Aufstand gegen Einschnitte

15. Juni 2011 13:10; Akt: 15.06.2011 16:24 Print

Das griechische Volk ist wütend

von Elena Bec, AP - Ein 24-stündiger Generalstreik gegen den Sparkurs der griechischen Regierung hat weite Teile des öffentlichen Lebens lahmgelegt.

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Wütende Demonstranten in Athen. (Bild: AFP/Louisa Gouliamaki)

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Nichts geht mehr in Griechenland. Busse, Bahnen und Schiffe fuhren nicht, Krankenhäuser erhielten nur einen Notdienst aufrecht. Im Zentrum der Hauptstadt Athen versammelten sich rund 20 000 Menschen zu einer Protestaktion. Etwa 5000 Polizisten waren im Einsatz, um die Demonstranten vom Parlament fernzuhalten.

Am Rande der grössten Protestaktion gegen den staatlichen Sparkurs wurden bei Zusammenstössen zwischen hunderten Demonstranten und der Polizei mindestens zehn Menschen verletzt. Der Generalstreik legte weite Teile des öffentlichen Lebens lahm.

Tränengas-Einsatz

Auf dem zentralen Syntagma-Platz in der Hauptstadt warfen Jugendliche Brandbomben und Steine und zertrümmerten die Fensterscheiben eines Luxushotels. Die Polizei setzte Tränengas ein. Mülleimer standen in Brand, Tische und Stühle umliegender Cafés lagen auf der Strasse.

Die Menge forderte auf dem Syntagma-Platz in Sprechchören den Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou. Die Stimmung war insgesamt ruhig. Kurzzeitig kam es an einem Eingang des Parlaments zu einem Handgemenge, als Demonstranten versuchten, eine Absperrung zu überwinden und Polizisten mit Plastikflaschen bewarfen. Die Polizei setzte Pfefferspray ein.

«Es gibt keine Perspektive»

«Was sollen wir machen?», sagte die Krankenschwester Dimitra Nteli, die mit ihrer Tochter an der Demonstration teilnahm. «Wir müssen kämpfen, für unsere Kinder und für uns. Ich verdiene nach 25 Berufsjahren 1100 Euro im Monat. Jetzt wird mein Gehalt auf 900 Euro fallen. Wie sollen wir davon leben?»

Ntelis 26-jährige Tochter Christina sagte, sie bemühe sich wegen der schlechten Aussichten in Griechenland nun um einen Studienplatz im Ausland. «Ich habe hier keine Arbeit. Es gibt keine Perspektive.» Der Generalsekretär der Gewerkschaft ADEDY, Ilias Iliopoulos, sagte, von dem wenigen, was den Arbeitern geblieben sei, wolle die Regierung noch mehr streichen.

Flugverkehr von Streik nicht betroffen

In der Vergangenheit war es bei Protestaktionen häufig zu gewaltsamen Zusammenstössen gekommen. Im Mai kamen drei Bankangestellte ums Leben, nachdem randalierende Demonstranten während einer Massenkundgebung die Bank angezündet hatten.

Wegen des Generalstreiks fielen auch Fernseh- und Radiosendungen aus. Der Journalistenverband beendete den Streik jedoch später, um über die Entwicklungen in Athen zu berichten. Auch der Flugverkehr war von dem Ausstand nicht betroffen. Die Fluglotsen hatten ihre Teilnahme abgesagt.

Widerstand gegen Privatisierung

Die Regierung muss das Sparpaket über 28 Milliarden Euro für die Jahre 2012 bis 2015 noch in diesem Monat durch das Parlament bringen, um weitere Finanzhilfen der EU und des Internationalen Währungsfonds zu bekommen. Um die geplanten Einsparungen zu erreichen, musste die Papandreous Sozialistische Partei ihr Versprechen brechen, die Steuern nicht weiter zu erhöhen.

Auf starken Widerstand stösst auch die Privatisierung von Staatsbetrieben, die 50 Milliarden Euro einbringen soll. Ein Abgeordneter der Sozialisten hat schon angekündigt, gegen die Vorhaben zu stimmen, ein weiterer wird dies voraussichtlich tun. Die Mehrheit für Papandreou schrumpft damit auf vier Stimmen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dirk Frings am 15.06.2011 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Mäh ihr Schafe

    Ist euch bewusst, dass es in Griechenland keine Arbeit gibt? Leute die behaupten, dass die Griechen faul sind, sollten sich die neuste europäische Studie zu der jährlichen Arbeitszeit angucken. Der Grieche arbeitet bis zu 2122 Stunden im Jahr, verdient aber wie ein Low-Budget Zeitarbeitssklave 700 als Ingenieur oder Professor. Denkt erst nach bevor ihr die Systemmedien/-propaganda im Chor nachplappert.

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  • M. H. am 15.06.2011 18:56 Report Diesen Beitrag melden

    Griechenland muss eingenes Geld drucken

    Es gibt nur einen Weg aus dieser Krise. Griechenland muss aus dem Euro austreten und sein eigenes Geld drucken. Damit kann es seine Währung abwerten und wird für Investoren wieder attraktiv.

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  • ganz klar am 15.06.2011 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    raus schmeissen

    unglaublich, die sollen Milliarden bekommen und streiken! pfui! Gebt die Milliarden lieber mir, ich sage schön danke und bei mir halten sie auch länger an...aber im Ernst, wieso schmeisst die EU Griechenland nicht raus???

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Militärkosten senken am 16.06.2011 15:18 Report Diesen Beitrag melden

    und sparen am Militär?

    Interessant ist, dass bei all den Sparmassnahmen, die Bestellungen von Millionen teuren Waffensystemen (z.B. U-Boote aus Deutschland) offensichtlich nicht storniert werden. Ob das an den Konflikten in die GR verwicklet ist oder an den Lieferantenländern liegt ist nicht ganz klar. Aber was kostet ein Spital für ein Jahr? mehr oder weniger als ein U-Boot? und was ist sinnvoller?

  • Spar tacus am 16.06.2011 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Polizei gegen Demonstranten!

    Würde die Polizei einige der Problem-Verursacher aus Politik und Wirtschaft von Griechenland direkt aus dem Verkehr ziehen, statt Demonstranten zu schlagen, wäre der Aufwand viel geringer und der positive Effekt viel direkter, sowie sofort spürbar.

  • Anja am 16.06.2011 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Verurteilen statt Mitgefühl!

    Griechenland ist nur der Anfang! Die Schuldenblase wird weltweit immer grösser und grösser und jede Blase platzt bekanntlich irgendwann. Jeder der hier so dumme Sprüche rauslässt wie die Griechen seien faul,selber schuld,aus der Eu schmeissen etc.,soll erstmal selber eine Inflation durchmachen.Immer nur verurteilen anstatt Mitgefühl zu zeigen und das Hirn einschalten. Wie würdet ihr euch fühlen, wenn auf eurem Pensionskassenkonto kein Rappen mehr liegt, obwohl ihr lebenslang einbezahlt hat? wie würden sich eure Kinder fühlen, wenn Sie keine Jobs finden trotz schulischer Ausbildung?

    • Manni am 17.06.2011 08:47 Report Diesen Beitrag melden

      Mitgefühl ? Klar !

      Ich kann die Griechen verstehen, mir würde es in deren Situation genauso aufstossen. Die Schulden macht der Staat und der Bürger blutet. NUR: Bei uns Deutschen wird seit Jahren die Daumenschraube immer mehr angezogen, wir zahlen horende Steuern, die Renten werden gekürzt(50 Jahre arbeiten 900 E Rente, davon kann keiner Leben. Meine Oma soll das aber), arbeiten bis 67...da stösst es einem schon auf, wenn andere die von uns Milliarden bekommen nicht Willens sind selber den Hintern zusammenzukneifen. Das griechische Volk muss doch sehen, dass es nicht anders geht, auch wenn es sehr hart ist.

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  • Eulaf H. am 16.06.2011 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so, stoppt den Politker Wahn

    Diese künstiche generierte Verarmung der EU. Darum von mir ein fettes NEIN in den diletanten Verein einzutreten...Wir sollten auch viel mehr streiken und zusammenspannen in der CH..

  • Ari D. am 16.06.2011 01:43 Report Diesen Beitrag melden

    Nervende Beiträge

    Dass hier in vielen Beiträgen die Griechen als dummes und faules Volk dargestellt werden, finde ich schlichtweg eine Frechheit. Dass nicht alles mit rechten Dingen abgeht, weiss auch jeder Grieche. Nur leider hat man rein vom politischen System her nicht die einfachen und bequemen Möglichkeiten einer Schweiz um etwas zu ändern. Aus genau diesem Grund gehen die Griechen auf die Strasse! Wenn man sich die Geschichte des Staates mal genauer ansieht, dann würde man auch bemerken, dass es aus politischer Sicht erst seit etwa 40 Jahren ruhig ist im Land...