Rat von Anitsemitismus-Beauftragten

26. Mai 2019 21:30; Akt: 26.05.2019 21:30 Print

Deutsche Juden vor dem Tragen der Kippa gewarnt

Der Antisemitismus-Beauftragte Felix Klein rät Juden in Deutschland, wegen Übergriffen ihre Kippa nicht überall zu tragen. Das sorgt weltweit für Schlagzeilen.

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Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung hat eine Debatte über das Tragen der Kippa in Deutschland ausgelöst. Felix Klein sagte gegenüber Medien, er könne «Juden nicht empfehlen, jederzeit überall in Deutschland die Kippa zu tragen».

Er begründete seine Weisung mit der «zunehmenden gesellschaftlichen Enthemmung und Verrohung». Diese sei ein fataler Nährboden für Judenhass. Etwa 90 Prozent der Straftaten gegenüber Juden seien dem rechtsradikalen Umfeld zuzurechnen, aber auch muslimische Täter ­seien eine Gefahr.

Klein forderte angesichts des starken Anstiegs antisemitischer Straftaten in Deutschland Schulungen für Polizisten und andere Beamte. Es gebe «viel Unsicherheit bei Polizisten und bei Behördenmitarbeitern im Umgang mit Antisemitismus».

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, pflichtete ihm bei: «Es ist seit längerem eine Tatsache, dass Juden in einigen Grossstädten potenziell einer Gefährdung ausgesetzt sind, wenn sie als Juden zu erkennen sind.»

«Werden uns niemals unterwerfen»

Das Statement von Klein ging von BBC bis «Washington Post» durch die Weltpresse und sorgte für viele Twitter-Kommentare, in denen dazu aufgerufen wurde, aus Solidarität eine Kippa zu tragen. Juden abzuraten, eine Kippa zu tragen sei zudem ein «sehr falscher Weg, Antisemitismus zu bekämpfen».


Auch der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin reagierte schockiert: «Ängste um die Sicherheit deutscher Juden sind eine Kapitulation vor dem Antisemitismus und ein Eingeständnis, dass Juden auf deutschem Boden erneut nicht sicher sind», sagte er.

«Wir werden uns niemals unterwerfen, wir werden niemals den Blick senken und wir werden auf Antisemitismus niemals mit Defätismus reagieren.» Dasselbe erwarte und verlange Israel auch von seinen Verbündeten, fügte der israelische Staatschef hinzu.

«Beschämend für unser Land»

Auch deutsche Politiker zeigten sich besorgt: «Die immer häufigeren Gewalttaten gegen Jüdinnen und Juden sind beschämend für unser Land, sagte die SPD-Europaspitzenkandidatin Katarina Barley.

Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz sagt gegenüber Medien, Kleins Hinweise seien «erschütternd und beschämend». Gesellschaft und Staat müssten noch entschlossener gegen «jegliche Form des Judenhasses, Versuche der Geschichtsklitterung gerade aus der Ecke der neuen und alten Rechtsextremen und gegen den israelbezogenen Antisemitismus» vorgehen.

(20 Minuten/afp)