungs-Schlagzeilen sind inzwischen auch schon mehr als 30 Bücher darüber erschienen. Viel schlauer wird man durch all die Lektüre nicht, genauso wenig wie durch die verschiedensten TV-Sondersendungen. Erstaunlich eigentlich, dass es noch keinen grossen Hollywood-Film gibt.

Keine konkreten Ergebnisse erwartet

Deshalb war die Hoffnung der Angehörigen auf den angekündigten malaysischen Abschlussbericht, der am Montag in Kuala Lumpur vorgestellt wurde, nicht besonders gross.

Klar, dass es jetzt nicht plötzlich einen konkreten Hinweis darauf geben würde, wo die Maschine liegt - vermutlich irgendwo auf dem Boden des südlichen Indischen Ozeans. Aber zumindest hatten sie Auskunft erhofft, warum die Boeing 777-200ER wieder kehrtmachte und dann verschwand.

Aber Fehlanzeige. Der Bericht brachte nichts wirklich Neues. Der entscheidende Satz findet sich kurz vor Schluss, auf Seite 443. Dort heisst es: «Das Team ist nicht in der Lage, den Grund für das Verschwinden von MH370 zu bestimmen.»

Spekulationen gehen weiter

Damit darf weiter spekuliert werden. Die Theorien reichen von einem Absturz aus Treibstoffmangel über eine Entführung oder einen Abschuss durch Militärs bis hin zu einem Suizid des Piloten, der dabei auch noch 238 andere Menschen umgebracht hätte.

Zu den wenigen halbwegs sicheren Feststellungen in dem Bericht gehört, dass der Kurs von Flug MH370 per Hand geändert wurde und nicht über den Autopiloten. Ob vom Piloten selbst, vom Copiloten oder von jemandem anderen, dazu äusserte sich Chef-Ermittler Kok Soo Chon nicht.
Er sagte jedoch: «Wir können nicht ausschliessen, dass sich eine dritte Partei auf gesetzeswidrige Art und Weise eingemischt hat.» Mehr aber auch nicht.

«Wahrscheinlich» auseinandergebrochen

Auf Grund der inzwischen 27 Wrackteile, die an verschiedenen Küsten angespült wurden, vermuten die Experten, dass die Maschine «wahrscheinlich» auseinanderbrach. Ob noch in der Luft oder beim Aufprall auf dem Wasser, das liessen sie offen.

Keine unwichtige Frage: Eine Wasserlandung würde bedeuten, dass der Pilot die Maschine nach vielen Stunden Flug einigermassen kontrolliert nach unten gebracht hätte. Also doch Suizid?

Von dieser Theorie hält Chef-Ermittler Kok aus anderen Gründen nicht viel. Zum einen, weil seine Leute trotz gründlicher Suche keinerlei Hinweise auf irgendwelche Probleme des Piloten fanden, weder familiärer noch finanzieller noch sonstiger Art.

Und auch, weil die beiden Psychiater im Team auf den letzten Film- und Tonaufnahmen von ihm keinerlei Symptome von Angst oder Stress feststellen konnten. Aber auch hier fügte Kok sicherheitshalber noch hinzu: «Ich schliesse überhaupt nichts aus.»

Kein Abschlussbericht

Dementsprechend enttäuscht kamen die betroffenen Familien aus ihrer Vorab-Unterrichtung durch die Ermittler. Rechtsanwältin Nathan, inzwischen Sprecherin der Angehörigen-Organisation Voice 370, fasste die Sache so zusammen: «Die Antworten gehen nicht genug in die Tiefe. Und es gibt keine angemessene Antwort auf einige relevante Fragen.»

Aus Sicht von Voice 370 (Stimme 370) darf der Bericht deshalb keinesfalls bedeuten, dass die Suche endgültig eingestellt wird. «Das kann erst dann vorbei sein, wenn MH370 gefunden ist», meinte die Anwältin. «Deshalb kann das jetzt auch noch kein »Abschlussbericht« sein.»

Wenigstens in diesem Punkt hatten die Angehörigen am Montag Erfolg. Im Unterschied zu den bisherigen Ankündigungen verzichteten die Ermittler auf diesen Begriff. Über dem 450-Seiten-Report steht jetzt nur «Sicherheitsermittlungsbericht». Gefreut darüber hat sich niemand.

(scl/sda)