Gegen halal und koscher

28. Juni 2011 20:00; Akt: 28.06.2011 20:32 Print

Das Schächten wird verboten

Das Schlachten von Tieren ohne Betäubung wird zukünftig in den Niederlanden nicht mehr erlaubt sein. Muslime und Juden sind empört. Es sei ein Schritt gegen die Religionsfreiheit.

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Im einzigen muslimischen Schlachtgrossbetrieb der Schweiz, Günes Fleischgrosshandel in Buckten BL, werden Schafe nach der Halal-Methode, aber mit vorgängiger Betäubung geschächtet. (Bild: Keystone)

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Trotz heftiger Proteste von Juden und Muslimen werden in den Niederlanden Schächtungen verboten. Mit deutlicher Mehrheit stimmte das Parlament in Den Haag am Dienstag für eine entsprechende Verordnung, die das Schlachten von Tieren ohne Betäubung untersagt.

Das Schächten ist Gläubigen sowohl im Islam als auch im Judentum vorgeschrieben. Vertreter beider Religionsgemeinschaften hatten vergeblich versucht, das Parlament umzustimmen.

Der Beschluss sei «ein Schlag nicht allein für die Juden, sondern für alle Gläubigen, denn er steht im Widerspruch zur Religionsfreiheit», sagte der Sprecher der Jüdischen Gemeinde von Amsterdam, Ronnie Eisenmann. Die Organisation Muslime und Regierung erklärte, durch das Verbot würden Muslime und auch Juden vom Staat «abqualifiziert als Menschen, die etwas Schlechtes tun».

Ausbluten lassen

Beim Schächten werden Tiere wie Hühner, Schafe oder Rinder mit einem besonders scharfen Messer mit einem einzigen Halsschnitt getötet, der die grossen Blutgefässe sowie Luft- und Speiseröhre durchtrennt. Man lässt sie dann ausbluten, da der Verzehr von Blut im Judentum und im Islam untersagt ist.

Die Partei für die Tiere (PvdD), die zwei der 150 Abgeordneten stellt, hatte dies als nicht akzeptable Tierquälerei bezeichnet. Für das von mehreren Parteien - darunter den Sozialdemokraten, den Liberalen und den Grünen - unterstützte Verbot stimmten 116 Abgeordnete, 30 votierten dagegen.

Ausnahmen zugelassen

Allerdings wurde angesichts von Protesten jüdischer und islamischer Geistlicher in den Niederlanden sowie zahlreichen anderen Staaten - darunter die USA und Israel - die Möglichkeit von Ausnahmegenehmigungen zugelassen.

Dadurch sollen Schächtungen in Einzelfällen erlaubt werden können, wenn Antragsteller nachweisen, dass die Schlachtung per Halsschnitt so ausgeführt wird, dass den Tieren im Vergleich zu herkömmlichen Methoden mit Betäubung nicht zusätzliches Leid zugefügt wird. Ob ein solcher Nachweis geführt werden kann, ist jedoch umstritten.

In der Schweiz wurde das Schächten im Jahr 1893 verboten. 1973 nahm das Volk in einer Abstimmung eine Verfassungsänderung an, die das Schächtverbot aus der Verfassung strich. Es lebte aber im Tierschutzgesetz weiter. Allerdings beschränkt sich das Verbot hier auf Säugetiere; Geflügel darf geschächtet werden.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pfarrer am 29.06.2011 08:17 Report Diesen Beitrag melden

    Religionsfreiheit hat Grenzen

    Vielleicht könnte man eine neue Religion gründen wo man alles machen kann was verboten ist und sich dann auf Religionsfreiheit berufen ? Irgendwo gibts zum Glück auch hier Grenzen.

  • Noro am 28.06.2011 20:41 Report Diesen Beitrag melden

    Religionsfreiheit steht nicht über allem

    Das Wohl der Tiere ist definitiv höher zu werten,als irgend ein religiöser Unsinn. Früher, als es noch keine Kühlschränke etc gab, was das Schächten vielleicht sinvoll, aber heute ist es lediglich eine grausame unnötige Sache. Vorallem-warum sollte man die Tiere nicht betäuben? Braucht es laut der Religion die Qual der Tiere? Kein Wunder stellen sich immer mehr Leute gegen Religion, wenn die Gläubigen nicht mit der Zeit gehen. Im Islam wäre das Steinigen von Menschen auch erlaubt und es ist bei uns verboten. Ist das auch ein Einschnitt in die Religionsfreiheit?

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  • Erika Nydegger am 29.06.2011 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheilig

    Wer unbedingt "blutfrei" essen will, sollte konsequent sein und Vegetarier werden. Religiöse Empörung wegen dem Schächtverbot finde ich scheinheilig.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marco Rupprecht am 29.06.2011 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Auch Religionsfreiheit muss Grenzen haben. Schächten ist eine geradezu unmenschliche Art und Weise ein Tier zu töten. Hier muss man ganz einfach einen Riegel schieben. Wer eigene Haustiere hat, versteht von was ich spreche.

  • fresser am 29.06.2011 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    any problems

    fressen und gefressen werden werden...das ist die natur soweit das auge reicht....nebst den vegis....und die bewusstlosigkeit stellt sich als bald mal ein

  • Mike am 29.06.2011 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Fleischproduktion

    In der heutigen Konsumgesellschaft kann kein Fleisch mehr ohne "Schächten" produziert werden. Die Tiere werden am Morgen geschlachtet und müssen spätestens am nächsten Tag im Laden liegen. Früher wurde das Fleisch vor dem Verkaufnoch für mindestens 1 Woche im Kühllager aufgehängt um auszubluten und sich zu erholen. Das beste Fleisch für den Grill gibt es immer noch, nachdem es 1-2 Wochen gelagert wurde.

  • Erika Nydegger am 29.06.2011 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheilig

    Wer unbedingt "blutfrei" essen will, sollte konsequent sein und Vegetarier werden. Religiöse Empörung wegen dem Schächtverbot finde ich scheinheilig.

  • Paul Gerber am 29.06.2011 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Tiere leiden ENORM!

    Es ist längstens wissenschaftlich erwiesen, dass Tiere beim Halsdurchschneiden ENORM leiden, weil sie noch lange bei Bewusstsein sind! Sie bluten LANGSAM aus. Was heisst da Ausnahmen: Ist es nun verboten, aber trotzdem erlaubt? Unser Bundesrat hat vor Jahren versucht, das Schächten zuzulassen. Schweizer Bürger, Augen auf!