Offener Brief

21. Januar 2015 20:18; Akt: 22.01.2015 13:20 Print

Das sagt ein Moslem den 25'000 Pegida-Anhängern

Ein Brite wendet sich in einem Brief an die «25'000 anti-islamischen Demonstranten in Dresden». Er prangert viel Halbwissen über den Islam an.

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Rabah Kherbane ist Brite, Moslem und Jura-Student. Die Aufmärsche der «Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes» haben ihn dazu veranlasst, sich an die Zehntausenden Pegida-Anhänger zu wenden, die wöchentlich vor allem auf den Strassen von Dresden protestieren.

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«Wie ich höre», schreibt Kherbane in seinem Brief, den die «Huffington Post» in ihrer deutschen Ausgabe veröffentlichte, «habt ihr zu Tausenden gegen meine Religion demonstriert. Letzte Woche, letzten Monat. Ihr geht gegen Einwanderer, Ausländer und Menschen mit dunkler Hautfarbe auf die Strasse. Ich werde jetzt keine Vergleiche zu Nazi-Deutschland ziehen. Ich werde euch nicht Bigotterie vorwerfen, ich werde euch nicht beleidigen, und ich werde euch nicht pauschal verurteilen. Aber wir haben hier ein Problem.»

«Euer Wissen über den Islam stammt aus einem Kasten»

Der markige Ton durchzieht den gesamten Text. Konsequent wendet sich Kherbane immer wieder direkt an die Pegida-Anhänger: «Ihr tragt Plakate vor euch her, auf denen ihr behauptet, es gebe zu viele Moslems in eurer Stadt. Dabei sind nur 0,1 % der Einwohner Dresdens tatsächlich Moslems.» Oder «euer gesamtes Wissen über den Islam stammt aus einem Kasten in eurem Wohnzimmer. Die Informationen, denen ihr euch aussetzt, bestätigen nur, was ihr hören wollt, und sind voller kognitiver Dissonanzen. Informationen, die jeden, der nicht ist wie ihr, polarisieren und entmenschlichen.»

Kherbane flicht geschickt Zahlen und Fakten in seinen Text ein und demaskiert unterhaltsam Vorurteile und Halbwissen. Etwa in Passagen wie «Wisst ihr eigentlich, dass es in der Türkei, in Indonesien und in Bangladesch – allesamt Staaten mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit – bis heute mehr gewählte weibliche Staatsoberhäupter gab als in fast allen anderen westlichen Ländern? Wisst ihr eigentlich, dass der Koran eindeutig sagt: ‹In der Religion gibt es keinen Zwang› und dass unser Prophet deutlich gemacht hat, dass ‹wer einen Menschen nichtmuslimischen Glaubens verletzt, wird nicht einmal in die Nähe des Paradieses kommen›?»

«Ziemlich dürftig für eine versuchte Kolonialisierung, oder?»

Auf den Punkt getroffen auch dies: «Ihr demonstriert ‹gegen die Islamisierung des Abendlandes›. Doch nach hundert Jahren, die uns unter anderem zwei Weltkriege, die Auflösung der Kolonien, unzählige Bürgerkriege und Konflikte, ausländische Intervention, Globalisierung und zunehmende Vertreibung beschert haben, stellen die Moslems in Europa immer noch eine Minderheit dar. Nämlich weniger als 6%. Ziemlich dürftig für eine versuchte Kolonialisierung, oder?»

Der Autor kommt auch auf seine Heimat zu sprechen und zieht Parallelen zwischen der Anti-Ausländer-Partei Ukip in Grossbritannien und der Pegida-Bewegung. Beide funktionierten nach dem gleichen Muster, beide bauten auf Angst, Ignoranz, Intoleranz und Fehlinformationen auf.

Den gesamten Brief, der mit «ein echter Moslem (keiner von denen aus dem Fernsehen)» gezeichnet ist, finden Sie hier.

(gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus Imhof am 21.01.2015 22:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstkritik wäre angebracht

    Mir fällt immer wieder auf, dass die Moslems immer nur die Meinung, das Verhalten und die Religion anderer Menschen hinterfragen. Nie oder höchst selten, bei ihnen selber. Sie verlangen von uns, dass man ihrem Glauben hier bei uns immer den höchsten Respekt entgegen bringt. Ich war einige Wochen in Riad, dort hat man meinem Glauben nicht den geringsten Respekt entgegen gebracht. Im Gegenteil. Bei den Veranstaltungen musste ich mein Kreuz um den Hals ablegen und durfte auch meinen goldenen Ehering nicht tragen! Soviel zum Thema Respekt gegenüber einer anderen Religion und Kultur.

  • Oliver R. am 21.01.2015 21:54 Report Diesen Beitrag melden

    Warum uns?

    Herr Kherbane erklärt uns den Islam, aber warum uns? Wieso erklärt er ihn nicht den Leuten von Boko Haram, IS, Hamas etc. pp? Schliesslich sind es ja diese, welche angeblich den Islam missbrauchen und dringend der Aufklärung bedürfen. Vielleicht liegt es daran, das Herr Kherbane die Wahrheit doch kennt.

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  • DDS am 21.01.2015 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Religion

    Solange nicht erkannt wird, dass einzelpersonen keine ganze Religion repräsentieren können, wird es Weiterhin Krieg und Leid geben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sanne77 am 22.01.2015 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Leute, bitte haltet alle mal inne!

    Wir diskutieren hier sehr emotional über ein Thema, das im Alltag aber kaum ein Problem darstellt. Wir werden mit diesem Thema von viel wichtigeren Themen abgelenkt, die uns WIRKLICH beschäftigen sollten! Renten, Justiz, Jugendarbeitslosigkeit, Löhne, Schulbildung, Gesundheitswesen etc.

  • Problems am 22.01.2015 13:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur weil wir eine Reformierung

    Der Kirche haben, heisst das noch lange nicht das andere Religionen dies auch machen müssen oder überhaupt soweit sind. Wir haben meistens das Gefühl, bei uns geht es ja auch, dann sollte es ja bei den anderen auch kein Problem sein. Wir nehmen schnell eine Belehrungs rolle ein, und vergessen das es bei uns auch nicht von heut auf Morgen so war. Bei solchen Diskussionen fehlt einfach das Einfühlungsvermögen und die Akzeptanz gegenüber anderen Kulturen, Verankerung der Religion in der Gesellschaft, oder der nicht vorhandenen freien Meinungsäusserung oder einer Demokratie.

  • Anon am 22.01.2015 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Daumen Hoch/Runter

    Gebetsrufe im Dorf 5x täglich

    • Niet am 22.01.2015 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nie!

      Definitiv Nein, genauso wie wir in Saudi Arabien keine Kirchenglocken läuten lassen dürfen!

    • Oliver R. am 22.01.2015 19:30 Report Diesen Beitrag melden

      @Anon

      Wir brauchen keine Gebetsrufe, wir haben Uhren. Und ein "Gott" der fixe "Sprechstunden" hat, ich weis ja nicht recht.

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  • Mqa am 22.01.2015 12:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht alles verallgemeinern

    Genauso wie Sie hier in einer Kirche aufgefordert werden den Hut abzulegen.

  • aquarius am 22.01.2015 10:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die wenigsten haben ahnung

    das ist der anfang der new age bewegung und alles so gewollt, von Mächten die WIR nicht mal kennen.... babylons dämone etc.