03. April 2005 23:29; Akt: 03.04.2005 23:39 Print

Das letzte Wort des Papstes war «Amen»

Millionen Gläubige in aller Welt trauern um Papst Johannes Paul II. Zum gemeinsamen Trauern versammelten sich gestern hunderttausende Menschen auf dem Petersplatz.

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Dort feierten sie die Messe für den verstorbenen Pontifex maximus. «Unsere Seelen werden von einem schmerzhaften Ereignis erschüttert. Unser Vater und Hirte, Johannes Paul II., hat uns verlassen», sagte Kardinal Angelo Sodano, der die Zeremonie vor dem Petersdom leitete. Laut Sodano starb der Papst friedlich. «Ich war Zeuge der Gelassenheit, als ich am Sterbebett des Papstes betete.»

Der Papst war nach langer und schwerer Krankheit am Samstagabend um 21.37 Uhr in seinen Privatgemächern im Beisein seiner engsten Vertrauten gestorben. Johannes Paul II. hielt bei seinem Tod die Hand seines persönlichen Sekretärs Stanislaw Dziwisz.

Er schilderte die letzten Minuten im Leben des Heiligen Vaters: «Er hob die rechte Hand, als wolle er die Betenden auf dem Petersplatz segnen. Dann versuchte er unter grosser Anstrengung das Wort ‹Amen› auszusprechen.»

Die Gläubigen auf dem Petersplatz zeigten sich auch Stunden nach Verkündigung der Todesnachricht tief bewegt: «Es war, als sei ein Mitglied meiner Familie gestorben», sagte die 25-jährige Palmira, die aus Bologna nach Rom gereist war. Viele der Anwesenden weinten, andere schauten stumm auf das Fenster der Privatresidenz des Papstes, wo er sich zuletzt am Mittwoch den Gläubigen gezeigt hatte.

Nach der Todesnachricht trauerten die Gläubigen aber nicht nur in Rom und im restlichen Italien, sondern auch in vielen anderen Ländern Europas, in Lateinamerika und Asien. In der polnischen Hauptstadt Warschau versammelten sich in der Nacht über 15000 Gläubige zum Gebet.

Geht sein Herz nach Polen?

Heute öffnen die Kardinäle in Rom das Testament des Papstes. Erst dann wird auch feststehen, wo der Heilige Vater seine letzte Ruhestätte finden wird. Spekulationen zufolge könnte Johannes Paul II. in seinem letzten Willen festgehalten haben, dass er in seiner Heimat Polen beerdigt werden möchte.

Sollte Karol Wojtylas Grab aber im Petersdom in Rom sein, wünschen sich viele Polen, dass zumindest das Herz des Papstes nach Krakau überführt und dort beerdigt wird. Es gibt Hinweise, dass es diesbezüglich Absprachen zwischen dem Erzbistum Krakau und dem Vatikan gibt.

Todesnachricht kam per E-Mail

Ungeachtet aller Tradition hat sich der Vatikan bei der Mitteilung über den Tod des Papstes eines sehr modernen Mittels bedient – die Nachricht wurde den Medien per E-Mail übermittelt: «Der Heilige Vater, Johannes Paul II., ist um 21.37 Uhr in seiner Privatwohnung gestorben.

Alle Massnahmen, wie sie Johannes Paul II. am 22. Februar 1996 in der Apostolischen Konstitution ‹Universi Dominici Gregis› bestimmt hat, sind ergriffen worden.»