US-Bürger und Terrorist

01. Oktober 2011 13:11; Akt: 02.10.2011 00:46 Print

Das Ringen um den Tod von Anwar al Awlaki

von Adrian Eng - Mit der Tötung des US-Bürgers und Top-Terroristen Anwar al Awlaki hat die Regierung Obama ein Tabu gebrochen. Die Legitimität der Aktion gibt zu reden.

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Anwar al Awlaki starb durch einen Drohnenangriff im Jemen. (Bild: Keystone)

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Zwei Jahre lang jagten die USA den im Bundesstaat New Mexiko geborenen Anwar al Awlaki. Am Freitag dann trafen den jemenitischen Terroristenführer die Geschosse einer ferngesteuerten US-Drohne in einem Auto im Norden Jemens tödlich. Mit ihm starben der ebenfalls US-stämmige Samir Khan, Computerspezialist der Al Kaida und verantwortlich für die englische Homepage «Inside», und mutmasslich der saudische Bombenbauer Ibrahim al-Asiri.

Im Jahr 2010 setzte US-Präsident Barack Obama Anwar al Awlaki als ersten US-Bürger auf die Todesliste des CIA. Mehrere Male steckte Awlaki bereits in der Falle und konnte schliesslich doch noch fliehen. Im Südjemen war er in einem kleinen Dorf bereits von jemenitischen Regierungstruppen umzingelt und unter Beschuss genommen worden, als ihm trotzdem die Flucht durch die Wüste gelang. Im Mai dieses Jahres überlebte er knapp einen Drohnenangriff der Amerikaner.

Nun ist Awlaki tot und die USA erleichtert. «Der Tod von Awlaki ist ein harter Schlag für die Schwesterorganisation der Al Kaida», sagte Barack Obama nach der Vollzugsmeldung. Aber gleichzeitig häuft sich die Kritik am harschen und illegalen Aktivismus der USA. Obamas Tabubruch ruft die Menschenrechtler auf den Plan.

Harsche Kritik

Ein Amerikaner sei ohne konkrete Beweise, ohne genaue Anklage und natürlich auch ohne Prozess getötet worden, erklärte die Bürgerrechtsorganisation ACLU. Die Legalität der Tötungsaktion hat auch die Regierung beschäftigt. Wie die «Washington Post» in ihrer Onlineausgabe schreibt, ging dem Abschussbefehl ein geheimes Schreiben des US-Justizministeriums voraus. Das Dokument wurde erstellt, nachdem rechtliche Bedenken geprüft worden waren.

Es habe keinen Dissens über die Rechtmässigkeit der Tötung des in den USA geborenen Predigers durch eine Drohne gegeben, schrieb das Blatt unter Berufung auf US-Beamte. In das Verfahren seien hochrangige Juristen der Regierung eingebunden gewesen.

Obama bricht ein Tabu

Die rechtsliberale italienische Tageszeitung «Corriere della Sera» qualifizierte am Samstag die Tötung Awlakis als Tabubruch. «In den Augen einiger Fachleute hat das Weisse Haus damit das Gesetz übertreten. Und für die erzürnten Liberalen hat US-Präsident Barack Obama ein Tabu gebrochen», schrieb der «Corriere».

Obama habe damit «einen Schritt getan, den noch nicht einmal sein Vorgänger George W. Bush zu machen wagte: Zwei amerikanische Staatsbürger werden umgebracht, auf der Grundlage unvollständiger Informationen und ohne dass ihnen ein regulärer Prozess gemacht worden wäre.»

Awlaki und Khan hätten als US-Bürger eigentlich unter dem Schutz der amerikanischen Verfassung stehen sollen. «Wie so oft in Amerika hatte man aber eine formale «Tarnung» gefunden, um etwas Illegales zu umgehen», schrieb die Zeitung.

Wegen der Tötung Awlakis wurde am Freitag die Polizei in New York in Alarmbereitschaft versetzt. «Wir wissen, dass es Awlaki-Anhänger in den USA gibt, unter anderem in New York», erklärte am Freitag der Polizeichef der US-Metropole, Raymond Kelly. Man wolle Racheakten zuvorkommen.

(Mit Material der Agentur sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fuckthe Usa am 02.10.2011 06:26 Report Diesen Beitrag melden

    Amerikaner..?

    "Ein Amerikaner sei ohne konkrete Beweise, ohne genaue Anklage und natürlich auch ohne Prozess getötet worden, erklärte die Bürgerrechtsorganisation ACLU" Ob es jetzt ein amerikaner ist der ermordet wurde oder ein Afghane was macht das für einen unterschied?? Weshalb gibt es nur einen Aufschrei wenn die USA einen amerikaner ermorden aber wenn sie araber abschlachten ist das kein Problem... lächerlich..

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  • J. Meyer am 02.10.2011 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    Richtige Entscheidung

    Ich möchte es mal so ausdrücken. Mit dem Gesinnungswandel hin zum Terrorismus und deren erklärte Ziele, wo auch immer, das amerikanische Volk, den Staat USA zu treffen, möglichst mit hohen und tödlichen Folgen, hat sich dieser Mensch selbst um seine amerikanische Anerkennung gebracht. Ich weiss es zwar nicht, aber es könnte ja sein, dass er zwar in den USA geboren wurde, aufgrund aber seiner Kerkunft (Eltern) dennoch kein Amerikaner ist. Für mich sind das nur Taschenspielertricks der Oppositionen. Terror musst bekämpft werden, lieber so, als hinterher, wenn es zuviele Opfer erst gekostet hat.

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  • öhmm am 02.10.2011 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist den der Unterschied zwischen...

    einem US Bürger und einem anderen Menschen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Urs Hagen am 10.10.2011 06:44 Report Diesen Beitrag melden

    Oberste Instanz

    Wenn sich die Amis selber umbringen wollen hat das den Vorteil, dass es die "Terroristen" nicht machen müssen. Da sie selber bestimmen wer Terrorist ist es wohl einfach etwas tückisch wen es trifft.

  • U.F. am 09.10.2011 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Unterschied???

    Ich frage mich nur wo liegt da der Unterschied. Kommt es darauf an, ob ein geziehlt getöteter Torrorist ein US Bürger ist oder nicht? Hat ein Terrorist je nach Staatsbürgerschaft mehr rechte? Entweder sind solche Aktionen gerechtfertigt oder eben nicht, aber das darf doch kein Einfluss haben welche Staatsbürgerschaft das "Ziel" hat.

  • Danny am 03.10.2011 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    Egal

    Ein paar Terroristen weniger. Who cares!? Piepegal ob das nun Afghanen, Amerikaner oder Marsmenschen waren.

    • Marco Kuebler am 05.10.2011 07:49 Report Diesen Beitrag melden

      wer?

      Wenn sie's dann auch waren, hier wahrscheinlich schon, aber wer, wie und wann wird entschieden wer zum Abschuss freigegeben wird? Wurden ja auch schon 1-2 Leute nach 30 jahren Haft wieder frei gelassen weil Sie unschuldig waren. Ist halt doch nicht sooo leicht.

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  • J. Meyer am 02.10.2011 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    Richtige Entscheidung

    Ich möchte es mal so ausdrücken. Mit dem Gesinnungswandel hin zum Terrorismus und deren erklärte Ziele, wo auch immer, das amerikanische Volk, den Staat USA zu treffen, möglichst mit hohen und tödlichen Folgen, hat sich dieser Mensch selbst um seine amerikanische Anerkennung gebracht. Ich weiss es zwar nicht, aber es könnte ja sein, dass er zwar in den USA geboren wurde, aufgrund aber seiner Kerkunft (Eltern) dennoch kein Amerikaner ist. Für mich sind das nur Taschenspielertricks der Oppositionen. Terror musst bekämpft werden, lieber so, als hinterher, wenn es zuviele Opfer erst gekostet hat.

    • K. Rotte am 02.10.2011 21:36 Report Diesen Beitrag melden

      Unschuldige Opfer vermeiden

      Genau! Gott sei Dank stehen so effiziente Waffen wie die Kampdrohnen zur Verfügung. Damit lassen viele unschuldige Opfer vermeiden. Und das scheint mir der weitaus höhere Wert zu sein.

    • Danny am 03.10.2011 08:32 Report Diesen Beitrag melden

      Staatsbürger

      @J. Meyer. Zur Info. Jeder Mensch, welcher in den USA geboren wird, ist automatisch US-Bürger. Der Mann hat sich gegen sein Heimatland gewendet und zwar massivst. Darum ist es OK, dass man ihn eliminiert hat.

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  • giovanni bernasconi am 02.10.2011 19:43 Report Diesen Beitrag melden

    "Rechtstaat" USA

    Ein Rechtstaat kennt nur das Gesetz! Nun die USA haben und respektieren nur die Gesetze die ihnen so passen. Es wurde kein Tabu gebrochen, sondern es kam an die Oeffentlichkeit. Obama kann nun sein Nobel-Preis in den Haag im Gefaengnis aufhaengen!