Schlachtenbummler

01. Mai 2014 21:39; Akt: 01.05.2014 21:48 Print

Das ist Putins Ukraine-Feldherr

Der Russe Igor Girkin alias Strelkow sorgt zurzeit mit seinen Milizen im Osten der Ukraine für Angst und Schrecken. In seiner Freizeit spielt er ebenso gerne Krieg.

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Der als russischer Militärangehöriger enttarnte Separatistenführer Igor Girkin alias Igor Strelkow alias Strelok hat eine lange militärische Karriere hinter sich. Gemäss Medienberichten kämpfte er in verschiedenen kriegerischen Konflikten und arbeitete für zwei russische Geheimdienste.

Seine Liebe zum Militär lebt Strelkow aber auch privat aus. Besonders angetan ist er von Nachstellungen historischer Schlachten. Die Epoche spielt dabei keine Rolle: Mal verkleidet er sich als Feldherr der Antike, mal als Mitglied der Freiwilligenarmee der 1910er-Jahre, dann wieder als Soldat im Russisch-Japanischen Krieg oder in den Weltkriegen. Die Bilder (siehe Diashow oben) veröffentlicht er selber auf sozialen Netzwerken.

Von Kindsbeinen an ein Militärfan

Strelkow ist laut Angaben des ukrainischen Geheimdiensts SBU, der ihn diese Woche enttarnte, 43 Jahre alt. Registriert ist er als Moskauer Bürger – gemäss verschiedenen Medienberichten an derselben Adresse, an der auch seine Mutter, seine Exfrau und seine Kinder wohnen.

In einem Porträt über den «Helden» der Ostukraine schreibt die russische «Komsomolskaja Prawda», dass Strelkow in einer Familie aufwuchs, die vom Militär geprägt war. Als junger Mann studierte er Geschichte, trat aber bald in die Armee ein. Als 23-Jähriger nahm er am Bosnienkrieg teil und danach kämpfte er im Zweiten Tschetschenienkrieg.

«Ehrenamtlicher» Krimkrieger

Später arbeitete Strelkow für den russischen Militär-Nachrichtendienst GRU und soll schliesslich für den russischen Inlandsgeheimdienst FSB bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus gedient haben. Namhafte Ränge erreichte er nie.

Ab Ende Februar kämpfte Strelkow auf der damals noch ukrainischen Halbinsel Krim – laut «Komsomolskaja Prawda» «ehrenamtlich und als Freiwilliger für die Selbstverteidigung» der Region. In einem Interview mit derselben Zeitung sagte Strelkow, er sei mit seiner «Einheit», die er auf der Halbinsel Krim rekrutiert hatte, nach Slowjansk gereist.

Auf dem Höhepunkt der Karriere

Viele seiner Männer hätten Kriegserfahrung durch Einsätze für die russische Armee in Tschetschenien, Zentralasien, im ehemaligen Jugoslawien, im Irak oder in Syrien, sagte Strelkow der Zeitung. Und: Ein Drittel seiner Kämpfer seien keine Ukrainer. Diese letzte Aussage korrigierte er allerdings umgehend auf nur noch zehn Prozent auswärtige Kämpfer.

Laut dem ukrainischen Geheimdienst soll Strelkow an der Entführung der OSZE-Militärbeobachter beteiligt gewesen sein. Er steht mittlerweile auf der EU-Sanktionsliste. Jetzt hat der Russe das Kommando über alle Checkpoints und Bürgerwehren der Region Donezk übernommen. Damit befehligt er jene bewaffneten Milizen, die seit Wochen ostukrainische Städte überfallen und Andersdenkende terrorisieren. Mit diesem Amt dürfte der passionierte Schlachtenbummler den Höhepunkt seiner bisherigen Karriere erreicht haben.

(kmo)