Familie lebend gerettet

25. Oktober 2011 16:24; Akt: 26.10.2011 01:25 Print

Das Wunder von Ercis

Nachdem bereits ein Baby aus den Trümmern geborgen werden konnte, haben die Rettungskräfte nun auch die Mutter und Grossmutter des Mädchens lebend in Sicherheit gebracht. Die Hoffnung auf weitere Überlebende sinkt indes ständig.

Drei Stunden nach der Rettung des Babys konnte auch die Mutter von den Rettungskräften geborgen werden. (Video: Hürriyet)
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Es ist ein kleines Wunder: Zwei Tage nach dem schweren Erdbeben im Osten der Türkei haben Rettungskräfte ein rund zwei Wochen altes Baby, seine Mutter und seine Grossmutter lebend aus den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes in der Stadt Ercis geborgen.

Unter dem Beifall der wartenden Menschen zogen sie zunächst die kleine Azra Karaduman aus den Trümmern. In eine Decke gewickelt übergaben die Retter das Baby den Sanitätern, die es in ein Spital brachten. Wenige Stunden später folgten Mutter Seniha und Grossmutter Gulzade.

Die Hoffnung auf weitere Überlebende schwindet indes immer mehr. Vor allem die zunehmenden Kälte senkt die Überlebenschancen für Verschüttete. Im Verlauf der Woche soll es in der Gegend um Van schneien.

Schlägereien bei der Verteilung von Zelten

In der Unglücksprovinz bemühten sich die Behörden am Dienstag weiter um die Versorgung von Zehntausenden Überlebenden, von denen viele bereits die zweite Nacht in Folge bei Temperaturen um den Gefrierpunkt im Freien verbringen mussten.

Tausende beheizbare Zelte wurden seit Sonntag in die Provinz gebracht, doch reichte ihre Zahl nicht aus. Teilweise gab es Schlägereien bei der Verteilung von Zelten.

Der Krisenstab des Ministerpräsidenten in Ankara teilte mit, neben den 432 Toten gebe es rund 1350 Verletzte zu beklagen. Die Behörden stellten zudem fest, dass bei der Katastrophe deutlich mehr Gebäude als zunächst bekannt eingestürzt sind. Über 2200 Häuser wurden in der Folge des Erdbebends der Stärke 7,2 zerstört.

Noch viele Todesopfer befürchtet

Nach Einschätzugen des Roten Kreuzes könnten aber noch mehrere tausend Menschen verschüttet sein und damit auch die Zahl der Getöteten noch steigen.

In Genf erklärte eine Sprecherin der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften, die Lage im türkischen Erdbebengebiet sei sehr ernst. «Hunderte, möglicherweise tausende Menschen befinden sich noch unter den Trümmern», sagte Sprecherin Jessica Sallabank. Am Montag noch hatten sich Experten optimistisch gezeigt, die Zahl der Toten werde vermutlich niedriger sein als zunächst befürchtet.

Bergungsmannschaften zogen in der Nacht zum Montag mehrere Menschen lebend aus den Trümmern. «Es war wie das Jüngste Gericht», beschrieb der aus dem Schutt befreite 18-jährige Mesut Ozan Yilmaz das Beben.

Der junge Mann lag 32 Stunden eingeklemmt unter einem eingestürzten Teehaus. Er habe sich den für das Überleben nötigen Platz schaffen können, sagte er vor laufender Kamera. Den Kopf habe er auf den Fuss eines toten Mannes gelegt.

Abfällige Bemerkung über kurdische Opfer

Das Erdbeben hat in anderen Teilen der Türkei eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Die Zeitung «Sabah» berichtete am Dienstag, einige Unternehmen schickten Wasser und Kleidung nach Van. Es gibt zudem viele spontane Kleidersammlungen für die Erdbebenopfer in türkischen Städten.

Abfällige Bemerkungen einer Fernsehmoderatorin über die kurdischen Opfer des Bebens sorgten jedoch für Spannungen in Van. Moderatorin Müge Anli hatte im Privatsender ATV gesagt, erst attackierten die Kurden türkische Polizisten und Soldaten, dann riefen sie Armee und Polizei um Hilfe, wenn es Probleme wie beim Erdbeben gebe.

Erboste Erdbebenopfer in Van bewarfen daraufhin Journalisten und Polizisten mit Steinen. Die Polizei setzte Reizgas ein, um die Menge auseinander zu treiben.


Nach über 30 Stunden in den Trümmern begraben, konnten Hilfskräfte sieben Menschen aus einem eingestürzten Wohnhaus bergen. Unter ihnen auch den 24-jährigen Murat Saglam.

(Video: AP-Television)

(sda/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • W. Under am 25.10.2011 23:50 Report Diesen Beitrag melden

    Wunder?

    Es sind grade mal zwei Tage vergangen. Wenn jemand nicht erschlagen wurde, dann DARF man eigentlich erwarten, dass er/sie noch am Leben ist. Aber eben, "Wunder" verkauft sich halt besser.

  • a.m. am 25.10.2011 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    FEhler im TExt

    ist nun das Baby 2 Wochen oder 2 Monate jung? . Es sieht eher nach 2 Wochen aus. Egal, hauptsache es ist lebend da rausgekommen.

  • Georg am 25.10.2011 20:26 Report Diesen Beitrag melden

    Wunder ...

    Es ist schon zynisch jetzt von einem Wunder zu sprechen, wenn gleichzeitig hunderte von Menschen getötet wurden. Natürlich ist das Baby süss aber die Geschichte wird jetzt sicher wieder von Religiösen ausgeschlachtet um zu prahlen wie ach so barmherzig ihr Gott nun ist. Genauso wie bei Babys die Flugzeugabstürze überleben. Die Toten bleiben vergessen oder werden zu einer Zahl in einem Newsartikel reduziert.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kaii am 26.10.2011 00:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Omg

    Oomg .Sie brauchen unsere Untersützt..armee leute das hat mich so traurig gemachtt.. :-((

  • Neda am 26.10.2011 00:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2 wochen

    Baby namens azra ist erst 2 wochen alt.. Momentan sind aber leider 369 leichen und uber 1300 verletzte.. Betet für die Türkei oder fur die menschen

  • W. Under am 25.10.2011 23:50 Report Diesen Beitrag melden

    Wunder?

    Es sind grade mal zwei Tage vergangen. Wenn jemand nicht erschlagen wurde, dann DARF man eigentlich erwarten, dass er/sie noch am Leben ist. Aber eben, "Wunder" verkauft sich halt besser.

  • Georg am 25.10.2011 20:26 Report Diesen Beitrag melden

    Wunder ...

    Es ist schon zynisch jetzt von einem Wunder zu sprechen, wenn gleichzeitig hunderte von Menschen getötet wurden. Natürlich ist das Baby süss aber die Geschichte wird jetzt sicher wieder von Religiösen ausgeschlachtet um zu prahlen wie ach so barmherzig ihr Gott nun ist. Genauso wie bei Babys die Flugzeugabstürze überleben. Die Toten bleiben vergessen oder werden zu einer Zahl in einem Newsartikel reduziert.

    • Ac am 26.10.2011 00:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wunder

      Jedes Leben ist wichtig. Wenn man nur ein Leben retten kann, dann ist schon ein Wunder.

    • Nialave am 26.10.2011 08:01 Report Diesen Beitrag melden

      Wunder

      Die Leute die ihre Angehörigen verloren haben vergessen die Toten bestimmt nicht !! Und es ist durchaus legitim sich am Baby zu erfreuen,dass erst 2 Wochen alt und ohne Muttermilch dieser eisigen Kälte ausgesetzt war, noch lebend gefunden worden ist.Und ja, es ist schon ein kleines Wunder.Also, nicht immer so pessimistisch....

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  • Sugusli am 25.10.2011 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Kaum zu glauben, dass Jounalisten die Rettung von Opfern so erschweren, weil sie mit ihrer Kamera im Weg stehen, um das beste Foto zu schiessen, nur damit wir diese betrachten können...