Gefoltert und ermordet

01. Juni 2011 13:15; Akt: 01.06.2011 13:49 Print

Das traurige Lächeln der Revolution

Der Aufstand in Syrien ist um ein grausames Kapitel reicher. Die schockierende Verstümmelung eines Kindes droht das Regime um seinen letzten Rückhalt in der Bevölkerung zu bringen.

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Eine betrübliche Konstante vieler Aufstände sind unschuldige Todesopfer, die zum Symbol der Grausamkeit des Regimes werden. Im Iran war es Neda Agha-Soltan, die im Anschluss an die Proteste gegen die umstrittene Präsidentschaftswahl 2009 in Teheran erschossen wurde. In Tunesien war es der Gemüsehändler Mohammed Bouazizi, der sich aus Verzweiflung über die Misshandlung seitens der Behörden selbst verbrannte und damit die Umwälzungen in der arabischen Welt in Gang setzte. Seit vergangener Woche hat auch der Aufstand in Syrien ein Gesicht: jenes des erst 13-jährigen Hamsa al Chatib.

Hamsa wurde am 29. April in der Nähe von Deraa, einem der Zentren des Aufstandes, von syrischen Sicherheitskräften aufgegriffen und knapp einen Monat später tot seiner Familie übergeben. Seine Eltern wurden instruiert, ihren Mund zu halten. Trotzdem kursiert seit vergangener Woche ein Video der Leiche Hamsas im Internet, das die unfassbare Brutalität der Schergen des Regimes offenbart: Sein Körper war aufgedunsen und von Schuss-, Brand-, sowie Schnittwunden übersät. Sein Genick war gebrochen und sein Penis abgeschnitten worden.

«Wir sind alle Hamsa al Chatib»

«Der Fall hat uns alle erschüttert», zitierte der britische «Guardian» einen ehemaligen syrischen Offizier und Vater von vier Kindern. «Die Brutalität, vor allem gegen Kinder, wird noch mehr Menschen auf die Strasse bringen», sagte er. «Hamsa ist zum Symbol der syrischen Revolution geworden», sagte Malik al Abdeh, dessen Barada TV in London das Video vergangene Woche auf Youtube gestellt hatte.

Tags darauf wurde es von Al Jazeera aufgegriffen und in die ganze Welt getragen. Die Aufständischen haben diesen Freitag in seinem Andenken zum «Kinderfreitag» erklärt. Auf Facebook solidarisieren sich viele, unter anderem auf der Seite «Wir sind alle Märtyrer wie das Kind Hamsa al Chatib» mit über 65 000 Anhängern.

Das Regime ist sich offenbar der Sprengkraft des Falls bewusst und übt sich in Schadensbegrenzung. Nach der Veröffentlichung des Videos wurde Hamsas Vater festgenommen und verhört. Laut Al Jazeera wurde ihm nahegelegt, künftig sunnitische Extremisten für den Tod seines Sohnes verantwortlich zu machen.

Warnung an die Aufständischen

Das staatliche Fernsehen strahlte am Dienstag zudem einen Beitrag aus, in dem ein Arzt behauptete, die Autopsie Hamsas geleitet und dabei keine Anzeichen für Folter gefunden zu haben. Die Spuren auf seinem Körper seien vielmehr auf natürliche Verwesung zurückzuführen. Auch Hamsas Vater und Onkel kamen im Beitrag zu Wort. Sie sagten, sie vertrauten den syrischen Behörden, dass diese den Fall untersuchen werden.

Laut Menschenrechtsorganisationen sollen in den vergangenen zehn Wochen in Syrien über 1100 Menschen getötet worden sein. Der Fall Hamsa ist der brutalste bisher. Beobachter sind überzeugt, dass das Regime seinen Körper nicht verscharrt, sondern der Familie zurückgegeben hat, um andere zu warnen.

(kri)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tina am 01.06.2011 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    traurig

    Es macht mich traurig...

  • Marcel Schlatter am 01.06.2011 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit diesem Regime

    Ich hoffe für dieses Kind, dass es solche Qualen nicht erdulden musste, aber es ist leider warscheilich, dass solche Verbrechen in einem unrechtstaat wie Syrien vorkommen. Statt endlich einmal eine anständige Wirtschaft aufzubauen und den Menschen ein änständiges Leben zu ermöglichen beschäftigen sich diese Regierungen lieber mit geheimen Nuklearprogrammen, Terrororganisationen sponsern und die eigene Bevölkerung unterdrücken. Schuld an der eigenen Unfähigkeit sind dann die USA, Israel, der Westen... Die Syrer müssen sich selber Helfen, die Nato ist nicht legitimiert hier einzugreiffen.

  • Marielle B. am 02.06.2011 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Sehe ich richtig?

    Auf der Reklame rechts von diesem traurigen Beitrag steht: Haben sie heute schon gelächelt? Pervers!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Willy vom Hochrhein am 07.06.2011 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    This is not the end...

    Nun, dies ist nicht das Ende, es ist nicht einmal der Anfang vom Ende, es ist, vielleicht, das Ende des Anfangs, (von Mr Assad)

  • Marielle B. am 02.06.2011 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Sehe ich richtig?

    Auf der Reklame rechts von diesem traurigen Beitrag steht: Haben sie heute schon gelächelt? Pervers!

    • andy am 02.06.2011 12:46 Report Diesen Beitrag melden

      skandal!!

      meine güte und gleichzeitig als du den beitrag gelesen hast läuft grad simpsons auf pro 7 ... das ist doch ein skandal!

    • John Swayne am 02.06.2011 15:04 Report Diesen Beitrag melden

      Na na...

      Werbeeinblendungen passieren in der Regel automatisch und der Inhalt einer Newsseite auf 20 Minuten beeinflusst diesen nicht.

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  • A.A. am 02.06.2011 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Kann man so noch leben ??

    Unglaublich, sie schlachten nicht nur wehrlose Tiere auf bestialische Weise, sie masakrieren auch ihre eigenen Glaubensbrüder und Kinder. Was für grausame Menschen

  • P.Meier am 02.06.2011 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Aber wir sind lieber gegen Gaddafi

    Leider hat es nicht so viel Öl in Syrien, deswegen sind unsere UN-Freunde lieber gegen Gaddafi.

    • A.A. am 02.06.2011 12:12 Report Diesen Beitrag melden

      Die Schuld nicht auf andere schieben !

      Für diese grausame Tat sind nur die Menschen verantwortlich, das dies getan haben.

    • A.H. am 02.06.2011 13:43 Report Diesen Beitrag melden

      Schuld nicht auf andere schieben!!

      Richtig. Gleichzeitig sollten die egoistischen Europäer auch endlich etwas unternehmen und nicht wie immer nur auf die USA warten und letztendlich auch die Amis kritisieren. Europa, ein Kontinent voller Spasstis!

    • John Swayne am 02.06.2011 15:06 Report Diesen Beitrag melden

      Na, wieder mal so einer...

      Bisschen recherchieren statt wieder mal sinnlos mit der Masse auf Ami-Bashing machen. Der Artikel hat mit den Amerikanern ja nun wirklich nichts am Hut. Und in Lybien wollten sich speziell die Amerikaner raushalten. Erst nach massivstem Bitten der Aufständischen hat man eingewilligt. Und nur weil die Europäer nix auf die Reihe kriegten haben sie Ihren Einsatz ausgeweitet.

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  • Fouad Kermo am 02.06.2011 01:24 Report Diesen Beitrag melden

    Zu Tod gefoltert

    Seit Monaten gehen in ganz Syrien immer wieder Gegner von Präsident Bashar al-Assad auf die Strasse. Sie fordern ein Ende seiner elfjährigen Herrschaft und demokratische Reformen. Sicherheitskräfte haben mehrfach versucht, die Demonstrationen gewaltsam niederzuschlagen und dabei über 1200 Menschen getötet und 12 Tausend festgenommen.